Monster AG, Die
(Monsters Inc.)

USA, 92min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Peter Docter, David Silverman
B:Jill Culton, Ralph Egglestone, Peter Docter
D:Reinhard Brock,
Ilja Richter,
Kim und Maya McMahon,
Martin Semmelrogge
L:IMDb
„Ich wollte immer schon ein Haustier haben, das mich töten kann!”
Inhalt
Erschrecken ist Monster-Sache. Absolute Fachleute auf diesem Gebiet und auf Platz 1 der Monsterschreck-Rangliste sind das haarige Monster Sulley (Sprecher: Reinhard Brock) und dessen grüner glupschäugiger Kumpel Mike (Ilja Richter). Sie beherrschen die Wandschrank-Tür-Methode aus dem ff. In ständiger Konkurrenz mit dem bösen Randall Boggs (Martin Semmelrogge) und anderen Kollegen der Monster AG machen Sie tagtäglich ihren Job, der da heißt: Tür auf, rein ins Kinderzimmer und huuuaaaahhh! Dort verursachte Kinder-Schreie werden zu Strom veredelt, der den Energiebedarf von ganz Monstropolis abdeckt. Doch nicht nur Kinder haben Angst vor Monstern. Wer hätte gedacht, dass Monster nichts auf der Welt mehr fürchten als Menschenkinder? Dementsprechend entsetzt sind Sulley und Mike, als sie versehentlich das kleine Mädchen Buh mit in die Monster-Welt bringen.
Kurzkommentar
Als großer Fan von "Toy Story 2" muß man eingestehen, dass auch die "Monster AG" nicht ganz das hochgesteckte Niveau erreicht. Vor allem an Filmanspielungen hat man kräftig gespart. Das macht aber alles überhaupt nichts, denn im Ganzen betrachtet ist das Genre des Animationsfilms mit der "Monster AG" genauso spaßig und gar noch knuddeliger als je zuvor. In diesem Sinne: "Leg' das Ding sofort zurück, sonst kracht es!".
Kritik
Mit beeindruckender Regelmäßigkeit bringen nicht nur die Künstler der Pixar Animation Studios seit "Toy Story" anno '95 immer wieder hochqualitative, geistreiche Animationsabenteuer auf den Markt, auch die Konkurrenz scheint beflügelt: PDI/Dreamworks kreierten "AntZ" und den zuletzt äußerst erfolgreichen "Shrek"; Aardman Animation ("Wallace & Gromit") wagten mit "Chicken Run" ihren ersten, ebenfalls sehr erfolgreichen Kinolangfilm. Aus der Originalitäts- und Qualitätsperspektive grenzt das Genre somit an ein kleines Wunder. Ob das Niveau mit zunehmender Beliebtheit des Genres erhalten bleiben kann, ist aber fraglich. Pixar jedenfalls scheint der Erfolg noch nicht zu Kopf gestiegen zu sein, beweisen sie doch mit ihrem neuesten Film "Monsters, Inc." das sie weiterhin äußerst phantasievoll zu Werke gehen.

Dass Pixar-Visionär John Lasseter bei "Monsters, Inc." nicht mehr (wie bei den bisherigen Filmen) als Regisseur tätig war, sondern nur noch als ausführender Produzent, wirkt sich zum Glück nicht so negativ aus wie zu befürchten war. Zwar kann sein letztes Abenteuer "Toy Story 2" im Genre immer noch als Referenz gelten, genug Witz und Inspiration bieten die Monster aber auf jeden Fall. Die Hauptcharaktere Sully und Mike sind schön-schrullig und gleichzeitig liebenswürdig, wenn auch nicht wirklich "neu", Bösewicht Randall richtig fies ohne zu klischeehaft zu wirken und die kleine Boo einfach zuckersüß. Überhaupt ist der Knuddelfaktor durch den flauschigen Sully und die niedliche Boo höher als bei allen vorherigen Animationsabenteuern. Das macht aber überhaupt nichts, denn den Regisseuren Docter, Silverman und Unkrich gelingt es vorzüglich, auch die emotionalen Szenen ohne Pathos rüberzubringen. Wenn dann noch die pädagogisch absolut simple, aber wichtige Aussage (mit kleiner, aber feiner Kapitalismuskritik) stimmt, gibt es inhaltlich wenig zu bemängeln.

Insgesamt hapert es bei der "Monster AG" vielleicht nur an zwei Dingen: erstens ist die Gagdichte nicht so hoch wie z.B. bei "Toy Story 2" und vielleicht auch "Shrek" und zweitens verbringt die Story zuviel Zeit im Firmengebäude der Monster AG. Das wirkt etwas eintönig auf Dauer, während "Toy Story 2" und "Shrek" hier durch ihre Rettungsmissionen eine erfrischende Brise Abenteuer in den Plot brachten. Glücklicherweise hat Pixar dieses Problem auch erkannt und spendiert dem Zuschauer am Ende eine rasante Verfolgungsjagd in den riesigen Lagerhallen der AG. Es macht schon verdammt viel Spaß, da einfach nur zuzusehen.

Warum die "Monster AG" aber letztendlich doch besser abschneidet als "Shrek"? Der wichtigste qualitative Unterschied zwischen Pixar und PDI/Dreamworks scheint mir vor allem der Ideenreichtum und die Phantasie zu sein: bestehende Märchen nehmen, sie umkrempeln und auf die Schippe nehmen, kann jeder, ein neues "Universum" wie das der Monster erschaffen und es mit soviel Herz zu füllen, verlangt schon nach mehr Einfallsreichtum und vor allem Selbstbewusstsein. Und das hat die Mannschaft von John Lasseter nach ihren gigantisch-erfolgreichen letzten sechs Jahren zurecht und zu Genüge sammeln können.

Gewohnt phantasievoller, flotter Spaß aus dem Hause Pixar


Thomas Schlömer