Null Uhr 12

Deutschland, 98min
R:Bernd Michael Lade
B:Stefan Kolditz
D:Meret Becker,
Mario Irrek,
Bernd Michael Lade,
Dieter Landuris,
Isabella Parkinson
L:IMDb
„Waren Sie daran beteiligt? - Ja! - Ja? - Nein! - Warum sagen Sie Ja, wenn Sie Nein meinen? - Ich hab manchmal so meine Probleme mit diesen Scheiß-Wörtern.”
Inhalt
Ein Überfall auf einen Geldtransporter. Die Beute: 30 Millionen. Auf einem U-Bahnsteig um Null Uhr 12 stehen fünf junge Menschen: Drei Männer und zwei Frauen - und jeder hat eine Tasche bei sich. Kommissar Ben (Reiner Schöne) will sie gleich alle festnehmen, nachdem er die Bilder der Bahnsteigkamera angesehen hat: Frank (Mario Irrek), den heißspornigen Spieler; Marie (Isabella Parkinson), die Programmiererin mit unentdeckter Sexualität; Martin (Dieter Landuris), den phlegmatische Vertreter für Reinigungsgeräte; Jonas (Bernd Michael Lade), Taxifahrer und ehemaliger Kriegs-Fotograf und Kathrin (Meret Becker), alleinerziehende Mutter zweier Töchter und Kellnerin. Alle werden einzeln verhört, beschuldigen sich gegenseitig - und nachher sind die Polizisten so schlau wie vorher. Kommissar Ben ordnet an, sie alle wieder freizulassen. Aber bis dahin hat der Zuschauer einiges über die fünf Protagonisten und ihr Leben erfahren - und wie sie es nach diesem doch für alle prägenden Ereignis ändern wollen.
Kurzkommentar
Regisseur Bernd Michael Lade kann einem angesichts des trotz allem ambitionierten "Null Uhr 12" etwas leid tun, scheitert sein clever-erdachter Krimi doch an der unglücklichen Struktur und der seelenlosen Inszenierung. Dadurch, dass sein Streifen keinerlei Interesse oder gar Faszination wecken kann, verpufft das scheinbar komplexe Drehbuch im Nichts.
Kritik
Da war aber jemand mächtig beeindruckt von Bryan Singers "Die üblichen Verdächtigen". Regisseur und Schauspieler Bernd Michael Lade lehnt sein Regiedebüt nicht nur in Sachen Poster-Artwork sehr stark an Christopher McQuarries Drehbucharbeit zum Überraschungshit von 1995 an. Er will uns fünf unterschiedliche Charaktere, ihre fragliche Beziehung zueinander, die typische Gruppe nichtsahnender Polizisten und eine ebenso mannigfaltige Story präsentieren. Die Frage "Waren sie's oder waren sie's nicht?" soll die Zuschauer dabei über 98min in ihren Bann ziehen. Dumm nur, dass die Antwort der meisten Besucher eher "Ist mir doch egal" lauten wird.

Das Kernproblem ist nämlich leider folgendes: während "Null Uhr 12" als handelsüblicher Krimi beginnt und als handelsüblicher Krimi endet, stellt der große Hauptteil eher ein eigenständiges Drama dar. Drehbuchautor Kolditz tat dies mit Absicht, um nicht den üblichen Genredefinitionen zu folgen und etwas Neues bieten zu können. Leider ist etwas Neues nicht immer etwas Besseres und so verliert der Zuschauer im Laufe des Streifens die Lust, die zu Beginn interessante und motivierende Frage nach erfolgter Tat und Motiv weiterhin zu verfolgen. Stefan Kolditz und Bernd Michael Lade haben es ja durchaus gut gemeint, ihren Film scheinbar komplex und rätselhaft zu gestalten, faszinieren kann er indes überhaupt nicht. Das scheint mir sowieso das größte Probleme an "Null Uhr 12" zu sein. Während es "Die üblichen Verdächtigen" oder auch zuletzt "Memento" vermochten, den Zuschauer mit ihrer Komplexität und ihrem Knobelcharakter zu faszinieren, flacht Lades Produktion aufgrund der unglücklichen Struktur total ab. Das Ende dürfte den meisten Zuschauern dann den Rest geben, denn Lade vermag es überhaupt nicht interessant zu gestalten. Stattdessen verpufft der vermeintliche Knüller im Nichts. Etwas mehr Klarheit hätte sicher nicht geschadet, denn anzunehmen, dass sich die Leute den Streifen genauso zweimal ansehen werden, wie sie es seinerzeit mit "The Sixth Sense", "Die üblichen Verdächtigen" oder "Memento" getan haben, ist mehr als blauäugig.

Das ist etwas Schade, denn der Ansatz war gar nicht mal schlecht und auch der Takt des Films ist insoweit gelungen, als dass Lade den fünf unterschiedlichen Charakteren gleich viel Zeit einräumt und sie nur teilweise klischeehaft ausfallen. Auch an Humor fehlt es nur gelegentlich, wenn er auch teilweise derbe abgedroschen ist (die beiden Schwulen). Schauspielerisch gibt es auch wenig zu bemängeln, nur Lade selbst (Jonas), die Polizisten und der ansonsten grandiose Dieter Landuris (bekannt aus "23") wirken etwas lustlos. Also, Herr Lade: wenn Sie nochmal die Chancen für einen Kinofilm bekommen sollten, nehmen Sie vorher noch ein paar Nachhilfestunden in Sachen Dramaturgie und spannender Inszenierung. Es ist sicher nicht leicht, einen Film undurchsichtig und dennoch faszinierend zu gestalten. Diesmal ist es jedenfalls daneben gegangen.

Gut gemeinter, dürftig umgesetzter Wanna-Be-Thriller


Thomas Schlömer