Tomb Raider

USA, 105min
R:Simon West
B:Sara Cooper, Mike Werb, Michael Colleary
D:Angelina Jolie,
Jon Voight,
Iain Glen,
Noah Taylor
L:IMDb
„Mit anderen Worten: Fass nichts an, oder du wirst sterben.”
Inhalt
Die adlige, aber wenige lady-like Lara Croft steht stets mit einem Bein im Abenteuer - als Archäologin ist sie in Pyramiden, Tempeln und Grabkammern zu Hause, mit Mumien, Cybermonstern und anderen Grabräubern auf Du und Du. Diesmal drängt die Zeit, denn dank einer Planetenkonstellation, die nur einmal alle 5000 Jahre auftritt, bietet sich die Chance, an ein einmaliges Artefakt zu gelangen. Doch Lara ist nicht die Einzige, die ein Auge darauf geworfen hat....
Kurzkommentar
Viel Schelte musste "Tomb Raider" von den Kritikern einstecken. Wenn man aber die allgemeine Qualität von Computer- oder Videospielumsetzungen kennt, dann ist man eher positiv überrascht. Wie zu erwarten zeichnet sich der Film durch krachige Inszenierung und wenig Inhalt aus - und letzlich fehlt leider der Charme zum tollen Film.
Kritik
Vor rund 5 Jahren begann ein Computerspiel seinen Siegeszug, den selbst einschlägige Magazine nicht vorhersahen. Ein zu jener Zeit nicht ausgelutschtes Genre, die attraktive Titelheldin und das Zusammenspiel mit den damals revolutionären Voodoo-Grafikkarten sorgten für einen einmaligen Erfolg in der Computerspiele-Geschichte. Und keinem Computerspiel- Charakter dürfte je eine so umfassende Präsenz in anderen Medien gelungen sein: Lara auf sämtlichen Titelmagazinen, als Plastikfigur und natürlich das unvergessliche Lara-Duschgel. Lara als Abenteurerin, Verführerin und Weihnachtsmann, dazu zahlreiche Look-a-likes - der Overkill war vorprogrammiert. Zudem entwickelte sich die Spielereihe eher mässig, sodass selbst zähe Fans bald müde abwinkten, als Publisher Eidos mit immer neuen Fortsetzungen die Käufer lockte. Der Reiz war dahin, Lara hatte ihre Exklusivität verloren, und wehmütig wurde der Zeiten gedacht, als man nur für dieses Spiel die damals astronomische Summe von über 500 DM für eine Grafik-Zusatzkarte hinblätterte. Gott sei Dank hatte Eidos ein Einsehen und hat "Tomb Raider" zumindest eine Ruhepause gegönnt, während Paramount fröhlich am Film werkelte. Lange Zeit waren verschiedene Kandidatinnen im Gespräch, von Sandra Bullock bis zur standesgemäß computeranimierten Heldin, letztlich übernahm Oscarpreisträgerin Angelina Jolie den Job.

So manche Videospielumsetzung hat das Kino schon gesehen, und die meisten waren reichlich schrottig. Hier allerdings engagierte man eine namhafte Darstellerin, einen namhaften Regisseur, und pumpte wohl auch nicht unbedeutende Mengen Geld in den Film, auf dass die Merchandising- Maschinerie wieder in Schwung komme.

Abhängig davon, ob man dies nun im Hinterkopf hat der nicht, ergibt sich wohl auch die Erwartungshaltung: Meine war gering, und so war ich eher positiv überrascht, zumal ich gestehen muss, kein Fan von Angelina Jolie zu sein. Freut man sich dagegen seit Jahren auf diesen Film, vergöttert Angelina und ist voll im Lara-Bann, so wird man wohl enttäuscht sein. Gerüchteweise hört man, dass zu Beginn sogar ein richtig gutes Drehbuch vorgelegen haben soll - viel übrig geblieben ist davon nicht. Die Story ist mager, wieder muss irgendein Artefakt gerettet werden, wieder steht die ganze Welt auf dem Spiel, wieder sind die klischeehaft Bösen technisch-organisatorisch natürlich weit überlegen, aber dennoch die ganze Zeit die Dummen, und wieder siegt, soviel darf wohl verraten werden, am Ende Lara souverän. Dazu kommt das übliche Maß an Logikfehlern, komischen Charakteren und erzwungenen Gags. Wer "Matrix" und "Tiger & Dragon" mochte, wird zudem wohl von der Action enttäuscht sein - sie ist gewissermassen ziemlich altmodisch. Keine Wire- Technik, keine Geschwindigkeitswechsel, eher etwas zu schnelle und konfuse Schnitte. Mir hat es, zugegebenermaßen, gefallen. Da ich diese ganze künstlichen Verfremdungen nicht mag, haben es mir die "realistischen" Kampfszenen angetan - zumal man sich teilweise wirklich was Neues hat einfallen lassen (Lara am Seil: zwar kaum glaubwürdig, aber lustig).

Insgesamt klingt das nun alles nicht so berauschend - irgendwie ist "Tomb Raider" wie das Computerspiel: Alles recht künstlich und inszeniert, handlungsarm, actionreich, optisch ansehnlich. Nur leider springt der Funke nicht so ganz über. Wo man im Spiel in genialen Levels wie etwa "Stein's Folly" jede Minute mit der Heldin zitterte, die ganzen spektakulären Sprünge und Kampszenen selber ausführte und in die mehr angedeutet als reale Polygonheldin alle mögliche hineindenken konnte, bleibt einem jetzt zwar routinierte, aber nicht unbedingt atemberaubende Action bei der man selbst zur Passivität verdammt ist, und die Fleischwerdung Laras nimmt auch so manche Illusion, zumal Jolie für meinen Geschmack die Schnepfen-Seite viel zu sehr raushängen lässt. Wer das Computerspiel mochte, für den ist "Tomb Raider" dennoch irgendwie Pflicht, zumal die Macher doch immerhin das eine oder andere Detail aus den Spielen umgesetzt haben, dass man grinsend wiedererkennt. Wer das Spiel nicht mochte, wird den Film wohl ebensowenig mögen - und für alle anderen bleibt ein durchschnittlicher Film. Das Experiment, James Bond mit Indiana Jones zu kreuzen ist nicht sonderlich gelungen, neben diversen offensichtlichen Mängeln fehlt es einfach an dem gewissen Etwas.

Knallige Computerspielsetzung mit Charmemangel


Wolfgang Huang