Glass House, The

USA 2001, 106min
R:Daniel Sackheim
B:Wesley Strick
D:Leelee Sobieski,
Stellan Skarsgård,
Diane Lane,
Bruce Dern
L:IMDb
Inhalt
Als ihre Eltern bei einem Autounfall sterben, müssen Ruby und ihr kleiner Bruder die Vormundschaft der Glasses annehmen. Zunächst scheint das auch kein Problem, doch dann häufen sich die merkwürdigen Zufälle, und langsam aber sicher wird Ruby klar, dass ihr neuer Vater Terry dunkle Pläne schmiedet...
Kurzkommentar
Als innovative Replik auf die nach 0815-Muster gestrickten Teenie-Horror-Filme hätte "The Glass House" durchaus punkten können. So jedoch will der Film mehr, als er zu leisten vermag, und scheitert somit an seinem eigenen Anspruch.
Kritik
Daniel Sackheim hat seine Ziele deutlich zu hoch gehängt: In Äusserungen zu seinem Film vergleicht der Regisseur diverser "Akte X" und "Millenium"-Folgen "The Glass House" mit Hitchcock-Meisterwerken, und diesen Vergleich mit dem Master of Suspense kann man eigentlich nur verlieren. Dabei stimmt der Anfang des Filmes zunächst geradezu hoffnungsfroh. "The Glass House" eröffnet mit einer typischen Teenie-Horror-Schlitzer-Szene, in der ein maskierter Irrer unschuldige Jungfrauen metzelt, nur um dann wenig später zu zeigen, dass dies nur ein Kinofilm war, um dann durchaus gelungen eine eigene finstere Welt zu etablieren, die aber den klischeehaften Horrormovies so gar nicht gleicht.

Eigentlich ein geschickter Schachzug: Statt eines düsteren Labyrinths ist der Schauplatz des Geschehens ein luftig-transparentes Glashaus, die Protagonistin ist nicht aussichtslos eingeschlossen, sondern unternimmt verschiedene Fluchtversuche, es gibt keine unzähligen gleich aussehenden Teenie-Darsteller, die sowieso nur als Negerlein fungieren, sondern die Geschichte konzentriert sich auf eine einzige junge Frau - dergleichen bewusst gewählte Anspielungen auf erwähnte Klischees finden sich noch viele, und der erfahrene Kinogänger weiss sie durchaus zu schätzen.

Doch leider begnügt sich Sackheim nicht mit einem bodenständigen Gruselfilm, sondern möchte mehr, doch an der Kunst der subtilen Angst scheitert er. Zu absehbar ist letztlich die Geschichte, zu durchschaubar das Komplott. Hier hätte ein geschickterer Einsatz verschiedener Erzählperspektiven oder auch ein unvermuteter Schluss a la "Arlington Road" dem Film Pfeffer geben können, doch spätestens am Ende, wenn der arg gebeutelte Bösewicht wieder und wieder erscheint, und mehr als einmal umgebracht werden muss, bis er endlich tot ist, fällt der Film zurück in die Konventionen, von denen er sich zu Beginn zu lösen vorgab. Aus den "sinister story elements", die dem Film immerhin ein PG13-Rating einbringen, hätte man mehr machen können, ja müssen, ebenso aus den Beziehungen der einzelnen Personen.

Schauspielerisch stand nur die zweite oder dritte Garde zur Verfügung, was sich doch deutlich bemerkbar macht: Ausser Stellan Skarsgård gibt es wenig Sehenswertes. Ähnliches gilt auch für die restliche Inszenierung: Die wenigen guten gestalterischen Ideen und inszenatorischen Tricks werden mit zunehmender Fortdauer immer magerer, der Film zum Ende hin deutlich schwächer. Die Idee beispielsweise, die Geschichte aus dunklen Kellergewölben in ein Glashaus zu verlagern, wird nur inkonsequent genutzt.

Wer unbedingt einen Thriller sehen möchte, gleichzeitg aber der Teenie-Horror zum Hals raushängt, der ist bei "The Glass House" ganz gut aufgehoben. Ansonsten jedoch wird der kaum an markanter Stelle in die Annalen der Filmgeschichte eingehen, und kann insofern auch gut und gerne ausgelassen werden - ein typischer Fall von verschwendetem Potential.

Gute Ansätze, doch zum Ende hin immer banaler und konventioneller


Wolfgang Huang