Tiger & Dragon
(Wo hu cang long)

USA / China, 120min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Ang Lee
B:Du Lu Wang,Hui Ling Wang, James Schamus, Kuo Jung Tsai
D:Chow Yun Fat,
Michelle Yeoh,
Zhang Zi Yi,
Zeng Li Fa
L:IMDb
„Genug geflogen!”
Inhalt
Zwei wundersame Liebesgeschichten werden geschickt verknüpft: Da gibt es zum einen den Martial-Arts-Künstler Li Mu Bai (Yun-Fat Chow) und seine ebenso in der Kampfkunst versierte Freundin Yu Shu Lien (Michelle Yeoh). Sie verbindet eine unglückliche, heimliche Liebe. Yu Shu Lien war einst verlobt mit einem Waffenbruder von Li Mu Bai. Dieser kam in einem Kampf um, in dem er sein Leben für Li gab. Eine Verbindung zwischen Yu Shu Lien und Li Mu Bai würde das Andenken des Toten entehren ... Zum anderen gibt es die schöne junge Gouverneurstochter Jen (Ziyi Zhang), die sich von den Zwängen der Tradition befreien will und vom Gian Hu, dem freien Leben der Martial-Arts- Kämpfer, träumt. Als maskierter Dieb stellt sie nachts ihr kämpferisches Talent unter Beweis. Ihre Eltern haben bereits eine standesgemäße Ehe arrangiert, aber Jen liebt Lo (Chen Chang), einen verwegenen Banditenanführer. Die Hochzeit platzt und Jen verschwindet, und mit ihr das sagenumwobene grüne Schwert der Unterwelt.
Kurzkommentar
Der Versuch, die momentan sehr schicken Trends zu Computer-verbesserten Kampfsequenzen und asiatischem Kampfstil noch weiter zu steigern, geht gründlich daneben. Neben der rudimentären Story wirken die extrem künstlich aussehenden Kampfszenen nur noch lächerlich - dabei wäre Potential vorhanden gewesen.
Kritik
Verdammt noch mal, was ist denn das? Erklärt mir mal bitte jemand, was an diesem Film gut sein soll? Wer Begeisterung für diesen Krampf aufbringt, dem empfehle ich, nach China auszuwandern, um den Rest seines Lebens dort vor einem Fernseher und CCTV-6 zu verbringen. Denn in diesem Fernsehsender laufen rund um die Uhr solche Schund-Filme. Zugegeben, das optische Niveau von "Tiger & Dragon" ist höher, und dankenswerterweise wurden auch die komischen Elemente weggelassen, sonst wäre der Film völlig unerträglich. Aber was bleibt, ist schon schlimm genug.

"Tiger & Dragon" setzt sich aus zwei Dingen zusammen: Kampfszenen, die hin und wieder von einem Handlungsrest durchbrochen werden, der aber mehr als dürftig ist und mehr an jene Pornofilme erinnert, in denen man vergeblich versuchte, das Niveau mit einer Rahmenhandlung zu heben. Zu den Kampfszenen: Ich bewundere die Beherrschung des eigenen Körpers, kann Begeisterung aufbringen für gekonntes Kung-Fu (und Konsorten), ich mag immer rasantere Körperakrobatik - wenn sie was mit Können zu tun hat. Was Hollywood-Filme anbelangt, so kann man entsprechendes etwa bei Jackie Chan oder in den früheren Jet Li-Filmen finden. Der Versuch, den Grenzen des Körpers immer näher zu kommen, ist faszinierend, und das ist es auch wohl, was den ursprünglichen Sinn des Kampfsportes, wie man ihn an buddhistischen Klöstern lernen konnte, ausmacht: Die Beherrschung des Körpers, die maximale Konzentration, das Erkennen der Grenzen. Ich bewundere innovative Einfälle, ungewohnte Äshetik, die Bannung des noch nie Dagewesenen auf Zelluloid. Das ist es, was "Matrix" leistete: Die Kampfszenen waren neu, sie sorgten für offene Münder, sie machen einen Grossteil der Faszination des Filmes aus, aber sie sind nicht unmotviert, nicht losgelöst von der Handlung, kein Zufall. Sie sind eingebettet, im Rahmen einer Filmlogik schlüssig erklärt, sie dienen in gewissem Maße dem Film. Und: Sie sehen cool aus.

Nichts von alledem bei "Tiger & Dragon". Um von hinten zu beginnen: Die Kampfszenen sind leider alles andere als cool, sie sind lächerlich. Schon in der Eingangssequenz wird deutlich, dass sich der Film kein bisschen um Glaubwürdigkeit bemüht, Physik ist Firlefanz. Nun gut, denkt sich der geneigte Zuschauer, ein bisschen dick aufgetragen vielleicht, aber warum nicht. Aber es geht munter so weiter, allerspätestens wenn sich die perfekten Krieger auf Baumwipfeln balancierend bekämpfen, wendet man sich müden Blickes ab. Schlimm ist weniger, dass das alles völlig unglaubwürdig ist, schlimm ist, dass so kein Interesse, keine Begeisterung, keine Empathie aufkommen kann. Da stehen sich zum Beispiel, in einer vorgeblich spannenden Szene, die Heldin und der Bösewicht gegenüber, und es werden die Türen verriegelt, damit keiner entkommen kann. Die Wände sind glatt, viele Meter hoch. Es muss also zur Entscheidung kommen. Aber nein, bevor es spannend wird, fliegt (ja, fliegt!) einfach der Bösewicht davon, erhebt sich locker 20 Meter in die Lüfte, und ist weg. Wow, immerhin, das dürfte der ultimative deus ex machina sein, der unsinnigste Logik-, Spannungs-, Handlungs- und Glaubwürdigkeitsbruch, den es je gab. Sehr toll vor allem deshalb, weil man den Rest dann vergessen kann. Die Kämpfe sind völlig beliebig, weil ja eh jeder gewinnen kann, wenn es gerade nötig ist. So steht einmal eine Kämpferin dem Helden gegenüber, und fordert ihn heraus, ihr in drei Bewegungen das umstrittene Schwert abzunehmen. Völlig unmöglich, denkt der Zuschauer, und in der nächsten Szene, ohne jede nachvollziehbare Erklärung, hält der Held das Schwert in der Hand. Toll. Prinzipiell ist es ja nicht schlecht, mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen, diese zu täuschen. Aber wenn das auf Beliebigkeit statt auf Raffinesse beruht, dann ist es nur langweilig. Die inhaltliche Funktion der Kampfszenen tendiert damit gegen null.

Kommen wir zur ästhetischen Funktion. Manchem mag das ganze Gewirbele gefallen, manch einer mag es lustig finden, ich finde es langweilig. Vor allen Dingen deshalb, weil keine Kunst dahinter steckt. Dank Computertechnik könnte man sogar mich zum Kung-Fu-Helden machen - so ähnlich ist es mit Hänfling Keanu Reeves ja geschehen. Das ist irgendwie ziemlich langweilig, zumal der Markt davon übersättigt ist, es gab zuviele Filme in letzter Zeit, die das boten. Die Innovation ist weg, die Kunst der Kämpfer (vergleiche Jackie Chan) gar nicht erst vorhanden. Langweilig. Dann, wenigstens, könnte man sagen, haben es eben die FX-Macher drauf. Nun ja, sicherlich steckt einiges Können dahinter, aber bei weitem beeindruckender wäre es meiner Meinung nach gewesen, hätte man den Effekten nicht so überdeutlich angesehen, wie künstlich sie sind. Stellenweise sind die Flugbahnwechsel mitten in der Luft derart abrupt, dass man wirklich an mangelndes Können der Computerspezialisten glaubt - so unrealistisch kann das nicht mal Ang Lee gewollt haben. Naja, vielleicht doch, auf jeden Fall gibt es auch auf diesem Gebiet nichts Bemerkenswertes, die Leistung der Schauspieler beschränkt sich auf Rumgehopse und Rumschwingen an blauen Fäden vor dem BlueScreen, die der FX-Leute ist zwar nicht schlecht, wirkt aber absichtlich mies. Oder waren die etwa wirklich so schlecht?

Eigentlich ist es ja fast überflüssig, aber ich will dennoch ein paar Worte zur Handlung verlieren. Ganz nett ist ja der Ansatz, dass Frauen die zentrale Hauptrolle spielen. Da ist die starke Frau, Shu Lien, die -völlig unhistorisch, wie man annehmen darf- ganz alleine ihren Mann steht, und auch munter in den Räumen der Herrschenden ein und ausgehen darf. Damit aber nicht genug, denn es gibt ja noch Jen Yu, die ultimativ biestige Göre, die mal nebenher in ihrem von langweiligen Pflichten dominierten Leben eine geheime Ausbildung zur zweitbesten Schwertkämpferin aller Zeiten gemacht hat. Dass sie sich der von ihren Eltern aus ökonomischen Gründen arrangierten Heirat widersetzt und vielmehr auf ihr Recht nach Liebe pocht, ist bei Ang Lee leider nur ein verkümmerter Zweig blasser Romantik. Statt dass er die ungewöhnliche Situation zweier starker Frauen in der Hauptrolle ausnutzt, wenigstens ein bisschen Bedeutung in den Film zu bringen, folgt er wohl seinem Kindheitstraumes, sich alles Sinns zu entledigen. [Spoiler] Und so ist es auch kein Wunder, dass die ach so starken Frauen am Schluss nichts besseres zu tun haben, als ihren Männern nachzuweinen und für sie in den Tod zu gehen.[Spoiler Ende] So kommt durch die sperrangelweit offene Hintertür dann wieder die altvertraute, wohlig-suhlige Dominanz der Männer in den Film, denn das Frauen wirklich ihren eigenen Bedürfnissen folgen, statt sich geistig dem Mann unterzuordnen, das ist wohl ein Gedanke, der noch nicht bis zu Ang Lee vorgedrungen ist. Das die restliche Story reichlich hanebüchen ist, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden - schliesslich ist ihre einzige Funktion billiger Kitt für die Schwertszenen.

Spass, werden die Anhänger des Filmes sagen, das ist es, worum es geht. Nicht so verkrampft an den Film gehen, nicht alles am Maßstab der Glaubwürdigkeit beurteilen, locker die beeindruckende Choreographie geniessen. Wohl dem, der das kann - wie bereits erwähnt fand ich den Film nicht witzig, konnte für die mehr als künstlichen Kampfszenen keine Bewunderung empfinden und somit keine Begeisterung aufbringen, und die Handlung und damit Aussage ist ein Nullum. Damit reduziert sich der Film im Wesentlichen auf eines: Zeitverschwendung.

Undurchdachtes, verqueres Blendwerk


Wolfgang Huang
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Ang Lees Überraschungserfolg krankt in der Tat an Pseudoepik und so manchem, holprigen Moment. Sein großformatik inszeniertes, chinesisches Märchen bietet erzählerisch einfach nicht genug, um die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt aufzulösen. Dennoch entfaltet sich dank gutem Handwerk und der tollen Musik Tan Duns ein märchenhaftes Erlebnis, das, ...