Tödliches Vertrauen
(Domestic Disturbance)

USA, 89min
R:Harold Becker
B:Lewis Colick, Gary Drucker
D:John Travolta,
Matt O'Leary,
Vince Vaughn,
Teri Polo
L:IMDb
„Wenn Sie meinem Sohn auch nur ein Haar krümmen werden, dann schwöre ich Ihnen, werden Sie das mit ihrem Leben bezahlen!”
Inhalt
Frank Morrison (John Travolta) hat nach der Scheidung von Susan (Teri Polo) keine Familie mehr. Seine Ex-Frau und der gemeinsame 12-jährige Sohn Danny (Matt O´Leary) leben jetzt mit Susans neuem Ehemann Rick Barnes (Vince Vaughn) unter einem Dach. Danny, der sich gern Lügengeschichten ausdenkt, behauptet, dass sein Stiefvater ein Mörder ist. Aber der Einzige, der ihm glaubt, ist Frank. Danny fürchtet sich vor dem Stiefvater, und vertraut nur noch Frank. Und der ist bereit, alles zu tun, damit seinem Sohn nichts zustößt.
Kurzkommentar
"Tödliches Vertrauen" ist ein ziemlich müder Thriller über den bösen Schwiegervater, der eigentlich ein Mörder ist. Dieses Thema ist, in Variation, derart durchgenudelt, dass man nicht glauben würde, dass sich noch jemand bereit findet, es zu verfilmen. Leider hat es doch jemand getan. Herausgekommen ist ein gähnend langweiliger Film.
Kritik
Sein Comeback als Schauspieler feierte John Travolta vor allem als Bösewicht, und nicht wenige sind der Meinung, dass ihm auch nur die skrupellos-schmierigen Rollen wirklich gut stehen. Dennoch versucht sich Travolta von Zeit zu Zeit auch als Gutmensch, so auch hier. Diesmal mimt er den Grundguten, sorgenvollen Vater, der seinen Sohn vor dem bösen Schwiegervater beschützen muss. Natürlich glaubt dem Jungen keiner, natürlich ahnt die neue Ehefrau nichts von der dunklen Seite ihres neuen Mannes, natürlich ist der Bösewicht so richtig Böse, natürlich ist der Gute so richtig gut, weshalb es ihm natürlich auch immer in letzter Sekunde gelingt, sich aus brennenden Trümmern etc. zu retten, und weshalb es natürlich am Ende den Bösewicht besiegt. Ode kurz gesagt: "Tödliches Vertrauen" ist so stinklangweilig, wie er nur sein kann. Vorhersehbarer kann man einen Film nicht inszenieren. Selbst wenn man in den ersten 10 Minuten das Ende einblenden würde, man würde kein Geheimnis verraten. Mein Gott, wie kann man nur einen so unspannenden Film drehen.

Im Presseheft kann man die euphorischen Kommentare aller Beteiligten lesen, wie fasziniert sie von der Story gewesen seien, von dem emotionalen Moment, in dem der leibliche Vater merkt, dass sein Sohn in Gefahr ist und er die Kontrolle verliert - nein, wie einmalig, welche Gefühlstiefe. In der Theorie könnte das tatsächlich ein bewegendes Thema sein - aber nicht mit Travolta als Darsteller. Und nicht in einem Thriller. Wobei der einzige Thrill darin besteht, dass der böse Schiwegervater (immerhin: Vince Vaughn) plötzlich aus dem nichts auftaucht. Wie er da hingekommen ist, will man gar nicht wissen. Mehr ist Autor und Regisseur nicht eingefallen, um Spannung zu erzeugen, was auch erklärt, warum eben diese so völlig fehlt. Nirgendwo ein Kick, kein sinistres Element, nichts. Angesichts zahlreicher Meisterwerke in dieser Kategorie, man denke nur an Hitchcock, ist "Tödliches Vertrauen" eine Beleidigung für das Genre.

Auch schauspielerisch ist wenig geboten - neben dem sadistisch-fies-irren Blick hat Travolta noch genau einen zweiten drauf: Den treudoofen. (Ob diese Auswahl wohl irgendwas mit Scientology zu tun hat?) Letzteren setzt er denn auch ununterbrochen auf, und auch Per-Se-Finsterling Vince Vaughn ist diesmal wenig überzeugend. Von der völlig farblosen Teri Polo ganz zu schweigen. Wenigstens fällt der Jungdarsteller Matthew O'Leary, der Travoltas Sohn spielt, nicht negativ auf - auch schon was.

Lahme Story, banale Inszenierung, fade Darsteller - es gibt schlicht nichts, was den Film über Mittelmaß hinausheben könnte. Angesichts der Konkurrenz ist das deutlich zu wenig.

Lahmer und langweiliger Möchte-Gern-Thriller


Wolfgang Huang