Tötet Mrs. Tingle
(Teaching Mrs. Tingle)

USA, 96min
R:Kevin Williamson
B:Kevin Williamson
D:Helen Mirren,
Katie Holmes,
Jeffrey Tambor,
Barry Watson
L:IMDb
„Nicht so schnell, Mrs. Tingle!”
Inhalt
Leigh Ann (Katie Holmes) muß Klassenbeste werden, um ein Stipendium für Harvard zu bekommen. Dem steht allerdings ihre selbst bei Kollegen äußerst unbeliebte Geschichtslehrerin Mrs. Tingle (Helen Mirren) im Wege. Als Leigh Ann dann wenige Tage vor der Abschlussprüfung in der Turnhalle mir ihrer Freundin Jo Lynn (Marisa Coughlan) für Geschichte lernen will, kommt der Mädchenschwarm Luke (Barry Watson) herein. Ihm sind zufällig die Prüfungsaufgaben von Mrs. Tingle in die Hände geflattert. Just in diesem Moment betritt auch Mrs. Tingle die Turnhalle und schon droht den Dreien der Rausschmiss von der Schule. Am Abend besuchen sie die Lehrerin, bedrohen sie mit einer Armbrust, fesseln sie ans Bett und drohen sogar sie umzubringen. Die Lehrerin beginnt mörderische Psychospiele und spielt die drei Freunde langsam gegeneinander aus.
Kurzkommentar
So einen ausgemachten Teenie-Horror-Comedy-Psychothriller-Schwachsinn hat es wohl noch nicht gegeben. Nachwuchsregisseur Williamson, der sich die Story ganz alleine, vermutlich auf dem Klo, ausgedacht hat, macht alles falsch. Der Film ist zu keinem Zeitpunkt spannend und lustig ist er meistens unfreiwillig. Die Handlung ist durchsetzt von logischen Fehlern, nur Helen Mirren und Marisa Coughlin bieten sehenswerte Leistungen. Unbedingt meiden!
Kritik
Was wurde man nicht mit Filmen aus dem Umfeld schöner junger Teenager bombardiert in letzter Zeit. Zum einen gab es da eine ganze Reihe von 'romantischen Komödien', wie z.B. 'Eine wie keine', '10 Dinge, die ich an dir hasse' und so weiter. Die andere Richtung waren die Horrorfilme, allen voran 'Scream'. 'Scream' wurde genau wie die beiden Nachfolger und noch einige andere dieses Genres von Kevin Williamson verfasst. Seine Filme haben immer das gleiche Strickmuster. Junge, schöne Menschen haben furchtbare Angst vor dem bösen, schwarzen Mann, in diesen Fällen meistens verkörpert von maskierten Massenmördern, die bevorzugt mit Messer oder Fleischerhaken Jagd auf ihre Opfer machen.

'The Faculty', lose basierend auf dem Klassiker 'Angriff der Körperfresser', war die löbliche Ausnahme. Fast alle anderen Filme von Williamson kann man ohne zu zögern als Mist bezeichnen. Die Darsteller werden grundsätzlich nach dem Aussehen ausgesucht, zumindest hat es so den Anschein. Und schreien müssen die jungen Models können. Denn lautes Kreischen ist eines der Erkennungsmerkmale von Williamson Filmen. Seine Filme enthalten im allgemeinen derbe Logikfehler und die stets klischeehafte Charakterdarstellung ist sehr störend. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Williamson Figuren stets die Schule besuchen. Die Filme spielen entweder im High-School- oder im College-Umfeld.

Die Handlung von 'Tötet Mrs. Tingle' ist prinzipiell ähnlich der 'Faculty'- Handlung. Beide Filme zeigen den Kampf in die Enge getriebener Schüler gegen ihre Lehrer. Dies stößt den Amerikanern seit dem Anschlag von Littleton bitter auf. So wurde der Film im Englischen kurzerhand von 'Killing Mrs. Tingle' in 'Teaching Mrs. Tingle' abgeändert. Am eigentlichen Geschehen ändert sich nichts. Da wird die Lehrerin ans Bett gefesselt und mit der Armbrust bedroht. Die Umstände die dazu führen und das was anschliessend noch geschieht, ist derartig haarsträubend, das man sich nur noch an den Kopf fassen und auf die Uhr gucken kann.

Williamson versucht wie immer den Film zwanghaft auf jugendliches Publikum zuzuschneiden. Die Dialoge sind kurz und dämlich, zwischendrin können die Akteure dann noch wunderbar coole Sprüche abdrücken. Der Handlungsverlauf ist geprägt von grundsätzlichen logischen Fehlern und vollkommen unlogischem Verhalten der Figuren. Wenigstens verleihen Marisa Coughlin und Helen Mirren ihren schlecht geschriebenen Charakteren noch ein wenig Leben. Ihre Leistungen sind der einzige Grund, warum man sich diesen Film anschauen sollte, ausser man quält sich gerne mit Filmen die selbst für die Bezeichnung Trash viel zu schlecht sind. Katie Holmes, die unter Williamson in dessen Soap-Opera 'Dawson's Creek' vor der Kamera steht, spielt ihren Charakter vollkommen platt und langweilig, Barry Watson ist ebenso enttäuschend. In 'Tötet Mrs. Tingle wird das Teenie-Leben so gezeigt, wie die amerikanische Jugend es gerne sieht, aber aus deutscher Sicht ist das Gezeigte einfach nur lächerlich. Die Message ist der amerikanische Traum. Und ich träume weiter von guten Teenie-Horror-Filmen...

Unlogischer, unwitziger und uramerikanischer Schwachsinn


David Hiltscher