Prophezeiung, Die
(Bless the Child)

USA, 102min
R:Chuck Russell
B:Cathy Cash Spellman, Thomas Rickman
D:Kim Basinger,
Jimmy Smitts,
Holliston Coleman,
Rufus Sewell,
Christina Ricci
L:IMDb
„Wenn Du an Gott glaubst, dann spring.. - Nach Ihnen!”
Inhalt
Krankenschwester Maggie (Kim Basinger, zuletzt in "Ich träumte von Afrika") zieht das Kind ihrer Junkie-Schwester Jenna (Angela Bettis, "Durchgeknallt") wie ihr eigenes groß. Als Sechsjährige demonstriert Cody (Holliston Coleman) magische Fähigkeiten. Gleichzeitig halten rituelle Morde an Kindern mit dem gleichen Geburtsdatum wie Cody die Stadt und FBI-Agent John Travis (Jimmy Smits, zuletzt in "The Million Dollar Hotel") in Atem. Dann taucht auch noch Jenna wieder auf, inzwischen mit dem Sektenführer Eric Stark (Rufus Sewell, "Dark City") verheiratet, und fordert das Kind zurück.
Kurzkommentar
Nur als Film betrachtet hat "Die Prophezeiung" nicht mehr als unterdurchschnittlichen Grusel zu bieten. Recht interessant ist aber, welche politische Botschaft in dem Film unterschwellig mitschwingt.
Kritik
Wie bereits ausführlich in Thomas' Kommentar zu lesen: Besonders unterhaltend, handwerklich bemerkenswert oder gruselig ist der Film nun nicht gerade. Weder darf man eine allzu intelligente Story, noch bemerkenswerte Darstellerleistung oder gar filmische Innovation erwarten. Was den Unterhaltungsfaktor angeht, ist "Die Prohezeiung" so ziemlich allen Konkurrenten unterlegen, egal ob es sich dabei nun um "End of Days", "Stigmata", "6th Sense" oder "Im Auftrag des Teufels" handelt.

Ganz interessant zu beobachten ist aber, wie der Film mit dem Thema Religion, Sekten und Medien umgeht. Immerhin ist Amerika das Land, in dem die Bibel mitunter noch wörtlich genommen wird, Scientology eine Kirche ist, sich Sektenmitglieder gerne mal freiwillig verbrennen, und die sogenannten Tellyvangelists einen nicht unerheblichen Einfluss ausüben. Die bereits angesprochene plumpe Symbolik könnte da zumindest zum Teil ihre Wurzeln haben - sie nimmt die Bilder der Bibel nur allzu wörtlich, beweist keinerlei Abstraktionsfähigkeit. Das mag ein Versäumnis des Regisseurs und/oder Drehbuchautors sein, vielleicht ist es aber auch gerade Absicht. Denn man kommt nicht umhin festzustellen, dass der Film eine recht primitve Heilsbotschaft verkündet: Den Guten, und unter jenen ganz besonders den gläubigen Christen, haben wir die Rettung der Menscheit zu verdanken. Das hört man wahrlich nicht zum ersten Mal, auch nicht in einem Hollywood-Film, aber hier ist es ziemlich unissverständlich auf den Punkt gebracht.
Interessant ist auch die Verbindung der medialen Figur des Eric Stark im Zusammenhang mit der Sekte. Desweiteren fällt auf, dass Starks Organisation, genannt "The New Dawn", in ihrer Darstellung (Firmenzentrale, Aufmachung der Prospekte, Promoting durch Jugendliche) fatal an die Scientology erinnert. Natürlich kommt die nicht besonders gut weg, sie wird mit allen Mitteln, offensichtlichen und weniger offensichtlichen, als negativ dargestellt, ihr charsimatischer Anführer, der sich öffentlich als Wohltäter der Kinder feiern lässt, ist gar ein Diener Satans. In Zeiten, in denen Scientology auch in Hollywood zumindest fest einen Fuss in der Tür hat, erstaunt diese offene Anti-Propaganda doch.
Auffällig ist auch das Fussvolk der Sekte: So ganz eindeutig lässt sich das nicht charakterisieren, auf jeden Fall ist es natürlich die verdorbene Jugend, die sich im Wesentlichen durch Drogenkonsum, Piercing und wilde Frisur auszeichnet. Ob es sich hier von der Phänomenologie her eher um Punks oder Skins handeln soll, ist nebensächlich, man nehme "the worst of both worlds". Augenblicklich fällt einem da dann wieder die Kirche ein - wer unter ihrem Einfluss steht, den umgibt dagegen das strahlende Licht Gottes. Da nimmt es niemanden Wunder, dass die kleine Cody optisch nicht unerheblich in Richtung Engel getrimmt wurde.

Soweit, so gut - hinter dem Film verbirgt sich mehr, als ursprünglich angenommen. Gerade die bei etwas eingehenderem Blick offene Symbolik ist die Stärke des Films, schliesslich soll sie von jedem verstanden werden. Jeder Film stellt Manipulation dar, hier handelt es sich aber um eine -die moralische Beurteilung klammere ich mal aus- entgegen des ersten Eindrucks recht geschickte. Übrigens: Dass die grossen Hollywood-Studios recht deutlich dem konservativen Lager zuneigen, ist bekannt, das lässt sich nicht nur am filmischen Schaffen sondern auch an den Parteispenden sehen. Insofern könnten kritische (der weniger kritische Leser mag sagen: paranoide) Leser auf die Idee kommen, dass es kein Zufall ist, dass im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen (trotzdem der Film in den USA bereits vor einiger Zeit lief) ein Film in die Kinos kommt, der massiv die konservativen Werte der christlichen Kirche propagiert.

Mystizistischer Quatsch mit erstaunlicher politischer Botschaft


Wolfgang Huang
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Die Wunder Jesu müssen mal wieder als Mystikstoff herhalten und so inszeniert Chuck Russell einen vor plumper Symbolik nur so strotzenden Horrorfilm ohne Horror. Handwerklich lieb- und detaillos in Szene gesetzt mangelt es dem ganzen Film außerdem an Ideen und packenden Momenten. Nur toleranten Genre-Fans zu empfehlen....