Planet der Affen, Der
(Planet of the Apes)

USA, 120min
R:Tim Burton
B:Pierre Boulle,William Broyles Jr.
D:Mark Wahlberg,
Tim Roth,
Helena Bonham Carter,
Michael Clarke Duncan,
Paul Giamatti
L:IMDb
„Haltet die Klappe! ... das gilt für alle Spezies.”
Inhalt
Als er mit seinem Raumschiff in einen elektromagnetischen Sturm gerät, wird der Astronaut Leo Davidson (Mark Wahlberg) quer durchs All geschleudert und muss schließlich auf einem unbekannten Planeten notlanden. Das Shuttle ebenso verloren wie seine Waffen und Ausrüstung, entdeckt Davidson, dass er in eine Welt geraten ist, in der Affen herrschen - und Menschen als Sklaven gehalten werden. Er wird selbst gefangen, und nur die Menschenrechtlerin Ari (Helena Bonham Carter), eine Schimpansin, rettet ihn vor dem grausamen General Thade (Tim Roth). Gemeinsam fliehen sie in die verbotene Zone Calima, verfolgt von Thade und seiner blutrünstigen Affenarmee. Dort macht Davidson eine Entdeckung, die nicht nur ihm, sondern auch Ari die Augen öffnet über die wahre Entwicklungsgeschichte des Planeten der Affen. Doch dann beginnt die Armee der Affen den letzten Vernichtungsangriff auf die Menschen.
Kurzkommentar
Außer den tollen Affendarstellern und in Sachen Optik enttäuscht Tim Burtons ("Sleepy Hollow") Version vom "Planet der Affen" ziemlich, weil er seinen Film nicht mit den liebenswerten Charakteren füllt, die man sonst von ihm gewohnt ist. Und als sich der Film in der letzten Stunde mehr und mehr auf seine Story konzentriert, foltert uns Burton mit einigen haarsträubenden Szenen, die nicht selten vollkommen lächerlich wirken und in einem unbefriedigenden Ende kulminieren.
Kritik
Der Kinosommer 2001 spülte eine Menge Geld in die amerikanischen Kinokassen und scheint erfolgreicher als die Jahre 1997 ("Titanic") und 1999 ("Matrix", "Star Wars-Episode 1", "Die Mumie") zu werden. Von "Hannibal" über "Die Mumie kehrt zurück", "Pearl Harbor", "Jurassic Park 3" und nicht zuletzt "Planet der Affen" purzelten die Wochenenderekorde am laufenden Band und trotzdem macht sich ein breiter Tenor der Ernüchterung unter den zahlreichen Kinogängern breit. Die einen mochten "Pearl Harbor" nicht, konnten sich aber wenigstens bei "Die Mumie kehrt zurück" amüsieren, die anderen fanden die Mumie unsagbar dämlich und nicht wenige fanden alle Filme Mist. Eine Schande, daß sich die letzte Hoffnung im Filmsommer trotz des vielversprechenden Tim Burton auf dem Regiestuhl, beinahe als die größte Enttäuschung entpuppt. Man konnte "Die Mumie kehrt zurück" und "Jurassic Park 3" ja vorwerfen was man wollte, aber in sich waren sie wenigstens konsistent. Gut, wo keine Story, da keine Logiksuche, aber immerhin: ein potentieller Frustkandidat ausgeschaltet.

Viele Burton-Fans sind vom "Planet der Affen"-Reimaging (wie Burton es selbst auszudrücken pflegt) enttäuscht, weil es längst nicht die Skurrilität und die bizarren Charaktere seiner sonstigen Filme besitzt. Alle anderen stören sich an der zunehmenden Lächerlichkeit mancher Filmszenen und dem total bescheuerten Ende (das wiederum von manchen als schön-burtonesque aufgenommen wurde). Fest steht wohl, daß Rick Baker, Verantwortlicher für die Special Make-Up Effects, nach "Ed Wood", "Men in Black" und anderen Streifen seinen siebten Oscar so gut wie sicher hat. Die Zusammenarbeit mit einem visuellen Regisseur wie Tim Burton fruchtet ungemein und resultiert in den wohl besten Figuren der Filmgeschichte. Baker verleiht den Affen ein absolut lebensechtes, individuelles Aussehen, Burton sorgt dafür, daß sie auf beeindruckende Weise das Animalische mit dem Menschlichen paaren, was ziemlich cool kommt. Einerseits sprechen sie gewöhnliches Englisch (warum wird -im Gegensatz zum Original- aufgeklärt), andererseits grunzen, schnüffeln, kreischen und hangeln sie sich durch die Gegend, wie man sie kennt. Die Mischung wirkt sehr gelungen, genauso wie die Reduzierung der Wutausbrüche General Thades auf affiges Rumgehüpfe, um den weiterhin existierenden, primitiven Kern der Spezies hervorzuheben. Daß die Riesengorillas außerdem übermenschlich stark sind, gibt ihnen diesen treffenden Touch körperlicher, evolutionärer Überlegenheit.

Dieser ganze Aspekt um das Verhalten der Affen, ihre Bewegungen und Lebensweise (hier werden kleine Menschenkinder als Puppenersatz gehalten) retten den Film kurzweilig über die erste Stunde hinweg, aber spätestens dann hat man sich an der Optik sattgesehen und ist gespannt, was Burton uns denn noch zu erzählen hat. Tja, und da sind wir beim Kernproblem des Films, denn was folgt gehört zum unbefriedigensten und teilweise lächerlichsten, was der Kinosommer bislang hervorgebracht hat. Die Ausrichtung der ersten Filmhälfte auf Rassismusproblematik, verkehrte Welt und die rebellische Gleichberichtungskämpferin Ari (unwiderstehlich gut von Helena Bonham Carter dargestellt) gehen sicherlich in Ordnung, obwohl hier der Originalfilm schon das Wesentliche (wenn auch im holprigen Stil der 68er) zu erzählen hatte. Aber als man schließlich Leo's Raumschiff erreicht, jagt ein Klops den nächsten. Nach hunderten von Jahren ist das Raumschiff noch funktionstüchtig und keiner der Überlebenden ist je auf die Idee zu kommen, da nochmal dran rumzuspielen. Die eh schon nicht so spektakuläre Endschlacht wird von Leo's Hausaffe auf ungewollt witzige Weise zum Erliegen gebracht und auf den finalen Twist, der uns beschert wird, gehe ich später noch ein.

Daneben gibt es hunderte von Kleinigkeiten, die zeigen, daß Burton verhältnismäßig spät zum Projekt hinzugestossen ist und dem Streifen nur noch seinen stilistischen, nicht aber inhaltlichen Stempel aufdrücken konnte: die menschlichen Charaktere sind allesamt total unterentwickelt (selbst wenn es beabsichtigt war, um die verkehrte Welt hervorzuheben, ist es noch zu wenig) und verblassen neben Ari, General Thade (außer böse-gucken hat auch Tim Roth nichts zu bieten), Limbo (Paul Giamatti) und Colonel Attar (Michael Clarke Duncan aus "The Green Mile"). Estella Warren als Daena hat nicht mehr als drei Worte zu sagen (und wenn, gibt sie auf Sätze wie "Die Affen können nicht schwimmen" so sinnfreie Kommentare wie "Deshalb beten wir jeden Tag für Regen" - muah!), Kris Kristofferson wird als ihr Vater gnadenlos verheizt und die Identifikationsfigur für alle 12-16 Jährigen dient nur als absolut einfallsloses "Spannungselement" kurz vor der dem Angriff der ersten Affenarmee. Mark Wahlbergs Charakter fügt sich ebenfalls erstaunlich schnell in die Hierarchie des Planeten ein und darf weniger Mimik zeigen als jede animalische Figur. Da fragt man sich echt, warum die Menschen im Gegensatz zum Original überhaupt sprechen können, wenn sich Wahlbergs Charakter Davidson dadurch nicht so wohltuend vom Rest der Buschkolonne abhebt wie einst Charlton Heston.

Der endgültige Todesstoß wird dem Film schließlich durch das extrem unbefriedigende Ende versetzt. In Hommage an das Original (bei dem ich mich wirklich frage, ob nicht anno 1968 die meisten Zuschauer das zweifellos coole Ende erahnt haben) will uns Burton hier mit einem weiteren, Plot-drehenden Finale in Staunen versetzen, erreicht stattdessen aber nur Konfusion beim Zuschauer und null Zusammenhang zur vorhergehenden Story. Ich hab schon diverse Foren und Newsgroups gewälzt und manche Theorien haben was für sich (z.B. ist nicht gesagt, daß die Raumstation nicht von Affen, die schon längst auf der Erde herrschten, inszeniert war), aber so zusammenhanglos wie der Film uns hier Ape Lincoln vor die Nase setzt, kommt man nicht drumherum, zugeben zu müssen, daß der Dreher kräftig in die Hose gegangen ist.

Zumindest die Oskarnominierung für die Maske sollte "Planet der Affen" also so sicher sein wie 1968 (dem Jahr, in dem man angeblich die Affen aus "2001 - A Space Odyssey" für echt gehalten und somit den Maskenbildner nicht nominiert hat), alles andere ist ziemlich dröge und unspannend geworden. Hoffentlich besinnt sich Burton wieder auf seine Tugenden und wird nicht vom Druck der Studios an der Umsetzung seiner Ideen gehindert. Ursprünglich hatte er sogar eine Sex-Szene zwischen Mensch und Affe geplant, was 20th Century Fox dann aber doch zu heikel war.

B-Movie der ungewollten Sorte mit wenig Burton-Flair


Thomas Schlömer