Swimming Pool - Der Tod feiert mit
(Swimming Pool (2001))

Deutschland / Tschechien, 89min
R:Boris von Sychowski
B:Lorenz Stassen, Boris von Sychowski
D:Kristen Miller,
Elena Uhlig,
Thorsten Grasshoff,
James McAvoy
L:IMDb
„Er hatte eine schwere Jugend - wenn ich das schon höre!”
Inhalt
Den Schluabschluss gilt es zu feiern, und zwar natürlich an einem möglichst spektakulären Ort. Und so verlegen die High-School-Absolventen die grosse Party in ein luxuriöses Schwimmbad. Doch der Spass hat bald ein Ende, müssen die Jugendlichen doch fetsstellen, dass ein verrückter Metzler umgeht, der einen nach dem anderen grausam ermordet. Die Jagd beginnt....
Kurzkommentar
Ein Teenie-Slasher, wie innovativ! "Swimming Pool" ist genau so, wie man es erwarten durfte: Ein bisschen gruselig, ziemlich dämlich, kein bisschen innovativ, reichlich ausgelutscht, vergleichsweise routiniert, und: todlangweilig.
Kritik
Man sollte ein Filmgesetz erlassen, nachdem es verboten ist, als Kino- Erstlingswerk einen Highschool-Horror-Film zu drehen. Denn zweifellos ist das der einfachste Weg, mit minimalen Budget, miesen Darstellern, unüberlegtem Plot, pointenloser Story, uninspirierter Musik und unbedeutender Fotografie 90 Minuten zu füllen. Noch schlimmer ist es, wenn die Regisseure dann aus der Werbebranche kommen: Denn die Kombination aus formaler Routiniertheit und nicht zu übertreffender Inhaltsleere kommt dem Film gerade in diesem Genre nicht zu gute. Und Boris Sychowski ist genau einer jener Regisseure, die sich ihre Sporen mit Werbespots für Kleinbildkameras und Whiskas verdient haben - zumindest letzteres hat wenigstens eine gewisse thematische Verbundenheit zum Thema: Gemetzel.

In den Presseinfos kann man lesen, dass es angesichts der Flut an Horrorfilmen wichtig sei, mit dem nötigen Genrewissen an die Sache heranzugehen, und so nimmt man sich flugs den erfolgreichsten Horrorfilm der jüngeren Filmgeschichte, "Scream", als Vorbild, ja, stellt sich mit ihm in eine Reihe. Das genüssliche Spiel mit den Regeln des Genres mache die Faszination aus, nicht die brutalen, blutigen Szenen. Die Angst müsse im Kopf des Zuschauers stattfinden, der Film sich also auf psychologischer Ebene entfalten. Große Worte, und: Nichts dahinter. Das einzige, was bei "Swimming Pool" ansatzweise überzeugen kann, sind die Metzelszenen, die angesichts der Inflation vergleichbarer Filme noch überdurchschnittlich einfallsreich ausfallen - ein zweifelhafter Triumph. Doch gerade auf der psychologischen Ebene versagt der Film voll und ganz. Denn: Alles schon gesehen, alles schon gehabt. Und was die Genreregeln angeht, so missachten die Protagonisten diese natürlich in jämmerlichster Weise: Trennen sich, um großflächiger Suchen zu können, rufen, ihr Versteck verratend, "Ist da jemand?", und kommen nie auf die Idee, dass man Fenster, die ins Freie führen, eventuell auch zerschlagen könnte. So langt man sich ständig an den Kopf, denn mit soviel Dummheit wie in diesem Film waren die Hauptfiguren noch selten gestraft. So kennen also nicht nur die Figuren nicht die elementaren Verhaltensregeln (was spätestens seit "Scream" natürlich grob fahrlässig ist), nein, auch die Filmemacher kennen trotz der grossen Worte auch die Regeln des Genres nicht - sonst würden sie nicht einen Film drehen, der so gnadenlos vorhersehbar ist, wie "Swimming Pool".

Immerhin, ein gewisses Maß an Spannung bringen die Hauptfiguren dann doch hinein: Die sind nämlich so austauschbar, dass man gut beschäftigt bleibt mit dem Versuch, stets den Überblick darüber zu behalten, wer gerade abgemetzelt wird. Dankenswerterweise tragen sie Shorts in unterschiedlichen Farben, das erleichtert die Sache etwas. (Das Presseheft nennt das übrigens "unverbrauchte Jungtalente".) Aporpos erleichtern: Dankbar muss man auch dem fiesen Mörder sein, der am Ende recht ausführlich seine Leidensgeschichte und seine Verstrickungen in die Geschichte offenlegt - wir hätten sonst nämlich nicht gewusst, wer das eigentlich sein soll und was seine Motivation ist. Traditionellerweise funktionieren solche Filme ja immer so, dass unter einer bestimmten Anzahl Jugendlicher ein Mörder umgeht, und das wirklich spannende Element eigentlich nur darin liegt, herauszufinden, wer nun der Mörder ist. Und da es reichlich sinnlos wäre, einen völlig Unbeteiligten zum Mörder zu machen, muss es zwangsweise jemand sein, der dem Zuschauer zuvor vorgestellt wurde. Was wiederum dazu führt, dass der Mörder immer in schwarzem Umhang und mit Maske herumlaufen muss. Leider entgeht auch "Swimming Pool" diesem Automatismus nicht, und schickt nur eine neue Verkleidungsvariante ins Rennen. Angesichts von Nullnummern wie "Valentine" ist das Kostüm geradezu gelungen, letztlich aber doch nur ein langweiliger Abklatsch.

Und wo wir gerade beim Thema Masken sind: Der schauspielerischen Leistung des restlichen Casts hätten die auch keinen Abbruch getan. Besonders Kristen Miller, die Horrorfans schon in "Cherry Falls" ertragen mussten, ist ziemlich enttäuschend, ihre vorgegaukelte Charaktertiefe (dank traumatischem Erlebnis in der Jugend) so seicht wie eine Pfütze. Auch das Spiel der anderen Darsteller verliert sich in Bedeutungslosigkeit, allein Elena Uhlig vermag eventuell im Gedächtnis zu verbleiben.

Wie fast jeder Film, der scheitert, scheitert auch "Swimming Pool" an seinem undurchdachten Drehbuch. Die formal-ästhetischen und schauspielerischen Ansprüche sterben dann eher beiläufig den Genre- bzw. Kostentod, wobei auch hier mehr drin gewesen wäre, denn ansatzweise lässt sich erkennen, das Regisseur von Sychowski vor allem filmisch zu mehr in der Lage gewesen wäre. Doch ohne eine gute Basis, ein vernünftiges Drehbuch, bewegt sich eben nichts - und daran mangelt es "Swimming Pool" vorallem. So bleibt ein bestenfalls durchschnittlicher, besonders in den Dialogen und der Charakterzeichnung miserabler, im Splattersektor passabler Film, der angesichts der zahlreichen Konkurrenz kaum lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Routiniert-langweilig in überstrapaziertem Genre


Wolfgang Huang