Sweet November

USA, 115min
R:Pat O'Connor
B:Paul Yurick
D:Keanu Reeves,
Charlize Theron,
Jason Isaacs,
Greg Germann
L:IMDb
„...weil es jetzt schrecklich wird!”
Inhalt
Eigentlich sollte der Karrierist Nelson (Keanu Reeves) nach vier Wochen aus Saras Leben verschwinden. Denn Sara reißt jeden Monat einen Neuen auf. Aber mit Nelson scheint die wechselhafte Sara (Charlize Theron) endlich den richtigen gefunden zu haben. Doch da schlägt das Schicksal zu
Kurzkommentar
Wer gekünstelte Tränen braucht, wird bedient. Allenfalls mit sympathischen und erfreulich lebendigen Darstellern empfiehlt sich das Remake einer wenig bekannten Tragikkomödie. Darüber hinaus verläuft die profillose Romanze nach rigorosem 08/15-Muster und stößt mit einer fatalen Heuchelei ziemlich übel auf.
Kritik
Eine romantische Komödie, Punkt. Damit ist eigentlich alles und vor allem gesagt, dass die Mehrzahl der Genrevertreter nervtötend routinisiert und nüchtern kaum zu ertragen ist. Löbliche, weil liebenswerte Ausnahmen wie "Notting Hill" sind seltener als die große Liebe und es insgesamt unverständlich, wieso Hollywood in blinder Regelmäßigkeit erneute Schmonzetten nach Fließbandschemata mit irgendeinem Traumstarpaar ausstößt. Denn die anvisierte Zielgruppe macht sich rar, also rentieren die Streifen sich kaum, was in letzter Zeit auch an der perversen Tendenz liegen mag, die langweiligen Turteleien und den trivialen Abgleich von phrasenhaften Lebenskonzepten tragisch, nämlich mit dem Tod enden zu lassen.

Es gibt denn doch einen foltergleichen Superlativ: die romantische Tragödie, komödiantisch verwässert. Nun mag das ja schön sein, dass die wahre Liebe entweder ewig und so weiter, transzendental ist, aber das Vorgesetzte wirkt doch meist abgeschmackt und überzeichnet. Vor diesem Hintergrund ist der Monat November als Sinnbild eh schon gebeutelt, und auch der September durch einen gruseligen Tränenzieher des letzten Jahres: "Es begann im September". Hier starb Winona Ryder den unsäglichen Theatertod, aber immerhin, die Moral des Streifens ging mit dem Tod als natürliche Tatsache des Lebens uns selbstverständlich und "ehrfürchtig" um. Das tut "Sweet November" gar nicht, doch dazu gleich. Zur Einfallslosigkeit des Streifens muss noch gesagt sein, dass es sich natürlich, wie könnte es angesichts der allgemeinen Drehbuchmisere auch anders sein, um ein Remake handelt. "Adieu, geliebter November", nicht von ungefähr in San Francisco angesiedelt, mag 1969 den Nerv der Hippies exakt getroffen haben, "Sweet November" hingegen wirkt heute bloß anachronistisch und aufgesetzt. Eine selbsterklärte Ökomuse (Charlize Theron), verdächtig zwischen promiskuitivem Flittchen und sektierender Psychomutter schwankend, will einen Schablonenyuppie (Keanu Reeves) aus schemenhaften Motiven therapierend das Glück lehren.

Das ist dann im Grunde abgenutzt wie kaum was, allenfalls in seiner Variation minimal interessant, letztlich aber so unglaubwürdig wie auch langweilig. Fehlte das unlogische Hervorplatzen der Wendung zur Billigtragik am Ende, "Sweet November" wäre in jeder Szene absehbar. Doch darum geht es nicht, Schmonzetten sollen ja rühren, aber vielmehr als den vor Verlegenheit auf dem Kinosessel sich Rührenden gibt´s nicht. Das ethische Techtelmechtel ist zu geradlinig, zu herz- und gesichtslos, einfach zu routiniert, um mitfühlende Seufzer zu provozieren. Schnörkellos lädt die Yuppie-Hippie-Reaktion zum Dösen im für sommerliche Grade angenehm temperierten Kinosaal ein. Schade, dass da die überraschend stimmige Chemie zwischen Reeves und Theron so wirkungslos vergeben wird. Doch auch ihr wackeres Auftreten macht die elend aufstoßende Scheinmoralität von "Sweet November" nicht wett. So fällt beim Überdenken der überdrehten Finalpathetik auf, dass die proklamierte Lebensbejahung in Wirklichkeit lebensverachtend ist, weil sie den Tod als Faktum des Lebens verdrängt. Wird also jeder einsam sterben? Nein, vorher ist "Sweet November" längst vergessen.

Reine Dutzendware mit vergeudeten Darstellern und problematischer Moral


Flemming Schock