Big Mama's Haus
(Big Momma's House)

USA, 98min
R:Raja Gosnell
B:Darryl Quarles
D:Martin Lawrence,
Nia Long,
Paul Giamatti,
Jascha Washington
„Big Mama kriegt gleich 'nen tierischen Ast...”
Inhalt
FBI Agent Malcolm Turner (Martin Lawrence) ist ein Meister der Verkleidung und hat so schon so manchen kriminellen Akt aufgedeckt. Malcolms nächster Auftrag führt ihn in eine kleine Südstaaten-Stadt, wo er den gefährlichen Bankräuber Lester (der gerade aus dem Knast geflüchtet ist) zur Strecke bringen soll. Malcolm richtet einen Beobachtungsposten ein, gegenüber von Big Mamas Haus, einer Südstaatenmatrone, die Besuch von ihrer Enkelin (Nia Long), der Ex-Freundin des gesuchten Gangsters und deren Sohn erwartet, zu denen sie seit Jahren keinerlei Kontakt hatte. Ein simpler Plan, jedoch mit folgendem Problem: Big Mama hat mittlerweile unerwartet die Stadt verlassen.
Kurzkommentar
Martin Lawrence soweit das Auge reicht. Wem das noch nicht genug sagt, der sollte auch besser nicht in diesen Film gehen. Hauptsächlich Fans des schwarzen Tolpatschs dürften sich bei der vollschlanken Modder nämlich gut aufgehoben fühlen. Sicherlich hier und da recht kurzweilig, trotzdem keine Bereicherung für das Kinojahr.
Kritik
Definiere Erfolg: ein beliebter Komiker X + ein geklauter, aber erfolgsversprechender Plot Y + ein halbwegs etablierter Regisseur Z = 25 Mio. $ Einspielergebnis am ersten Wochenende. Konkret: setze X="Martin Lawrence", Y="Der verrückte Professor" (der im Falle von Eddie Murphy schon ein astreines Remake war) und Z="Raja Gosnell", der schon mit "Ungeküßt" halbwegs überzeugen konnte.

Damit wäre eigentlich schon alles Wesentliche gesagt: "Big Mama's Haus" ist sowas von typisch für einen Martin Lawrence Film, daß sich wirklich nur Fans ansprechend unterhalten fühlen. Natürlich sind sein Erscheinen und seine Bewegungen als korpulentes Mütterchen hier und da ganz amüsant - mehr als Schmunzeln ist in aller Regel aber nicht drin. Die wenigen "Highlights", wenn man derart hochlobende Termini überhaupt wählen sollte, sind allenfalls noch die Geburt der Nachbarstochter in Form einer Biolek-Kochstunde oder die leidlichen Probleme, mit denen Momma's dieser Größenordnung in ihrem Alltag so zu kämpfen haben.
Leider (oder sollte man gar "Selbstverständlich" sagen ?) überschatten die negativen Seite die wenigen positiven Aspekte bei weitem: sofern sich vollschlanke Zuschauer (die sicherlich nicht zum anvisierten Publikum zählen, aber denen der Film dennoch in der Werbung begegnen könnte) nicht eh schon von der Thematik abgestossen fühlen, werden auf Kosten eben derer in genüßlicher Weise die plattesten Witze gemacht. Wir lernen nach dem verrückten Professor ein weiteres Mal: dicke Menschen sind auf Toilette grundsätzlich unhygienisch und eklig, sowie: dicke Menschen sind dick, weil sie fettig kochen. Während Murphy in der unübersehbaren Vorlage seinen Charakteren wenigstens noch etwas Charme verlieh, gilt für Big Mama: Slapstick, um des Slapsticks wegen - ohne Rücksicht auf Verluste.

Und obwohl die Story um den Bankräuber offensichtlich nur lose Aufhängung für eine Martin Lawrence Show ist, sowie der weibliche Nebencharakter augenscheinlich nur hübsch sein muß (gelungen: Nia Long), ist die gewisse Kurzweil, die der Film verbreitet, unbestreitbar. Aber ist nach dem stereotypischen "Diamantencop", dem unausgegorenen "Life" und dem mustergültigen Vorbild des verrückten Professors tatsächlich noch ein weiterer, dermaßen vorausschaubarer Kinofilm nötig ? Anscheinend ja ... denn ich vergaß wohl die rechte Seite der obigen Leitformel...

Dicke Mama, dünner Plot: für Lawrence-Fans


Thomas Schlömer