Beach, The

USA, 119min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Danny Boyle
B:Alex Garland (Buch),,John Hodge
D:Leonardo DiCaprio,
Virginie Ledoyen,
Guillaume Canet,
Tilda Swinton
„Das ist genau der Schwachsinn, den Amerikaner reden, wenn sie Sex wollen”
Inhalt
Der junge Richard ist auf dem Aussteigertrip. In Thailand erfährt er von einem geheimnisvollen Strand, der das absolute Paradies sein soll. Kurzentschlossen macht er sich mit zwei neuen Freunden anhand einer Karte auf die Suche, und tatsächlich findet er das Paradies auch. Doch schon bald treten die ersten Probleme auf...
Kurzkommentar
Die moderne Variante der Vertreibung aus dem Paradies von Trainspotting-Regisseur Danny Boyle kommt ungewöhnlich hart und schonungslos daher, Leonardo DiCaprio meint es anscheinend Ernst mit seinem Imagewechsel. Dafür, dass der Film eigentlich nur eine kurze, bereits bekannte Aussage hat, füllt er die 2 Stunden gut - allein, trotz oder wegen seiner Qualitäten: Spass macht der Film nicht gerade.
Kritik
Hauptproblem und Hauptverdienst des Filmes gehen Hand in Hand: Es ist kein leichter, verdaulicher Palmen-Sonne-Strand-Stoff, und auch wenn hübsche Mädchen, Leonardo und ein Strand die Hauptrolle spielen, besonders erholsam oder unterhaltsam ist der Film nicht. Will er auch nicht sein, insofern bekommt ihm diese Bürstung gegen den Strich recht gut. Die Handlung folgt in abgewandelter Form dem aus der Bibel bekannten Paradies-Mythos: Durch Fehlverhalten verlieren die Paradiesbewohner ihr Anrecht auf das unbeschwerte Leben und werden vertrieben. Positiv anzumerken ist, dass der Film nicht nur die Umgebungshandlung anpasst, sondern auch neue Elemente einbringt. So baut der Film zu Beginn sehr geschickt eine Spannung zwischen jenen Touristen, die im schnöden Nachtleben Bangkoks bereits ihr Paradies gefunden haben, und jenen, die nach dem wahren Paradies streben, auf. Noch besser wird es später, wenn genau jene Illusion wieder zerstört wird - auch jene, die nach Höherem streben, sind in Wirklichkeit keinen Deut besser: Konsumwütig, egoistisch, lügend und betrügend. So wird das Paradies langsam aber sicher geschickt durch die Handlung destruiert: Zum wirklichen Glück fehlen die Batterien für den Gameboy oder MakeUp und Haarfärbemittel.

Diese Entwicklung wird noch weiter getrieben: In ihrer Spasssucht verlieren die Inselbewohner jeden letzten Rest von Anstand und Menschenachtung und lassen einen Kameraden elendig verenden, nur um ihr Geheimnis nicht preisgeben zu müssen und ihr kleines vorgebliches Glück nicht opfern zu müssen. Um die Spannung aufrecht zu erhalten, werde ich die weitere Entwicklung nicht weiter beschreiben - aber sie passt sich in die beschriebene Entwicklung entsprechend ein.

Die Logik des Fehlverhaltens beschreibt der Film sehr treffend: Es geht nicht mal um eher abgehobene Dinge wie Erkenntnis, nein, die Geisseln der modernen Zivilisation sind für die erschreckenden Konsequenzen der Auslöser. Beispielhaft: Vier neue Besucher wähnen sich am Ziel ihrer Träume, als sie sich auf einmal in einem riesigen Dope-Feld wiederfinden - wenige Augenblick später sind sie nicht mehr am Leben. Die Radikalität, die der Film in solchen Momenten aufweist, ist es, die ihn einerseits auszeichnet, ihn andererseits auch schwierig macht. Teilweise wirkt die Botschaft von der nicht erlangbaren Unschuld recht banal, andererseits ist die gnadenlose Abrechnung mit Hippie-Idealen schwer verdaulich.

Formal ist nichts Aufregendes geboten, nicht mal das angeblich Paradies ist über die Massen beeindruckend. Allein eine Stelle, die den Kontrast zwischen der neuen (Paradies) und der alten (Bangkok-Strandleben) Welt kontrastiert ist beeindruckend ausgefallen. Auch auf schauspielerischer Seite ist Leonardos nackter Oberkörper wahrscheinlich das beeindruckendste - auch wenn die Leistung durchaus solide ist. Etwas wirr wirkt dagegen stellenweise die musikalische Untermalung, und auch wenn das wohl beabsichtigt ist, so ist die doch mehr als einmal störend.

Die wirkliche Stärke des Films liegt in der Entwicklung der Geschichte, und in den zwar überzeichneten (Sal), aber dennoch treffenden Figuren. Wirklich bedauerlich, dass das Ende eher enttäuschend ausfällt. Die dort beschworene Idylle wäre zwar als zynischer Abschluss und Hinweis auf eine ewige Kreisbewegung, also ein niemals mögliches Entkommen grandios gewesen, aber mann muss wohl eher befürchten, dass das Ende auch noch ernst gemeint war - und das nimmt dem Film viel. Hätte er drei Minuten früher geendet, an der Stelle des "Game Over", es wäre ein restlos beeindruckender Film gewesen. Dennoch, wer vor Desillusionierungen nicht zurückschreckt, dem sei ein Trip an den Strand empfohlen.

Moderne Paradiesgeschichte über die Folgen von Konsum, Egoismus und Lügen


Wolfgang Huang