American Pie

USA, 95min
R:Paul Weitz
B:Adam Herz
D:Jason Biggs,
Shannon Elizabeth,
Chris Klein
„Ich nannte es die Salami reiben”
Inhalt
Jim (Jason Biggs), Oz (Chris Klein), Kevin (Thomas Ian Nicolas) und Finch (Eddie Kaye Thomas) bilden eine 'jungfräuliche' Klicke an der High-School. Kurz vor dem Abschluss stehend, denken sie nur an 'das Eine'. Als ausgerechnet Versager Sherman (Chris Owen) nach einer Party vorgibt, mit einer Frau zum ersten Mal Sex gehabt zu haben, fassen die Vier vom triebhaften Ehrgeiz ergriffen einen Plan: Bis zum bald anstehenden Abschlussball soll jeder der Vier seinen ersten Sex erlebt haben. Natürlich wird die Durchführung des Planes von etlichen Hindernissen erschwert. Ein Rennen gegen die Zeit und die Hormone beginnt.
Kurzkommentar
Kaum wägt man sich vor der Sturmwelle der High-School-Klamotten endgültig in Sicherheit, schlägt die maßloseste Version zurück. Das Trauma amerikanischer Prüderie wird durch die Metamorphose der High-School zur Begattungsinstitution mit kopulationswütigen, masturbierenden Teenis auf die Schippe genommen. Das ist peinlichster Sexualhumor und unsäglich dumm, weil sich der Film auf zweiter Ebene anmerken lässt, dass er trotz Parodie Bestandteil der verklemmten amerikanischen Moral ist. Das Fatale: die derben Gags reizen zum Lachen, um das Beschämende zu überwinden.
Kritik
Das aktuelle Jahr hat dem Kino nicht nur erzählerische Innovation, sondern auch die Reaktivierung eines völlig überflüssigen Subgenres der Gesellschaftssatire gebracht. Das vorweigend grauenhaft Pubertäre der High-School-Klamotten schockierte nicht weniger als ihr phrasenhafter 'Gesellschaftssdiskurs'. Meist hob ihre ironisch-überzeichnete, jedoch moralüberfrachtete Handlung auf nerviger Kritik an der Klassengesellschaft ab, die man ohnehin nicht änderte, ihr aber durch die Parteiergreifung für soziale Randgruppen ordentlich eins auswischte.
Dies pendelte dann zwischen Peinlichkeit und mäßig funktionierender Klamotte. Nun ist es ein Pluspunkt, dass 'American Pie' Fragen der sozialen Divergenz fast unberücksichtigt lässt und stattdessen mit einer Parodie auf sexuelle Initiation DAS Tabuthema der amerikanischen Gesellschaft 'reflektiert'. In einem Land mit der weltgrößten Pornoindustrie und der gleichzeitigen Radikalverbannung der Sexualität ins Ehebett, mit exzessiver Toleranz in der Gewaltdarstellung, aber Verpönung von nackter Haut, ist das besonders prekär.

Kritik kann höchstens im Mantel eines vermeintlich nicht ernstzunehmenden Spotts geäußert werden. Sein Ziel? In 'American Pie' sollte nichts gesucht werden, was nicht da ist. Die einzige Botschaft dieses Streifens könnte die Aufforderung sein, die Dinge beim Namen zu nennen, denn nichts scheint schwieriger zu fallen, Sex wenigstens in der Sprache als Normalität zu empfinden. Ihn zu haben ist - so die haarsträubend realitätsentfernte Annahme - nur wenigen 'Auserwählten' vorbehalten, die durch ihn als regelrechten Initiationsritus reif für den nächsten Lebensabschnitt werden. 'Auf der Suche nach dem heiligen Gral' - das Zitat trifft die abstrakt-religiöse Stellung auf den Punkt, die die Sexualität in der prüden Gesellschaft inne hat. Triebe werden solange unterdrückt, bis der Mann in seiner Verzweifelung den titelgebenden Apfelkuchen penetriert - Kulmination des vulgären Schwachsinns, der wegen seines Peinlichkeitsgrads nur Lachen als Reaktion nach sich ziehen kann.

Allzu deutlich ist der unter die Gürtellinie gehende Humor von 'Verrückt nach Mary' abgekupfert worden. Noch zwei Punkte, die für amerikanische Komödien im allgemeinen und High-School-Klamotten im speziellen symptomatisch sind: 1. meint man, das 'heikle' Sexthema im Film wie wild thematisieren zu können ohne jemals nur einen Flecken Haut zu zeigen und 2. - was besonders stört - verkaufen auch Parodien den Zuschauer für blöd, wenn sie ernsthaft weit über 20-jährige Schauspieler in der High-School-Szenerie wie 12-Jährige über erste Masturbation und religiöse Sexerfahrung debattieren lassen. Die eigentlich ansehnliche Riege der Jungdarsteller hat dabei alle Mühe, ihr Gesicht zu wahren. Als das Finale in mehr oder weniger improvisiertem Gerammel mündet, ahnt man, wodurch die Seele noch immer am besten geläutert wird.

Ein schlichtweg blöder Film, der nur wegen seiner schockierenden Einfälle niveaulos unterhält und als Paradebeispiel für die amerikanische Sexneurose gelten darf. Womöglich ist der Geschlechtsakt in Amerika nur mit 'ethikentrückten' Mitteln der Farce ein zu bewältigendes Thema des Zusammenseins.


Vulgärklaumauk als saublöde Kompensation für verklemmte Seelen


Flemming Schock
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Freunde freizügigen Humors kommen voll auf ihre Kosten - 'American Pie' klappert so ziemlich jedes Witzchen um den 'Höhepunkt' unseres Lebens ab, den es gibt. Darin liegt einerseits die Stärke, andererseits genau so die Schwäche des Films. Viel mehr außer "F**ken", "Blasen" und "Salami reiben" hat er nämlich nicht zu bieten. Irgendwie Schade - der ...