Monte Cristo
(Count of Monte Cristo, The)

USA, 131min
R:Kevin Reynolds
B:Alexandre Dumas,Jay Wolpert
D:James Caviezel,
Guy Pearce,
James Frain,
Dagmara Dominczyk
L:IMDb
„Und was willst du dir für dieses Geld kaufen? - Rache.”
Inhalt
Edmond Dantès (Jim Caviezel) sitzt seit Jahren unschuldig auf einer Gefängnisinsel. Nur die Liebe und Sehnsucht zu seiner Geliebten Mercédès (Dagmara Dominczyk) lässt ihn die unglaublichen Qualen und Demütigungen überstehen. Eines Tages ermöglicht ihm ein waghalsiger Plan die Flucht auf die Insel Monte Cristo, wo er einen verborgenen Schatz bergen kann. Mit neuer Identität kehrt er in seine Heimat zurück und muss feststellen, dass Mercédès jetzt die Frau seines Verräters (Guy Pearce) ist. Getrieben von der Rache an den Männern, die ihn seinerzeit verdammt haben, ist Edmond bereit, in der Stunde der Vergeltung alles zu opfern - auch sein Leben.
Kurzkommentar
Die inzwischen 18. Neuverfilmung des Dumas-Stoffes ist keine wirkliche Bereicherung. Zwar gefällig und nicht schlecht, aber ohne den rechten Biss und auch ohne einen triftigen Grund, weshalb man sich diese Version unbedingt anschauen sollte. Wirklich dagegen spricht allerdings auch nichts.
Kritik
Es ist schon eine seltsame Idee, einen der wohl am häufigsten umgesetzten Stoffe der Literatur- bzw. Filmgeschichte just einem Regisseur anzuvertrauen, der bestenfalls für besseren Durchschnitt bekannt ist - aus cineatischer Perspektive kann das kaum ein Erfolg werden (sicherlich aber aus ökonmischer, und das dürfte einmal mehr die Intention gewesen sein). Nun gut, wir wollen uns nicht beschweren, nehmen aber ohne größeres Erstaunen zur Kenntnis, dass Kevin Reynolds wirklich nichts über die Maßen Bemerkenswertes abgeliefert hat. Allerdings schlägt das Qualitätspendel auch nicht in die andere Richtung aus.

Solide und etwas zu brav inszeniert, diesen Vorwurf kann man am ehesten anbringen, wahrlich nicht notwendig. Und vielleicht: Die Schauspieler in den "guten" Rollen können nicht so recht überzeugen, im Gegensatz zu den Fieslingen. Guy Pearce als Verräter, James Frain als korrupter Staatsanwalt und Michael Wincott (der übrigens auch schon in einem anderen Dumas-Klassiker, "Die drei Musketiere", spielte) als sadistischer Gefängnisdirektor geben dem Film wenigstens ein bisschen Biß. James Caviezel dagegen, der am ehesten noch durch seine Rolle in "The Thin Red Line" bekannt sein dürfte, kann nicht recht überzeugen. Zu fade und leidenschaftslos spielt er den Verratenen, zu wenig glaubwürdig sein tiefer Hass und seine große Liebe, seine Zerissenheit. Die tückische Ambivalenz, in der Dumas den Charakter anlegte, vermag er nicht zu vermitteln. Denn apropos "gut": Das spannendste Moment ist ja gerade, dass die Hauptfigur sehr kritisch zu sehen ist, nimmt sie doch mit den selben Mitteln Rache, mit denen sie selbst ins Unglück gestürzt wurde. Die diesbezügliche schauspielerische Umsetzung fehlt jedoch, und somit auch jede adäquate Behandlung dieses Themenkomplexes. Nicht ganz ungelegen dürfte den amerikanischen Produzenten so jener prominente Ausspruch, "Vor Gott wird mir Gerechtigkeit widerfahren", gewesen sein, verbietet doch die auffällige Paralellität zu "In God we trust" eigentlich schon jede mögliche Demontage (und macht sie, zumindest vor amerikanischem Publikum, auch unnötig. Genau deshalb jedoch fehlt es dem Film letzlich an Biss - er kann nicht unter Beweis stellen, wozu er gedreht werden musste (von den ökonomischen Kriterien mal abgesehen).

Dabei ist die inszenatorische Leistung Reynolds zwar nicht revolutionär (muss sie ja auch nicht sein, zumal bei einem historischen Stoff nicht), aber dennoch wohlgefällig. Die Ausstattung ist historisch, oder zumindest historisierend, die Kameraführung passt sich der Opulenz der Bilder an, und auch die musikalische Untermalung kann gefallen. Doch wiederum mangelt es wahren Kontrasten, Dissonanzen, Divergenzen, die dem Film etwas geben könnten, was ihn länger im Gedächtnis bleiben lässt. Das erklärte Ziel der Produzenten, die Hauptrollen mit jungen, frischen Darstellern zu besetzen ist zwar erreicht, doch das ist kein Wert an sich.

"Monte Cristo" ist taugliche, leicht verdauliche Abenunterhaltung, aber nicht fordernd, weder im positiven noch im negativen Sinne.

Etwas zu flache Wiederverfilmung des Dumas-Klassikers


Wolfgang Huang