Truman Show, Die
(Truman Show, The)

USA, 103min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Peter Weir
B:Andrew Niccol
D:Jim Carrey,
Laura Linney,
Ed Harris,
Noah Emmerich
L:IMDb
„In der Welt da draußen gibt es keine besseren Wahrheiten.”
Inhalt
Er führt ein vorbildliches, gut situiertes bürgerliches Leben in der insulanischen Kleinstadt Seahaven. Doch ist Truman Burbank (Jim Carrey) der Einzige, der nicht um die Fiktion seiner kleinen Welt weiß. Von Geburt an wurde durch den selbsterklärten Mediengott Christof (Ed Harris) zum Hauptdarsteller der endgültigsten "Reality-Soap-Opera" produziert. Die gesamte Erscheinung seiner Umwelt und der idyllischen Stadt Seahavens ist ein gigantisches Schauspiel, gelebt im größten Studio der Welt, übertragen 24 Stunden am Tag in alle Welt. Ist alles um ihn herum inszeniert, so ist Trumans Leben, das Nichtwissen um die wahre Funktion seiner Person, das einzig Reale. Daß sein eigenes unaffektiertes Leben von Millionen Fersehzuschauern ununterbrochen live mitgelebt wird, zeigt die Grenze des Schauspiels und die voyeuristische Faszination gegenüber der autonomen Realität Seahavens auf, in der die Truman umgebenden Schauspieler, seine Frau Meryl (Laura Linney) und Marlon (Noah Emmerich), seit Jugendtagen als bester Freund bei ihm, keinen Dialogtext haben, sonden individuell auf Truman reagieren, in zweiter Identität mit ihm leben. Truman versuchte bisher niemals, das konstruierte Paradies der Inselwelt zu verlassen, da er traumatische Angst vor dem Wasser hat, kalkuliert hervorgerufen durch den fingierten Tod seines Vaters während eines Unwetters beim Segeln.

Die Trumanshow wurde über 30 Jahre zum globalen TV Ereignis, zu einer Quasi-Religion. Jedoch tauchen plötzlich einige Studiopannen auf, die für Truman zuerst Unerklärliches geschehen lassen, ihn skeptisch machen: Scheinwerfer fallen vom Studiohimmel, Häuser entpuppen sich als Kulissenbauten und von der "Außenwelt" schaffen ab und an Einige, die den Betrug an Truman als großes ethisches Verbrechen anklagen, das Eindringen. Die schauspielerische Umgebung möchte seine Zweifel zerstreuen und sein Vorhaben, nach Fitschi reisen zu wollen, unterbinden. Doch Truman wird energischer und beginnt die konstruierte Natur seiner Umwelt, seines Gefängnisses zu begreifen. Er findet gar die Kraft, sein Angsttrauma und damit die Grenzen Seahavens zu überwinden, bis es zur Konfrontation mit Christof, seinem "Schöpfer" und der "Stimme Gottes" kommt.
Kritik
Die intelligente Story, die hinter "Truman Show" steckt, weist nicht nur geniale Züge auf, sondern ist meiner Meinung nach auch noch sehr gut umgesetzt. Dem Zuschauer wird nicht nur die Perversion einer solchen Sendung aufgezeigt (z.B. die Besessenheit der weltweiten (!) Zuschauer auf die Show), sondern Peter Weir legt auch viel Wert darauf, daß ganze Geschehen möglichst realistisch in die moderne Welt einzubetten (riesige Kulisse, "versteckte" Werbung, Kameraperspektiven). Außerdem gibt es intelligente Dialoge und eine philosophisch angehauchte Erklärung der jeweiligen Positionen, die dem Zuschauer Einblick in die Intention Christof's und Sylvia's ermöglicht. Mag einem trotzdem die ganze Story noch fiktional erscheinen, so wirkt sie doch beängstigend real ... alleine schon aufgrund der Tatsache, daß heutige Soap Opera's gar nicht soo weit von dieser permanenten Ausstrahlung entfernt sind. Negativ anzumerken ist eigentlich nur, daß Jim Carrey nicht immer als Truman überzeugen kann (wenn auch größtenteils) und daß ich manchmal den Eindruck hatte, daß zur perfekten Inszenierung und Ausführung der Filmidee der Streifen einen Tick kompakter hätte sein müssen. Trotzdem ein phänomenales Filmerlebnis voller guter Ideen.
Thomas Schlömer