Sumo Bruno

Deutschland, 99min
R:Lenard Fritz Krawinkel
B:Jan Berger, Marius Del Mestre, Lenard Fritz Krawinkel
D:Hakan Orbeyi,
Oliver Korritke,
Julia Richter,
Martin Seifert
L:IMDb
„Wer Sumo lebt, ist unbesiegbar - auch wenn er verliert!”
Inhalt
Bruno (Hakan Orbeyi), 200 Kilo schwer, leidet unter seinem Übergewicht. Nur selten kann ihn sein Freund Kalle (Oliver Korritke) zu mehr als einem Videoabend bewegen. Doch als Bruno sich in die schlanke Anna (Julia Richter) verliebt, wächst sein Selbstvertrauen, und er kann sich mehr und mehr mit der Idee seines Freundes Kalle anfreunden, an der just in seinem Heimatort Riesa stattfindenden Sumo-WM teilzunehmen. Dazu ist natürlich ein erfahrener Trainer nötig - diesen Part übernimmt der Möchtegern-Japaner Akashi (Martin Seifert). Doch damit sind noch lange nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, denn auf dem Weg zum Titel kommen Bruno und Kalle noch der eifersüchtige Freund Annas, ein fieser Sumo-Gegner und diverse Kredithaie in den Weg. Und dann war da noch die Sache mit Brunos Selbstvertrauen....
Kurzkommentar
Bekannte Botschaft in ungewohnter Verpackung, das ist so in etwas das Fazit von "Sumo Bruno". Die Forderung nach Respekt und Achtung aller Menschen wird zwar etwas penetrant umgesetzt, verliert dadurch aber nicht an Richtigkeit und Wichtigkeit. Schade aber, dass das ungewohnte Setting nicht mit mehr Liebe zum Detail umgesetzt wurde - denn die schauspielerische Leistung kann durchaus überzeugen.
Kritik
Mut beweist Lenard Fritz Krawinkel: Nicht nur wählte er ein wenig stromlinienförmiges Thema, nein, als Hauptdarsteller nahm er auch gleich noch einen blutigen Anfänger: Mit der Schauspielei hatte Hakan Orbeyi bisher nichts am Hut. Und noch eine Premiere bietet "Sumo Bruno": Zum ersten Mal spielt in einem deutschen Film ein Türke die Hauptrolle - als Deutscher. Gleich vorneweg: Hakan Orbeyi spielt seinen Part überzeugend. Manchmal hätte vielleicht etwas mehr Pathos drin sein können, andererseits ist gerade das nun kein hervorstechender Charakterzug von Bruno. Geradezu als Adjutant agiert Oliver Korritke, der sich im deutschen Film ja durchaus bereits einen Namen gemacht hat - auch er gewohnt souverän.
Ungewohnt dagegen das Ambiente, die Grundidee. Kein Krimi, keine (reine) Liebesgeschichte, keine Komödie, keine Literaturverfilmung, kein Historienschinken, kein Betroffenheitsdrama - was dann? Nun, "Sumo Bruno" ist ein nicht ganz klischeefreier, etwas zu bemühter Film über den Gewinn von Selbstachtung. Nicht nur ist die Ausgangslage in hohem Maße konstruiert, auch die Botschaft prangt in dicksten Lettern von jeder Stirn, trieft aus jeder Szene: Auch dicke Menschen sind achtenswerte Menschen, auch sie kann man lieben, sie verdienen Respekt wie jeder andere auch. Das ist freilich eine wohlwollende Botschaft, die tolerante Menschen sofort unterschreiben - auch wenn sie mit einer gewissen Penetranz vorgeracht wird. Die Geschichte der Selbstfindung, der Rückgewinnung der Selbstachtung und des Selbstvertrauens baut auf routinierte Mechanismen - natürlich nimmt der Titelheld erfolgreich an der Sumo-WM teil, geht als moralischer Sieger daraus hervor, erobert nebenbei eine (schlanke!) Frau, und erweist sich als liebender Ersatzvater. Nichts ist dagegen zu sagen, ganz im Gegenteil, und doch wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Der Rest der Geschichte besteht aus kleineren Anekdoten, die die Story unterfüttern, nicht mehr. Das Sumo- Ambiente wird nicht sonderlich überzeugend umgesetzt - das liegt auch daran, dass der Film diese Szenen absichtlich in einer Mischung aus Peinlichkeit und Ernsthaftigkeit darstellt. Sumo- und Japan-Fans dürften also eher enttäuscht werden, über die wenig stil- und respektvolle Darstellung.

Die Macht, jene Leute, die die Grundsätze der Toleranz nicht so verinnerlicht haben wie die Macher dieses Films, von ihrer Wichtigkeit zu überzeugen dürfte "Sumo Bruno" kaum haben - denn sie werden sich den Film kaum ansehen, und wenn sie es doch tun, so werden sie ihn eher belustigend finden - also genau das Gegenteil der erwünschten Reaktion. Ein Grossteil der Zuschauer dürfte also wenig neues erfahren, aber es ist ja auch schön, wenn man sich bestätigt fühlen kann... Wer also keine Angst vorm dicken Mann hat, und ein nicht allzu neues Thema in ungewohnter Kulisse sehen möchte, solide umgesetzt, der liegt bei "Sumo Bruno" genau richtig.

Solide, wenn auch wenig überraschende Geschichte über Respekt und Selbstachtung in ungewohntem Ambiente


Wolfgang Huang