Grey Owl

USA 1999, 117min
R:Richard Attenborough
B:William Nicholson
D:Pierce Brosnan,
Annie Galipeau,
Nathaniel Arcand,
Vlasta Vrana
L:IMDb
„They call me Grey Owl; he who flies by night.”
Inhalt
Erzählt wird der (wahre) Lebensweg des Engländers Archiebald Belaney (Pierce Brosnan), der sich als junger Mann seinen Kindheitstraum verwirklicht hat : als Indiander in der Wildnis zu leben. Seine (gebildeten) englischen Wurzeln kann er jedoch nicht komplett hinter sich lassen, schreibt er doch regelmäßig einen Artikel in einer lokalen Zeitung. Als "Raubtier, das schreiben kann" werden schließlich einige reichere Engländer auf ihn aufmerksam, motivieren ihn ein Buch zu schreiben und überreden ihn sogar, als indianischer Unterhalter mit nach England zu kommen. Dort jedoch wird er zum Sprachrohr für die bedürftigen Indianer und erreicht immense Beliebtheit in aller Welt ...
Kurzkommentar
Schauen Sie sich das obige Filmplakat an, denken Sie kurz nach, und schon wissen Sie, ob es sich lohnt, diesen Film zu besuchen. Jeder, der Brosnan als schlagfertigen Helden kennt (und liebt), sollte einen großen Bogen um "Grey Owl" machen. Mindestens so grau wie die die Pierce'sche Eule ist nämlich auch das Filmgeschehen. Die Inszenierung wird der weiterhin lobenswerten Grundthematik nämlich leider nicht gerecht.
Kritik
Meine Güte, wer war denn für das Casting dieses Indianer-Dramas zuständig ! Bei allem Bemühen Brosnans, einen Imagewandel vom actionreichen Weltenretter Bond zum redegewandten Weltenverbesserer Archie zu vollziehen. Seine Gestik und Mimik, überhaupt sein ganzes Charisma, wirken noch deplazierter als es das obige Filmplakat erahnen läßt. Nene, so sehr ich Pierce Brosnan als schlagfertigen Actionhelden oder geschickten Finanzguru ("Thomas Crown") auch schätze, hier überschreitet seine Rolle eindeutig sein Charakterfach. Die restlichen Charaktere hingegen bleiben unauffällig bis solide, was angesichts des Filmschwerpunktes natürlich auch kein Kunststück ist. Allenfalls Annie Galiepeau als einseifende Lebensgefährtin hebt sich etwas hervor, kommt aus ihrer depressiven Stimmung aber nie heraus.

Was weiterhin auffällt ist die dramaturgische Schwäche des Films. Die Spannungskurve ist im Prinzip gar keine, sondern stagniert von Anfang bis Ende auf der Nulllinie. Offenbar wußte man mit dem wahren Hintergrund des Geschehens nicht viel anzufangen - es passiert schlicht zu wenig. Trotzdem sind die Dialoge meist gelungen scharf und knackig formuliert - in dieser Hinsicht leistet sich das Drehbuch immerhin keine Patzer. Wohl aber im Grundkonstrukt : zunächst ist Archie nie und nimmer dazu zu bewegen, seine Lebensweise in einem Buch festzuhalten; drei gefallene Sätze, aber keinen trifftigen Grund, später hat er sich plötzlich anders überlegt. Ebenso geht es bei der Aufforderung mit nach England zu kommen und vor Leuten aufzutreten, vor sich. Erst "Niemals !", dann "och, ich komm doch mit" - da bleibt die Glaubwürdigkeit gaaanz leicht auf der Strecke.

Der Aufruf zur Erhaltung von Tier- und Pflanzenwelt sowie des Lebensraumes der nativen Bewohner kommt leider etwas betagt und rückständig vor. Leider deswegen, als daß diese berechtigten und wichtigen Forderungen mittlerweile im gewissenlosen Sitzfleisch der menschlichen Vernunft hängen geblieben sind und nicht mehr akut wirken. War z.B. vor einigen Jahren die Rodung der tropischen Regenwälder und die Ausrottung bestimmter Tierarten vor allem in jüngeren Schulklassen wichtiges Bestandteil zur Erziehung eines Gefühls für seine Lebensumgebung bzw. seinen Planeten (auch wenn sich das jetzt etwas zu dick aufgetragen anhört), so mußte die weiterhin aktuelle Thematik neueren (meist genauso essentiellen) Themen weichen.
Insofern ist die Verhaltenskritik des Films als positiv zu bewerten, wenn auch "Grey Owl" sicherlich nicht verhindern wird, daß mancheiner seine McDonald's Packung an der nächsten Ampel aus dem Fenster wirft. Dazu fehlt des dem Film einfach an Intensität und Emotionalität.

Von Regisseur Attenborough konnte man definitiv mehr erwarten. Irgendwie hat man die ganze Zeit den Eindruck, daß diese Geschichte nur verfilmt werden mußte, weil es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Im Gegensatz zur "wahren" Konkurrenz "Erin Brockovich" und "Hurricane" mangelt es "Grey Owl" allerdings viel zu sehr an interessantem Stoff und packenderer Inszenierung.

Die meisten dürfte "Grey Owl" deswegen wohl weniger interessieren. Auch eine einfache Empfehlung als Video- oder DVD-Verleih fällt mir schwer, ist das Geschehen doch meist träge und langatmig. Einzig und allein Landschaftsfanatiker, Indianer-Fans oder verliebte Pärchen, die sich einen ruhigen Filmabend gönnen wollen, könnten der Thematik der grauen Eule etwas abgewinnen.

Konservativer Aufruf zum Umweltschutz mit totaler Fehlbesetzung


Thomas Schlömer