Good Vibrations
(What planet are you from?)

USA 2000, 104min
R:Mike Nichols
B:Garry Shandling
D:Garry Shandling,
Annette Bening,
Greg Kinnear,
Ben Kingsley
L:IMDb
„Sein Penis brummt. Genauso wie der Wasserboiler.”
Inhalt
Viele Lichtjahre entfernt existiert ein rein von Männern bewohnter Planet. Wie Außerirdische aber nun mal sind, streben sie nichts anderes als die alleinige Herrschaft im Universum an und so muß nun auch der Planet Erde dran glauben. H1449-6 alias Harold Anderson bekommt den Auftrag, auf der Erde eine Frau zu finden und sie zu schwängern, um interstellaren Nachwuchs zu zeugen und die Verbreitung seiner Rasse voran zu treiben. Völlig unerfahren mit der Lebensweise der Menschheit tritt er natürlich von einem Fettnäpfchen ins nächste und seine Mission gestaltet sich schwieriger als erwartet ...
Kurzkommentar
"Good Vibrations" ist ein überraschend frischer, kurzweiliger Komödientrip in die bekannte Welt des typisierten Männer-Frauen-Kontrasts, der es trotz exzellenter Besetzung nicht immer gelingt, die sich abnutzenden Gags zu überdecken. Insgesamt bleibt nette Abendunterhaltung, die aber wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird.
Kritik
Meine Güte, da haben sich die Damen und Herren von Columbia-TriStar mit "Sex vom anderen Stern" wieder einen niveauvollen Titel aus dem Kopf gedrückt. Man war wohl der Meinung, daß im sexuell-dominierten ("American Pie", "Harte Jungs", "Eiskalte Engel") Kinozeitalter das amerikanische Tabuthema noch die meisten Besucher anzieht; ohne Rücksicht auf filmische Verluste.

So konzentriert sich "Good Vibrations" dann auch hauptsächlich auf Witze um das Eine. Zwar in einer eigenen, recht amüsanten Art und Weise und nicht so dermaßen platt wie z.B. die harten Jungs, dennoch ist, je länger der Film dauert, eine gewisse Ermüdungserscheinung unabstreitbar. Der einigermaßen unverbrauchte Ansatz von "Good Vibrations" besteht nämlich darin, daß Harold Anderson - seines Zeichens im Umgang mit Menschen völlig unwissendes Alien - taktlose, meist witzige Annäherungsversuche an jeder, noch so unbekannten Frau unternimmt und natürlich meist aufgrund seiner direkten Vorgehensweise scheitert. Diese Grundidee ist zu Beginn des Films denn auch oftmals gut in Szene gesetzt und bringt einige Lacher mit sich - vor allem der "Lehrgang im Umgang mit Frauen" auf seinem Heimatplaneten ist umso köstlicher (Stichwort: nickendes "Ah häähh ..").
Erstaunlicherweise wird die Grundthematik von Drehbuchautor und Hauptdarsteller Garry Shandling ("Perfect Love Affair") auch recht gut genutzt: so ziemlich jede denkbare Situation wird ausgereizt und von Regisseur Mike Nichols ("Wolf", "The Birdcage") solide in Szene gesetzt. Zu mehr als "recht gelungen" bis "solide" reicht es dann aber auch nicht ...

So ist der Gag des summen und brummenden Penis zunächst noch recht erheiternd, nervt aber spätestens nach dem dritten Mal. Auch das ewige in-den-Tresor-aus-dem-Tresor Gehabe in der Firma nutzt sich schnell ab, wobei der Film überhaupt in der zweiten Hälfte mit so einigen schwachen, weil wenig ergiebigen Momenten zu kämpfen hat. Die letzten zehn Minunten hingegen gestalten sich in Sachen Gagdiche wieder recht gelungen und bieten das unweigerliche, aber lockere Happy-End.

Exzellent hingegen die Besetzung von "Good Vibrations": sowohl die darstellerische Leistung als auch die gut ausgearbeitete Rolle der naiv-zerstreuten Annette Bening (nach "American Beauty" mal wieder Immobilienmaklerin) ist erstklassig umgesetzt. Ben Kingsley, Linda Fiorentino und Greg Kinnear passen in ihre Rollen ebenso gut wie Drehbuchautor Garry Shandling. Letzterer ist zwar kein hochgradig begabter Schauspieler, weiß seine Mimik aber immer gekonnt einzusetzen.
Ebenso einigermaßen gelungen ist die Rolle John Goodmans als mißverstander Alien-Inspektor Roland Jones und die unweigerlichen Probleme mit seiner Frau; zwar unvermeidbar stereotypisch, aber ganz nett anzusehen.

"Ganz nett" ist überhaupt eine Bezeichnung, die dem Film gerecht wird. "Good Vibrations" ist eine zwar teils abgedroschene, meist jedoch recht witzige und erstaunlich unverbrauchte Parodie auf den typischen Männer-Frauen-Konflikt. Allein die Grundidee ist eigentlich schon lohnenswert; zumindest als Videoverleih.
Thomas Schlömer