Mumie kehrt zurück, Die
(Mummy Returns, The)

USA, 130min
R:Stephen Sommers
B:Stephen Sommers
D:Brendan Fraser,
Rachel Weisz,
Freddie Boath,
John Hannah,
Arnold Vosloo
L:IMDb
„Oh no, not these guys again!”
Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1935: Zehn Jahre nach ihrer schauerlichen Begegnung mit dem mumifizierten ägyptischen Hohepriester Imhotep sind Rick O’Connell (Brendan Fraser) und Evelyn (Rachel Weisz) glücklich verheiratet und haben einen achtjährigen Sohn, Alex (Freddie Boath). Doch viele hundert Kilometer vom schicken Londoner Heim der Familie O’Connell entfernt, unter dem Sand der Sahara, braut sich bereits der nächste Alptraum zusammen. Vor 6000 Jahren schloss ein wilder Krieger namens Scorpion King (Dwayne "The Rock" Johnson) einen Pakt mit dem großen Gott Anubis, hinterging diesen aber und wurde für alle Zeiten verdammt. Nun aber steht er kurz davor, wiedererweckt zu werden und mit den Armeen von Anubis einen Generalangriff auf die zivilisierte Welt zu starten. Derweil ist eine mysteriöse Gruppe skrupelloser und machtgieriger Anhänger des Hohepriesters wild entschlossen, Imhotep (Arnold Vosloo) wiederauferstehen zu lassen - denn dieser hat als einziger die Fähigkeit, den Scorpion King zu besiegen.
Kurzkommentar
Tja, da bietet uns Stephen Sommers genau das, was man von einer Fortsetzung erwarten kann und trotzdem ist man nicht zufrieden. Zwar sitzen auch diesmal die Sprüche wieder locker und die Action ist sehr zahlreich, aber "Die Mumie kehrt zurück" verliert bis zum (bittteren) Ende immer mehr an Ironie und läßt einen faden und ziemlich ernsten B-Movie-Nachgeschmack zurück.
Kritik
Wenn man dem Presseheft zu "Die Mumie kehrt zurück" Glauben schenkt, haben Stephen Sommers und sein Team schon vor dem Start der ersten Mumie einen zweiten Teil festmachen wollen. UIP hingegen wollte zunächst abwarten, wie der erste Teil überhaupt ankommt. Selber Schuld, denn nach dem erfolgreichen Start sind die Preise für Darsteller und Regisseur Sommers natürlich kräftig gestiegen. Trotzdem hat das UIP nicht abgehalten, auch den zweiten Teil zu finanzieren. Wieso auch? Ein Erfolg war quasi garantiert, wenn nur die Trailer und die Vermarktung stimmen. Den Beweis liefert das erste Wochenende in den USA, an dem "Die Mumie kehrt zurück" den zweiterfolgreichsten Start aller Zeiten hinlegte - selbst "Star Wars: Episode I" mußte da klein beigeben.

Und wie ist er nun? Nun ja, Fans des ersten Teils sollten auch diesen mögen, auch wenn er längst nich so ironisch ist und nicht mehr so viel auf Slapstick setzt. Gegner der ersten Mumie hingegen dürften auch ihre Probleme mit dem zweiten Teil haben - trotzdem er nicht mehr so viel auf Slapstick setzt. Irgendwie läßt Sommers den ironischen Charakter seines Films in den letzten 45 bis 60 Minuten nämlich dahinsausen und will uns ernsthaft emotional bewegen. Dazu reicht die Tiefe der Charaktere aber dann doch nicht und die Story ist selbstredend ziemlich zusammengeschustert: das macht schon die Eingangssequenz deutlich, die in kurzen 5 Minuten schildert, warum die Welt diesmal vor dem Untergang steht. Ok, ist ja nur ein einfacher Sommer-Blockbuster, von daher sollte man da sicherlich nicht zu viel erwarten. Gut, unter dem Gesichtspunkt kann "Die Mumie kehrt zurück" durchaus punkten, denn Action wird massig geboten - nicht immer vollends spektakulär, aber doch ziemlich cool. Von Massenschlachten über Verfolgungsjagden in einem Londoner Bus bis hin zu jeder Menge Zweikämpfe, Geballere und kleinen Pygmäen-Skeletten (sehr cool) ist so ziemlich alles dabei, was man sich nur wünschen kann. Von daher geht der Film in Ordnung.

Problematisch an dem Ganzen ist nur, daß es so viele störende Kleinigkeiten gibt. Da wäre zum einen die Rolle des kleinen Freddie Boath. Als Sohn von Rick und Evelyn soll er die Eigenschaften der beiden vereinen und laut Sommers nicht nur als "komisches oder altkluges Anhängsel" fungieren. Nun, genau das ist aber der Fall. Ein paar Szenen mit ihm (gerade am Anfang) sind ziemlich witzig ("Wie weit is'es noch?") und die Tragweite seiner Rolle geht in Ordnung, aber zum Ende hin wird er immer wichtiger und wenn er irgendwann mehr Durchblick hat als die Erwachsenen nervt er nur noch. Ungünstig auch, daß mehr und mehr die Special-Effects schwächeln. Bis zwei Wochen vor US-Kinostart hat die Vorzeige-Effektschmiede Industrial, Light & Magic (ILM) angeblich noch an den Effekten gebastelt, weil die Zeit (wie üblich in der Filmbranche) bis auf die letzte Minute verplant ist und man sich als großes Studio selbstverständlich keine Verzögerung erlauben kann. Und so gibt man den Film dann frei, obwohl er noch gar nicht fertig ist. Das sieht man den Effekten ziemlich an, denn manche weitschweifenden Einstellungen wirken arg künstlich. Trotzdem sind natürlich auch eine Menge beeindruckender Computeranimationen drin, allen voran die Massenszenen und all die Kleinigkeiten, die man erst gar nicht als Effekt erkennt.

Das Grundproblem ist und bleibt allerdings die fehlende Ironie in den letzten 45 bis 60 Minuten. Lockere Sprüche finden sich da kaum noch und so wirkt das technische eh schon recht schwache Monster am Ende leider eher lächerlich. Hinzukommt, daß uns der Tod einer der Figuren scheinbar ernsthaft berühren soll, daß der kleine Alex natürlich altägyptisch beherrscht und daß die Bahnlinie natürlich direkt an einem der finalen Tempel vorbeiführt. Normalerweise sollte hier wieder der witzelnde Aspekt des ersten Teils greifen, aber bis dahin ist leider zu viel von der lockeren Atmosphäre verloren gegangen. Irgendwie Schade.
Dennoch ist "Die Mumie kehrt zurück" einer der besseren Fortsetzungen der Blockbuster-Geschichte und Stephen Sommers hat sich zumindest bemüht, nicht nur eine reine Geldmaschine zu entwerfen. Das zeigt sich z.B. am schönen Brückenschlag zum ersten Teil und dem Willen, mal wieder ein krachendes Actionabenteur auf die Beine stellen zu wollen. Und die gibt es sowieso viel zu selten.

Immer noch spaßig und mit viel Action, aber zu wenig Ironie


Thomas Schlömer