Austin Powers 2 - Spion in geheimer Missionarsstellung
(Austin Powers 2: The Spy Who Shagged Me)

USA, 95min
R:M. Jay Roach
D:Mike Myers,
Heather Graham,
Michael York,
Robert Wagner,
Elizabeth Hurley
„Shagadelic, Baby!”
Inhalt
...liest sich ungefähr so: Nach seinem Sieg über Dr. Evil (Mike Myers) ließ sich Geheimagent Austin Powers (Mike Myers) im Jahre 1965 einfrieren, während der gescheiterte Weltusurpator Dr. Evil zu einer Strafexistenz im All verdonnert wurde. Anno 1999 ist Powers ungealtert wieder aufgetaut und lebt wieder ungezügelt seine Libido aus, doch ruhte auch sein Erzfeind nicht. Dieser trachtet natürlich erneut nach der Weltherrschaft und meint ein Mittel gefunden zu haben, den schmissigen Potenz-Agenten Powers von der Vereitelung seiner Pläne abzuhalten: Mittels einer Zeitmaschine gelingt es Dr. Evils Handlanger 'Fat Bastard' ins Jahr 1965 zurückzureisen und dem eingefrorenem Powers seine Lebensessenz, seine Potenz, seine Libido, sein Sexappeal - kurz sein 'Mojo' zu extrahieren. Powers wird in der Gegenwart von seinem Mentor Basil Exposition (Michael York) beauftragt, im Jahr 1967 seine 'Schwingende-Hüften'-Potenz zurückzuergattern, um dann in der Gegenwart den Kampf gegen wiedererstarkten Dr. Evil aufzunehmen.
Kritik
Da das Original der Agentenpersiflage aus dem letzten Jahr auf ein breites Resonanzspektrum stieß - entweder, man emfpand die Antiheldenkonzeption als 'Groovy', 'cool' oder geschmacklos debil - , konnte eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen. Es mag wohl das mutig Durchgeknallte gewesen sein, das die Zuschauer in den USA in Massen anlockte, dem bunten Streifen satte 200 Mio. $ Einnahmen brachte und direkt die Ankündigung eines dritten Teils nach sich zog. Das Phänomen begründet sich in mindestens zwei Aspekten: Zum einen scheint das groteske Produktionsdesign, eine geschmacksverirrte Mischung aus überzeichneter Hommage an das knallbunte Lebensgefühl der 60er, James Bond-Karikatur, Potenzphantasien und entspannend saublödem Slapstick, den Reiz des erfrischend Unkonventionellen ausmachen. Selten gibt es Filme, die sich nicht nur konsequent nicht ernst nehmen, sondern auch zu ihrem wagemutigen Trashcharakter stehen und bewusst saudumme Gags zum Grundprinzip machen.

Zum zweiten besitzt die schrille Kreation der Witzfigur des amourösen Austin Powers den unwiderstehlichen Reiz des Hässlichen. Wo formenhafte, traditionelle Vorstellungen des 'Superagenten' und Gentleman beim Publikum auf Desinteresse stoßen, ersetzt der findige Produzent abgedroschene Schönheit durch die 'Ästhetik des Antihelden', an dem einfach alles 'objektiv unerotisch' ist: gelbe Zähne, unförmige Brille, abstoßende Graderobe und eine Brustbehaarung, die einem Teppich gleicht.

So schafft die programmatische Figur des Austin Powers unterschwellige Identifikationsmomente in der möglichen Erkenntnis, dass Erotik nicht durch das Schönheitsideal einer zeitkonformen Körperhülle, sondern auch durch Abnormalität der Ausstrahlung bedingt sein kann. Es ist diese geheimnisvolle 'Sexualaura', auf die der eigentlich sekundäre Gang der Handlung abfeiert. Augenzwinkernde Männerphantasien von unerschöpflicher Potenz und Allmacht finden sich ebenso wie begehrenswerte Frauen als egoförderndes Sexobjekt. Es werden also jene Elemente in ironischer Umkehr durchexzerziert, die einen traditionellen Agenten- respektive Bond-Streifen definieren.

Provozierten schon im ersten Teil nicht sämtliche Gags die Qualität des 'totalen Brüllers', so hat auch die Fortsetzung ihre stimmungsmäßigen Schwächen. Zwar geht beginnt der Schwachsinn mit einem Cameo-Auftritt von Elisabeth Hurley als 'Fem-Bot' vielversprechend durchgeknallt, doch ist es insgesamt nicht so, dass das Zwergfell durch situativen, gekonnt pointierten Dauerslapstick überstrapaziert würde. Einerseits werden grotesk-geniale Einfälle eingebracht, andererseits wird dann derart lange auf ihnen rumgeritten, dass sie mitunter wieder ins Witzlose abdriften. So ist die Idee des 'Minnie-Me', einer geschrumpften Kopie des absolut undiabolischen Dr. Evil, ein 'erzähltechnisch' absolut überflüssiges Detail, das das die köstliche Verrücktheit gleich nochmal parodiert. So wird Mike Myers als Dr. Evil nicht nur durch den Habitus der eigenen bleichen Erscheinung, sondern durch die Kopie ins doppelt Lächerliche und Harmlose überzeichnet. Das funktioniert solange gut, bis sich der Zuschauer einem Gag übersättigt hat.

War der erste Teil allein als Agentenparodie ausgelegt, durchbricht die Fortsetzung die Genregrenze und zieht u.a. bekannte Szenen aus 'Star Wars' oder auch der 'Thomas Crown Affair' durch den Kakao. Und obgleich jeder sein Fett abkriegen soll, wird nicht die Niveautiefe eines 'Hot Shots' erreicht. Filmischer Schwachsinn wird also nicht mit neuen Inhalten gefüllt, denn dafür ist 'Austin Powers' noch eine Spur zu bodenständig. Aber es sind auch gerade die liebevollen Details, an denen sich viele Lacher entzünden, wobei der Handlungsverlauf ohnehin zwischen idiotisch, unlogisch und uninteressant schwankt, was jedoch kein Minuspunkt ist. Das Interesse gilt eindeutig der Message: 'Denk nicht, hab Spaß!" - köstlich, wie Mike Myers sich in einem bonbonbunten VW Käfer 2 auf die Zeitreise in die Sechziger macht und sich vorher zuammen mit seinem Mentor an den Zuschauer wendet und bittet, doch kein Auge für die logischen Ungereimtheiten in der 'Erzählstruktur', sondern nur für puren Spaß zu haben.

Das ist fröhliches Dumpfbackenkino in Reinform, noch immer wirksam. Wenn also auch einiger Slapstick als Rohrkrepierer enden mag und einen nicht durchweg vom Hocker reisst, so ist Myers Zusammenspiel mit dem frech-erotischen Bondgirl-Verschnitt Felicity Shagwell (Heather Graham) eine Freude. Weitere absonderliche Figuren sind zwar einfach aus dem ersten Teil übernommen, aber noch immer unterhaltenswert, so z.B. Dr. Evils ultrafaschistische, ledertragende Befehlsausführerin und Nazikarikatur, einfach nur 'Frau' genannt. So ist die chaotische Truppe, die nach der Weltmacht trachtet, ein strahlend debiler Haufen - zurücklehnen und lachen. Doch auch wenn Myers diesmal nicht nur eine Doppel- sondern Dreifachrolle übernimmt (kaum zu glauben: unter dem Speckkostüm des 'Fat Bastards' steckt auch Myers), kann dies nur unzureichend die mangelnde Innovation vertuschen, mit der die Fortsetzung zu kämpfen hat: Zwar sind die Gags ein Quentchen ausgewogener und besser, aber insgesamt bleibt nur eine nicht sonderlich einfallsreiche Kopie des Originals und der Zugang in die vorderste Riege der Debilitätsklamotten verwehrt. Man muss das ausgeflippte Flair schon besonders mögen, um noch ein Sequel zu 'Austin Powers' gerechtfertigt zu sehen. Der idiotische deutscher Untertitel ist übrigens ein recht lakonischer Fingerzeig das, was einen erwartet: halbwegs sympathischer Blödsinn.



Verrückt, debil und geschmacklos - Kurzweilige Agentenklamotte mit Durchhängern


Flemming Schock