Aufgelegt
(Hanging Up)

USA, 94min
R:Diane Keaton
B:Delia Ephron
D:Meg Ryan,
Diane Keaton,
Lisa Kudrow,
Walter Matthau
„Manchmal ist es nötig, die Verbindung zu kappen”
Inhalt
Vater Lou (Walter Matthau), der an Gedächtnisschwund leidet und vor Jahren von seiner Frau verlassen wurde, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Da er für dein Leben gern telefoniert, ruft er ständig seine Lieblingstocher Eve (Meg Ryan) an. Als ob diese noch nicht genug Hektik zu verkraften hätte, wird sie ständig mit Telefonanrufen ihrer beiden Schwestern Georgia (Diane Keaton) und Maddy (Lisa Kudrow) bombardiert. Die drei unterschiedlichen Schwestern waren sich nie Feind, standen bisher aber in erster Linie per Telefon in Kontakt. Nun sehen sie sich der Herausforderung gegenüber, zusammen für ihren Vater zu sorgen.
Kurzkommentar
Obwohl sie ihre Sache gut macht, hat sich Meg Ryan mit diesem planlosen Filmchen, das zu Recht sofort dem Vergessen anheim fallen wird, keinen Gefallen getan. Eine nennenswerte Plotentwicklung gibt es nicht, dafür aber zuhauf Reissbrettfiguren, gesättigte Langeweile und nerviges Telefongequassel. Beispielhaft überflüssig.
Kritik
Haben Sie etwa kein Handy? Wenn nicht, wird "Aufgelegt", der von der Theorie der Zerstörung sozialer Umfelder durch den Telefon- und Erreichbarkeitswahn lebt, den besten Grund abgeben, sich keines zu kaufen. Wenn doch, sollte der Film Sie dazu bringen, eben öfter mal aufzulegen und Beziehungen auf die altmodische, aber menschliche Art pflegen - oder Sie nehmen den Streifen einfach nicht ernst. Und das will er auch.
Vor zwei Jahren hatte sich Drehbuchautorin Delia Ephron in "E-Mail für Dich" dem elektronischen Brief als neue, anonyme Kommunikationsform angenommen und in ihren Bedingungen eine Love-Story mit Tom Hanks und Meg Ryan erzählt. Jetzt nimmt Ephron das Handy als Beziehungskiller aufs Korn, aber nicht zwischen Männlein und Weiblein, sondern zwischen drei Schwestern. Meg Ryan ist wieder dabei und sie ist eigentlich auch das Einzige, was dieses konzeptlose Etwas vor dem Totalabsturz bewahrt. Schade, hat doch nicht nur sie Potential. Auch Lisa Kudrow und Diane Keaton sind fähige Darstellerinnen, bleiben aber ziemlich schemenhaft. Letztere wohl deswegen, weil sie nicht nur mitspielt, sondern gleich noch Regie führen wollte, was aber wohl etwas zu viel der Ambition war.

Ist schon die Essenz des Drehbuchs - drei nur durchs Telefon in Kontakt stehende Frauen vereinen sich über dem dahinsiechenden Vater - nicht sonderlich ergiebig, so zeigt sich das Ergebnis von Keatons Regiearbeit als reinförmige Trivialität. Vielleicht hätte ein Drama daraus werden können, aber "Aufgelegt" macht nur den nervigen Fehler, irgendwo zwischen banalen "Feel-Good"-Kino und hilfloser Komödie hängenzubleiben. Ständig stellt sich die Frage, in welche Richtung der Streifen eigentlich will, eine nennenswerte Dramaturgie gibt es nämlich nicht. Dauernd bimmeln die nervtötenden Telefone, Meg Ryan artikuliert und gestikuliert in Handyakrobatik in der Gegend herum, was die Rolle von Lisa Kudrow soll, steht in den Sternen, Walter Matthau kann einem in der Rolle des verschimmelten Alters eigentlich nur leid tun und die Rolle von Diane Keaton ist absolut minimal und blass.

Die Dialoge sind nicht weniger hohl als der undurchsichtige Plot, dessen roter Faden, wenn überhaupt vorhanden, in der oberflächlich skizzierten Beziehung zwischen den von Ryan und Matthau gespielten Charakteren zu finden ist. Die psychologische Motivation der Einzelnen wird einfach unter den Tisch gekehrt, nicht aber Meg Ryan, um die herum das nichtssagende Filmchen sich aufbaut. Ihren platten Charakter trägt sie blendend und ist das einzige, doch schwache Argument für diesen Streifen. Ihr Talent hätte sie hierfür nicht verschwenden müssen. Denn bis es zum Begreifen kommt, dass ja das böse Mobilfunknetz die familiäre Sphäre zerstört hat, fragt man sich, was schlimmer ist: die in Form gegossene Konzeptlosigkeit und Ödnis oder die immerwährende Telefonbimmelei. So bleibt von "Aufgelegt", der weder bewegend, witzig, originell, sondern einfach nur redundant ist, nur eines, nämlich nichts. Und nicht vergessen: bei Filmende die Handys wieder einschalten.


Viel Gebimmel um Nichts


Flemming Schock