Notting Hill

USA, 124min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Roger Mitchell
B:Richard Curtis
D:Julia Roberts,
Hugh Grant,
Rhys Ifans
L:IMDb
„Zuhause wartet der masturbierende Waliser”
Inhalt
Reisebuchhändler William Thacker (Hugh Grant) betreibt seinen wenig prosperierenden Laden im Londoner Stadtteil Notting Hill, ein sozial niedrig bis mittelständiges, von Lebendigkeit pulsierendes Viertel. Trotzdem er an einem liebevoll asozialen Untermieter (Rhys Ifans), bisherigem Unglück in der Liebe und Erfolglosigkeit im Beruf zu tragen hat, ist er Realist geblieben und fühlt sich durch die menschliche Wärme seiner Freunde geborgen. Sein einförmig verlaufendes Leben ändert sich radikal, als die weltbekannte amerikanische Schauspielerin Anna Scott (Julia Roberts) den Buchladen betritt, um einen Reiseführer zu kaufen. Sie findet Gefallen daran, daß er nicht die Fassung verliert und auf Knien rutscht, sondern freundliches Zuvorkommen bewahrt. William hat kaum Zeit, die "surreale" Begegnung zu verarbeiten, da er einige Momente später die Filmgöttin auf der Straße durch ein Mißgeschick anrempelt und glücklicherweise sein Getränk auf ihrer Bluse verteilt. Während er sich um Schadensbegrenzung bemüht, läßt sie sich auf sein Angebot ein, ihre Kleidung in seinem Haus zu tauschen, worauf der erste Kuß folgt. Anna läßt William von Glück berauscht zurück. In der Folge muß William erfahren, mit welchen Hürden eine Liebe zwischen einem "Normalsterblichen" und einer weltweit angehimmelten Filmdiva zu kämpfen hat, deren intimes Privatleben dem Voyeurismus geopfert und von ihm diktiert ist.
Kritik
Die Traumfabrik produziert im Märchen den beispielhaftesten Inbegriff ihrer selbst, den utopischer Entwurf der perfekten Liebe. Der neue Film des Vier Hochzeiten und ein Todesfall Teams ist liebevolle Romanze, zuvorderst aber exemplarisches Märchen in schnulzfreier Umsetzung mit einem Hauch Medien- und Starkultkritik. Zwar mag das Motiv der schrankenüberwindenden, intensiven Liebe zwischen zwei Personen aus sozial völlig anderen Welten witzlos und platt klingen, so ist doch die Umsetzung durch Regisseur Roger Mitchell und Drehbuchautor Richard Curtis erfrischend locker und weitgehend frei von phrasenhaften Konventionen. Besonders zu gratulieren ist deswegen, weil man in Hugh Grant und Julia Roberts glücklichste Hand bei der Auswahl der Hauptdarsteller bewiesen hat. Grant, in letzter Zeit von guten Rollen gemieden, gelingt es einfach liebenswürdig natürlich, den empfindsamen Engländer herauszukehren, der mit wenigen, aber bedachten Worten und sympathisch ruhigen Blicken zu rühren vermag. Nie wird es kitschig oder triefend sentimental, wenn selbst die Bettszenen sinnvoll auf das notwendigste Mindestmaß reduziert sind. Die Romantik zwischen den Liebenden ist tastender Natur, eingeengt durch soziale Differenz, doch belebt durch innigstes Verlangen.

Der in seiner Individualität gebeutelte, seiner Intimssphäre beraubte und sich nach einfacher Liebe sehnende Filmstar wird von Julia Roberts gefühlvoll vermittelt. Sie, Grant, Regisseur und Drehbuchautor verstehen es bravourös, der Zuneigung in geschliffenen, teils subtilen Dialogen und einfühlsamen ruhigen Bewegungen faszinierende Lebendigkeit zu verleihen. Das, was Notting Hill erst zu einem so bemerkenswert liebenswerten Film macht, ist die wohl proportionierte Gesamtkonzeption. Denn obgleich sich natürlich alles um die Liebe dreht, treiben humorvoll originelle Elemente das Geschehen voran. Allein der von Rhyas Ifans urkomisch gespielte Charakter des verlotterten walisischen Untermieters Spike ist ein echtes Unikat und zum Brüllen komisch. Hinzu kommt das Umfeld der Thacker in Rat und Tat aktiv unterstützenden Freunde, die allesamt in der Darstellung alles andere als blass bleiben. Fantasievoll unterhaltsam sind nicht nur ihre unterschiedlichsten Reaktion auf die Begegnung mit dem Filmstar ( hier köstlich: Emma Chambers in der Rolle von Thackers überdrehter Schwester ). Dialog- und unverbrauchter Situationswitz, eine ausdrucksstarke Sprache, charismatische Blicke, feine Komik und wohl ausgewogenes Gefühl heben Notting Hill weit über konventielle Romantikschnulzen hinaus. Da stört es kaum, daß das Ende natürlich vorbestimmt und klischeehaft ist. Man träumt das Märchen und wird bezaubernd unterhalten.

Humorvolles Romantikmärchen mit charmanten Darstellern - der ideale Sommerfilm


Flemming Schock