40 Tage und 40 Nächte
(40 Days and 40 Nights)

USA, 94min
R:Michael Lehmann
B:Rob Perez
D:Josh Hartnett,
Shannyn Sossamon,
Paulo Constanzo,
Adam Trese
L:IMDb
„Gibst Du mir mal ne Magnum-Hülle für mein Magnum?”
Inhalt
Die letzte Beziehung von Matt Sullivan (Josh Hartnett) endete in einem Desaster. Seit diesem Tag schmerzt ihn das Herz so sehr, dass er sich auf keinerlei Beziehung mehr einlassen kann. Heilung findet Matt vielleicht in der unwahrscheinlichsten aller Lösungen: Er muss ein Opfer des Verzichts bringen. Gerade ein Typ wie er, der in seinem Leben eigentlich so gut wie nichts gebacken bekommen hat, entschließt sich etwas zu tun, was vor ihm noch kein Mann gewagt hat. Matt leistet einen ungeheuren Schwur: No Sex! Was auch passiert, er will 40 Tage wie ein Abstinenzler leben. Er hofft, nur so die wahren Werte einer Beziehung wiederfinden zu können. 40 Tage und Küssen, kein Vorspiel, keine schnellen Geschichten, und keine Selbstbefriedigung. Aber was passiert, wenn er ausgerechnet in dieser Zeit die Frau seiner Träume (Shannyn Sossamon) trifft?
Kurzkommentar
Ach herrje, was muss der geneigte Komödienbesucher mittlerweile alles für hirnverbrannte Ausgangspositionen ertragen. "40 Tage und 40 Nächte" ist in der Top10 der konstruiertesten Story-Ansätze jedenfalls ganz vorne mit dabei und Regisseur Lehmann gelingt auch abseits dieser Nichtigkeit nicht, dem Film nur irgendwie etwas Esprit zu verleihen. Um es mit den Worten Homer Simpsons zu sagen: Langweeeiiilliiiiig.
Kritik
Die Flut der Teenie-Komödien scheint kein Ende zu nehmen und um dem Zuschauer nicht jedes Mal exakt die gleiche "Story" vorsetzen zu müssen, werden die Einfällle für die notwendigen Ausgangspositionen immer abwegiger. Unverzichtbares Element für eine "gelungene" Komödie, so wohl die Meinung der Drehbuchautoren und Produzenten, ist weiterhin das Thema Sex. Ist es im Kino zwar schon längst kein Tabuthema mehr, so bietet es doch immer noch das ergiebigste Fundament für die derbsten Kalauer. "American Pie" hat diese Welle 1999 endgültig ins Rollen gebracht und zu diesem Zeitpunkt wirkte die Thematik immerhin noch einigermaßen frisch. Außerdem war die Gagdichte beim Vorreiter aller modernen Teenie-Komödien sicher noch die höchste von allen.

Im Zuge immer hirnrissigerer Handlungseinfälle muss der Zuschauer nun also die Prämisse hinnehmen, unser Filmprotagonist habe ernste Probleme biblische 40 Tage und Nächte auf Sex verzichten zu müssen. Manch einer mag diese Voraussetzung ebenso schlucken wie die Ausgangspositionen anderer Komödien, in denen die bestaussehendsten Jungs grundsätzlich keine Freundin haben oder die häßlichen Entlein in Wahrheit die schärfsten Bräute sind. Das Kernproblem scheint bei "40 Tage & 40 Nächte" aber vielmehr die Tatsache zu sein, dass die Ausgangssituation nicht mit der richtigen Prise Ironie getragen wird. Hätte Regisseur Michael Lehmann nun nämlich gesagt "Ok, die Thematik ist ausgelutscht und die Motivation unglaubwürdig, also lasst uns das zugeben und selbstironische Züge reinbringen", wäre der Film noch halbwegs locker geworden. Stellenweise versucht er das auch (Wetten auf das Durchhaltevermögen Michaels inkl. Internetvermarktung; Risse in der Decke, wenn Michael an seine alte Beziehung denkt), aber die Reaktion der meisten Charaktere auf Michaels Probleme sollen uns sein Dilemma tatsächlich als weltbewegend verkaufen. So versucht Michaels Bruder John ihn auf den "richtigen", katholischen Pfad zu lenken und Mitbewohner Ryan ihn weiterhin zu hirnlosem Vögeln zu bewegen. Wenn dann die blöden Gags gerade Sendepause haben, wird kurzerhand noch "echtes", also ernsthaftes Erotikfeeling eingebaut (Orchideenblüten). Klar, das soll ja alles nicht wirklich ernst genommen werden, womöglich sogar witzig sein, ist es aber nicht.

Stattdessen reiht sich Kalauer an Kalauer und Inszenierungsklischee an Inszenierungsklischee: Michael läuft durch die Straße und sieht plötzlich alle Frauen oben ohne, hat Tagträume, in denen er über ein Wüste voller Brüste fliegt und die Sexszenen sind (amerikanisch korrekt) ziemlich jugendfrei gehalten. Ein "R"-Rating gab es von der amerikanischen Filmkontrolle MPAA trotzdem, denn wehe unsere Jugend bekommt nackte Frauenkörper und vorgetäuschte Orgasmen zu sehen. Und die wahre Liebe, die irgendwo unter der Menge an weiblicher Haut versteckt sein soll? Die dreht sich im Waschsalon und das auch nur im Schleudergang: Erica ist per se süß, rücksichtsvoll, absolut liebenswert und wurde bislang von allen Männern gnadenlos enttäuscht, deshalb ist eine genauere Charakterisierung uninteressant. Wäre der Film flotter und weniger formelhafter, käme dieser Verzicht dem Filmspaß vielleicht sogar zu Gute, aber so ist der Auftritt der sicher sehr sympathischen Shannyn Sossamon auf überraschend wenige Filmminuten beschränkt. Das ist umso weniger verständlich, betrachtet man die gute Chemie zwischen ihr und Josh Hartnett.

Bei all dieser Langeweile fallen die logischen Komponenten dann noch mehr unter den Tisch, als man es eh gewohnt ist. Kann man den Sinn von Michaels Fastenzeit eh nicht nachvollziehen, so wundert man sich angesichts seines folgenden Verhaltens noch mehr, denn ursprünglich wollte er mit diesem Gelübde ja seine alte Freundin vergessen. Dass er das nach ein paar Tagen bereits getan hat, interessiert den Drehbuchautor aber wohl nicht wirklich und dass er mit seinem sexuellen Idealismus bei seiner Traumfrau beinahe alles wieder kaputt macht und theoretisch noch 'ne Menge Geld absahnen könnte, noch weniger. Stattdessen folgt der handwerklich zwar gelungene, emotional aber wohl eher lächerliche Trockenorgasmus via Orchideenblüte. Naja, eine gewisse Erotik kam der Idee sicher abgewinnen, aber innerhalb dieser Komödie macht sie weniger Sinn.

Es bleibt also nur der übliche Teenie-Komödien - Fast-Food, dem es zwar nicht an liebenswerten Darstellern, dafür aber an so gut wie allem anderen mangelt: Witz, Esprit, Ideen, Konsistenz. Wer auf Josh Hartnett steht, darf vielleicht einen Blick riskieren, aber selbst für einen amüsanten Abend zu zweit reicht es schon nicht mehr: da doch lieber ehrlich-schnulzig oder ehrlich- komödiantisch. Bitte kein halbgarer Misch-Masch.

Größtenteils öde Komödie leicht über "Eis am Stiel"-Niveau


Thomas Schlömer