Prophezeiung, Die
(Bless the Child)

USA, 102min
R:Chuck Russell
B:Cathy Cash Spellman, Thomas Rickman
D:Kim Basinger,
Jimmy Smitts,
Holliston Coleman,
Rufus Sewell,
Christina Ricci
L:IMDb
„Wenn Du an Gott glaubst, dann spring.. - Nach Ihnen!”
Inhalt
Krankenschwester Maggie (Kim Basinger, zuletzt in "Ich träumte von Afrika") zieht das Kind ihrer Junkie-Schwester Jenna (Angela Bettis, "Durchgeknallt") wie ihr eigenes groß. Als Sechsjährige demonstriert Cody (Holliston Coleman) magische Fähigkeiten. Gleichzeitig halten rituelle Morde an Kindern mit dem gleichen Geburtsdatum wie Cody die Stadt und FBI-Agent John Travis (Jimmy Smits, zuletzt in "The Million Dollar Hotel") in Atem. Dann taucht auch noch Jenna wieder auf, inzwischen mit dem Sektenführer Eric Stark (Rufus Sewell, "Dark City") verheiratet, und fordert das Kind zurück.
Kurzkommentar
Die Wunder Jesu müssen mal wieder als Mystikstoff herhalten und so inszeniert Chuck Russell einen vor plumper Symbolik nur so strotzenden Horrorfilm ohne Horror. Handwerklich lieb- und detaillos in Szene gesetzt mangelt es dem ganzen Film außerdem an Ideen und packenden Momenten. Nur toleranten Genre-Fans zu empfehlen.
Kritik
Nach der Mystikwelle, die 1999 und Anfang 2000 über die Kinoleinwände geschwappt ist, wirkt der religiös orientierte Thriller "Die Prophezeiung" von 08/15-Regisseur Chuck Russell ("Die Maske", "Eraser") wie ein klassischer Spätzünder. Und als solcher entpuppt er sich leider auch. Die Mängel sind dabei eigentlich weniger im Grundgedanken des Films zu suchen - ein kleines Kind mit übersinnlichen Kräften war anno '99 immerhin der Überraschungserfolg des Jahres. Vielmehr die darüber hinaus gehenden Szenenideen als auch die oftmals dämlichen Dialoge ("Ein Baby !"; "Sie müssen hier raus !") nehmen dem Film sein Potential.

Dabei beginnt eigentlich alles recht ordentlich: Russell etabliert solide Mystikatmosphäre, zwar ohne Ideen und schnitttechnische Finessen, aber wenigstens hält er den Zuschauer halbwegs bei der Stange - trotz anfänglichen Mangels an unheimlichen Schreckmomenten oder beängstigenden Situationen. So plätschert der Film mit seinem durchschaubaren und ordinären Plot gemächlich vor sich hin und könnte als anspruchslose, durchschnittliche Abendunterhaltung mit dezentem Gruselfaktor noch durchgehen. Je mehr sich das Geschehen aber seiner Kulmination nähert, ,je kruder und unerträglicher wird die Story. Wunderkind und Christi-Wiedergeburt nach 2000 Jahren hin oder her - das könnte mal als generellen Ansatz eines raffinierten Horrorfilms noch durchgehen lassen - aber Russell versäumt es total, seiner mystischen Atmosphäre mal etwas Nervenkitzel abzuringen. Lieblos und handwerklich dürftig wirkt seine Inszenierung und man möchte meinen, daß Russell erst gar nicht versucht hat, den Film zu etwas Besonderem zu machen.

Diese Detaillosigkeit schmerzt besonders bei der hingeschluderten Visualisierung von Maggies Tagträumen und Horrorszenarien. Die mäßigen Special Effects kann man zur Not mit einem geringen Budget begründen (immerhin 40 Mio. $; wo sind die geblieben ?), aber das selbst Übergänge und Farben so künstlerisch uninspiriert bleiben, ist nicht zu verzeihen. Wenn wenigstens noch etwas Wortwitz, ein gehöriger Schuß Selbstironie oder packende Szenen den Film bestimmen würden. Nein, mehr Witz als eine verblühte Büropflanze oder mehr Spannung als bei Maggies bewußtloser Todesfahrt ist nicht vorhanden - übel, übel. Den endgültigen Knockout verleiht sich der Film aber durch die zum Ende hin immer aufdringlichere und plumpere Symbolik und Bibelorientierung. Der unschuldige Putzmann darf als Gesandter Gottes sowohl FBI-Agent John als auch die Pflanze erleuchten, die kleine Cody ihre Heilungskräfte einsetzen wie in einem Fantasyroman und der ultimative Machtkampf Gut gegen Böse im pathetischen Finale seinen stereotypischen Ausgang finden. Nichts schien Romanautor Spellman zu platt: Madonnafiguren dürfen weinen, Engel retten die "Guten" in entscheidenden Situationen (das Auto auf der Brücke) und das Böse besteht grundsätzlich nur aus den fiesesten Höllenmonstern. Religion als naiver Atmosphärebonus frei nach dem Motto "die Bibelsymbolik wird's schon richten" - das war bei "Stigmata" schon schiefgegangen.

Wenigstens hatte da noch ein Videoclip-Regisseur seine Hände im Spiel und verlieh dem Film seinen eigenen stilistischen Touch - hier: Fehlanzeige. Verstehen Sie mich nicht falsch: "Die Prohezeiung" ist nicht grottenschlecht, aber eben so unterdurchschnittlich inszeniert wie seine Musik von Christopher Young: ideenlos, lieblos, aufdringlich und nur halbwegs effektiv. Immerhin: die kleine Holliston Coleman macht ihre Sache recht gut (kein Vergleich zu Haley Joel Osment) und auch Rufus Sewell macht agiert recht ordentlich - trotzdem ein klarer Rückschritt zu seiner grandiosen Darstellung in "Dark City". Eher überzeugen kann da schon Jimmy Smits: als besonnener, Vergangenheits-freier FBI Agent ist er der Ruhepol des Films, souverän, routiniert und zielstrebig. Keine bedeutende Rolle wie demnächst in der zweiten Star Wars Episode, aber allemal gekonnter als Kim "Sorgenfalte" Basinger. Daß sie damals für "L.A. Confidential" einen Oscar bekam, lag wohl vor allem an der exzellenten Inszenierung Curtis Hanson's - ohne führende Hand wirkt sie leider desorientiert und einfältig.

Kann man "Die Prophezeiung" trotzdem irgendwem empfehlen ? Nun, Genre-Fans dürften sicherlich auf ihre Kosten kommen, aber man erwarte bitte keine effektive Grusel-Atmosphäre wie in "Echos", keine aufwühlenden Provokationen wie in "Im Auftrag des Teufels" oder auch keine erzählerische Raffinesse wie in "Sixth Sense".

Handwerklich schwacher Mystik-Thriller mit plumper Symbolik


Thomas Schlömer