Go! (1999)
(Go!)

USA 1999, 101min
R:Doug Liman
B:John August
D:Katie Holmes,
Sarah Polley,
Desmond Askew,
Jay Mohr
L:IMDb
Inhalt
Go! erzählt in drei Episoden die Geschichte von mehreren Jugendlichen, die ihre Erfahrungen mit Drogen, Sex und Gewalt machen. Ronna muss einen versauten Drogendeal wieder hinbiegen, Simon versucht, mit seinen drei Freunden, Tantra-Sex und einem schießwütigen Puffbesitzer klarzukommen, und Adam und Zak tauchen auch irgendwie auf, warum weiß keiner so genau.
Kritik
Zugegeben, ich bin erst nach etwa einer Stunde drauf gekommen, was das Problem mit 'Go!' ist. Genaugenommen sind es zwei: Es ist eine Kopie von 'Pulp Fiction', und es ist eine mittelmässige.
Das beginnt schon bei der Erzählweise: Mit dem Episodencharakter der auf Erzählungen der gleichen Geschichte jeweils aus verschiedenen Blickwinkeln aufbaut, ist kein Originalitäts-Blumentopf mehr zu gewinnen. Auch die Thematik ist ausgelutscht, Drogen, Sex und Gewalt, das haben wir wahrlich schon oft gesehen, und leider auch schon oft genug besser verpackt. Dass es nur um Teenis geht, sorgt für zusätzliche Zurückhaltung. Wo 'Pulp Fiction' durch Dreistigkeit und Unverblümtheit siegt, da hat 'Go!' nur verhuschte Bilder zu bieten. Überhaupt ist das Teenie-Motiv unbrauchbar: Die unschuldigen Gesichter wohlbehüteter Wohlstandskinder eignen sich so gar nicht, um das 'abgespacte' Szenario glaubhaft zu vermitteln, knallharten Drogenhandel und auch den Rest nimmt man ihnen kaum ab, einem Harvey Keitel, John Travolta oder Samuel Jackson können sie einfach nicht das Wasser reichen. Das hätte man auch nicht ernsthaft erwartet, aber diese Milchbubis respektive Mädels sind einfach indiskutabel. Auch Las Vegas scheint beliebt zu sein, hatten wir erst neulich in 'Very Bad Things', genauso wie das verbockte Wochenende, neues bekommt man hier nicht zu sehen. Und aus der obligatorischen Autoverfolgungsjagd lernen wir nur, daß wir bei 'Wenden in drei Zügen' und 'Tangentiales Abbiegen' besser hätten aufpassen sollen.

An anderen Kritiken, die ich dazu gelesen habe, verwundern mich zwei Dinge: Die einen finden den Film superb, manche sogar besser als Pulp Ficition, dabei ist er nur ein mittelmässiger, pubertärer Abklatsch für Möchtegern-Junkies und hechelnde Kiddies. Und die anderen halten für ein treffendes Generationenporträt oder machen sich über diejenigen lustig, die genau das glauben, und (ihrer Meinung nach) nicht erkennen, daß es nur um den Spaß geht.
Dahinter steckt aber was ganz anderes: Es ist ein mittelmäßiger Film. Ganz sicher ist 'Go!' kein ambitioniertes Projekt, und sicher kein Blockbuster. Er wurde nur deshalb gedreht, weil man damit mehr Geld einnehmen kann, als die Produktion kostet. Die Hauptdarsteller sind konsumierende, hirnlose Zivilisationsjunkies, und für die ist der Film auch gemacht, ohne jeden Anspruch, ohne jeden Gehalt, genehmigt von der Buchhalter-Kolonne des Filmstudios. Man mag von Tarantino halten, was man will, aber unbestreitbar ist, daß er neue Ideen ins Kino eingebracht hat, in gewisser Weise besitzen seine Filme schöpferische Kreativität, eine Art Frischzellenkur, wenn auch etwas zu viel Blut für manchen.
Aber 'Go!' ist ein mittelmäßiger Film, für mittelmäßige Menschen.

Mittelmäßige Tarantino-Kopie für Pubertierende


Wolfgang Huang