Titan A. E.

USA, 94min
R:Don Bluth, Gary Gldman
B:Hans Bauer, Randall McCormick
L:IMDb
„Ich bin die letzte Hoffnung der Menschheit. - Ich trauere um diese Spezies!”
Inhalt
Im Jahr 3028 wird die Erde von den Drej, einer Alien-Killer-Rasse, zerstört. Die wenigen überlebenden Menschen leben fortan als Geduldete im Weltraum. Unter ihnen ist Cale, der fünfjährige Sohn eines bei der Katastrophe gestorbenen Wissenschaftlers. 15 Jahre danach wird der zornige junge Mann in das Abenteuer um die "Titan", ein einzigartiges Schiff, das Cale's Vater entwickelt hat, verwickelt und erfährt, daß nur er der Menschheit zu neuer Existenz verhelfen kann.
Kurzkommentar
Ein bißchen Endzeitstimmung, etwas Computerspiel-Atmosphäre, teils atemberaubende Optik und gerade noch erträgliche Charakterzeichnung & Storyführung machen "Titan A.E." zu einem anspruchslosen, aber spaßigen Science-Fiction Abenteuer, daß sich seine knappe 8er Wertung schon alleine aufgrund der mutigen Kombination aus ernster Thematik und Trickrealisierung verdient hat.
Kritik
Daß die "Fox Animation Studios" aufgrund des schlechten Einspielergebnisses von "Titan A.E." in den USA mittlerweile geschlossen werden mußten, dürfte dem regelmäßigen Filmspiegel-Newsleser sicher nicht entgangen sein. Gerade mal um die 22,5 Mio.$ hat das Science-Fiction Abenteuer an der US-Kinokasse eingebracht; bei einem Budget von knapp 75 Mio.. Und da auch der letzte Streifen unter der Regie von Don Bluth und Gary Goldman, "Anastasia", zumindest in den USA nur seine Kosten decken konnte, war ein Auflösen der Trickabteilung bei Fox2000 anscheinend unumgänglich.

Und das ist wahrlich eine Schande, haben die knapp 325 Künstler, die an "Titan A.E." beteiligt waren doch saubere bis unglaubliche Arbeit geleistet. Was der Film stellenweise an computergenerierten Finessen präsentiert, ist wirklich atemberaubend und wird stilistisch nur von den altbewährt gezeichneten Figuren unterbrochen. Die Mischung aus CGI und handwerklichem Zeichenwerk entpuppt sich allerdings lediglich als gewöhnungsbedürftig - spätestens nach zehn Minuten wirkt der künstleriche Unterschied nicht mehr störend. Die Raumschiffe, die Drej, das Eisfeld, die weiten Perspektiven auf diverse Sternennebel und Galaxien wirken schon fast übertrieben realistisch, wird man von den handgezeichneten Charakteren doch wieder in die zweidimensionale Welt zurückgeholt. [Spoiler] Als geradezu gänsehautprovozierend empfand ich die finale Entstehungssequenz der neuen Welt. Vielleicht ist das überbewertet, aber der Gedanke, wie phantastisch, fast majestätisch wunderschön Leben bzw. deren Entstehung sein kann, wurde wirklich kongenial umgesetzt. [Spoilerende] In Kombination mit dem sehr guten Score Graeme Revell's und den stimmigen Rocksongs entstand oftmals genau der richtige Endzeit-Eindruck; "After Earth" wie die Initialien im Titel andeuten.

Leider hat "Titan A.E." inhaltlich keine Lorbeeren zu ernten: die Grundidee, die Auslöschung der Erde und der resultierende Status der Menschheit als aussterbende Rasse, stimmt zwar schön düster, ist aber etwas unzufrieden umgesetzt. Über seine kurzen 94min Laufzeit wird die verbitterte Stimmung, die Probleme, mit denen die Menschen im Kosmos der skurilsten Wesen zu kämpfen haben, leider nicht genug ausgearbeitet. So entsteht kein richtiges Mitgefühl für das Schicksal einer Spezies, die schließlich auch im Kinosessel sitzt und zu der man leicht eine emotionale Brücke hätte schlagen können. Ob sich Bluth und Goldman aus Ideenlosigkeit in dieser Hinsicht nicht mehr bemüht haben oder ob die holprige und einfache Storyführung ein Zugeständnis an das gewinnträchtige, besonders junge Publikum war, sei dahingestellt. Fakt ist, daß der Film thematisch eher erwachsenere Zuschauer anspricht - Friede, Freude, Eierkuchen im Disneystil wird hier nicht aufgetischt, was sich im finanziellen Sinne ja auch als Abteilungsköpfendes Fallbeil herausgestellt hat.
Zudem scheinen die beiden Regisseure sich irgendwie ans ungeschriebene Gesetz des Zeichentricks halten zu wollen: die Tiefe der Charaktere entspricht maximal ihrer Dimension. Ein von seinem Vater verlassener, im rauhen Weltall aufgewachsener, verbitteter Sohn, der seine Charakterzüge viel zu selten zeigen darf, eine schlagkräftige, abgebrühte Frau, die im Grunde doch nicht ihren harten Kern zeigen darf und kinderfreundlich verweicht wird, sowie die üblichen Nebenfiguren: der liebliche, aber zerstreute Professor, die furchtlose Mechanikerin, der lockere, aber hinterhältige Handlanger. Alles wirkt selbst im gewohnt simpel gehaltenen Rahmen eines Trickabenteuers reichlich einfach geschnitzt.

Sei's drum: die Stimmung kommt trotzdem rüber, einige Witzchen sind erstaunlich gut und die stockende Erzählweise wird durch die nächste Kamerafahrt spektakulär wieder wett gemacht. Ein Fest für Augen und Ohren, aber man erwarte nicht mehr Story als in einer gängigen Folge "Babylon 5".

Inhaltlich simples, aber künstlerisch spektakuläres SF-Theater


Thomas Schlömer