Glauben ist alles
(Keeping the Faith)

USA 2000, 126min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Edward Norton
B:Stuart Blumberg
D:Edward Norton,
Ben Stiller,
Jenna Elfman,
Anne Bancroft
L:IMDb
„Sie sind also katholischer Sikh-Moslem jüdischer Abstammung?”
Inhalt
Brian (Edward Norton), katholischer Prister, und Jake (Ben Stiller), jüdischer Rabbi, sind Freunde seit ihrer Jugend. Während sich Brian gerade mit dem Zölibat abgefunden hat, sieht sich Jake zahlreichen Verkuppelungsversuchen seiner jüdischen Glaubensfreunde ausgesetzt - immerhin gehört zum Job als Rabbi auch eine (natürlich jüdische) Frau. Doch dann taucht plötzlich Anna auf, ebenfalls eine Jugendfreundin und die heimliche große Liebe der beiden. Und ihr Erscheinen ist der Startschuß zahlreiche Verwicklungen, denn beide wollen Anna, aber keiner darf sie haben...
Kurzkommentar
Spritzig, witzig, locker, unterhaltsam: Attribute die sich "Glauben ist alles" redlich verdient hat und Edward Norton in die Riege der talentiertesten Hoffnungsträger Hollywoods hieft.
Kritik
Trotzdem auch Edward Norton der "Versuchung", aus seinem Regiedebüt eine Liebeskomödie zu machen, erliegt (was in den meisten Fällen sicherlich im geringen Budget begründet ist), weist sein Erstling "Glauben ist alles" genau jene erfrischenden Elemente auf, die einen Streifen diesen Genres so wunderbar kurzweilig und unterhaltsam erscheinen lassen: ein unverbrauchter Plot, charmante Darsteller, treffende Dialoge, kein Kitsch, unbeschwerte Situationskomik und Liebe zum Detail.

Zwar kann ich die Authenzität der jüdischen Messen mangels Kenntniss nicht gerecht beurteilen und auch nicht einschätzen inwiefern es glaubwürdig ist, daß ein Raabi eine nicht-jüdische Frau liebt und mit ihr zusammenleben will. Jedoch wirkt das Geschehen durch seine behutsame und immer die Konfession respektierende Lockerheit derart angenehm, daß dem Film wohl niemand böse sein kann. Dieses Empfinden wird vor allem mit Hilfe einer gekonnten Mischung aus Kameraführung, wohldosiertem Slapstick und bissigem Wortwitz erzielt. Hinzu kommen teils herrlich amüsante Szenen (Erinnerungen aus der Kindheit, die Verkupplungsversuche, die "Matrix"-Einlage, der Türsteher T. Bone) und unbeschwerter Humor ("Kiss me, I'm Irish", Karaoke-Verkäufer Don, das Handyverhältnis), was in Kurzweil pur resultiert.

Vernachlässigbar selten wirken manche Slapstickeinlagen aufgesetzt und albern, manche Wortwechsel über das Verhältnis der Priester zu ihrer Gemeinde deplatziert oder das Verhalten der Hauptdarsteller unglaubwürdig. Was die Harmonie des Films schon eher störte: die interessante Grundidee (Zwei Männer, eine Frau, beide dürfen nicht an sie heran) verliert seine Faszination, sobald klar wird, daß Ben Stiller als "frauenbevorteilter" Raabi schon eher Chancen auf Anna hat - etwas unbefriedigend aus der Sicht des Zuschauers, sind ihm doch beide Glaubensdiener gleichermaßen sympathisch und will man beiden die faszinierend-lebensfrohe Anna (wirklich hinreißend: Jenna Elfman) gönnen. Das Hindernis der Konfession erweist sich nämlich schnell als nicht wirklich hinderlich und schon entwickelt sich die Problematik eher in typische Gefilde eines Beziehungs- anstelle eines Konfessionskonflikts. Genauer betrachtet war das allerdings die richtige Entscheidung Edward Nortons, weil der Film so zwar gewöhnlicher, aber eben auch amüsanter und weniger schwerfällig rüberkommt. Schließlich findet sich Nortons Charakter Brian auch mit der Situation ab, was es dem Zuschauer einerseits leichter macht, andererseits aber nicht hundertprozentig glaubwürdig wirkte - zu sehr wurde dem Zuschauer Brians Sehnsucht nach Anna nahegebracht.

Trotzdem: Spaß macht der Film auf jeden Fall und ist sowohl durch sein Niveau als auch durch seine Darsteller einer der gelungensten Komödien überhaupt. Dabei funktioniert "Glauben ist alles" nicht nur als leicht-romantische Liebeskomödie für zwischendurch, sondern besitzt eben auch genügend Charme, länger in positiver Erinnerung zu bleiben...

Charmante, bisweilen leicht eintönige Konfessions- und Liebeskomödie


Thomas Schlömer