Vampires

USA, 107min
R:John Carpenter
B:John Steakley,Don Jakoby
D:James Woods,
Daniel Baldwin,
Sheryl Crow,
Thomas Ian Griffith
L:IMDb
„Die, u ugly motherfucker, die!”
Inhalt
Jack Crow (James Woods), dessen Eltern von Vampiren getötet wurden, ist kirchlich approbierter und gesegneter Vampirjäger, der mit seinem bis an die Zähne bewaffneten Team von "Neokreuzrittern" die Nester der lästigen Beißer gehörig ausräuchert. Da auch Vampire mittlerweile aus sozialer Anarchie herausgetreten sind und ein "Meister" eine jede Gruppe leitet, ist es Crow und seinem Team besonders daran gelegen, eben jenen zu vernichten, der die anderen an Stärke noch weit übertrifft und andere Nester erst wieder begründen kann. Dieser wird nun einmal nach der Pfählorgie nicht aufgefunden, überrascht rachelüsternd das Team bei nächtlicher Feier und richtet ein unsägliches Blutbad an, das nur Crow, Teammitglied Montoya (Daniel Baldwin) und die Prostituierte Katrina (Sheryl Lee) überleben. Diese wurde jedoch leider angeknabbert und schwebt fortan in zitternder Schizophrenie zwischen menschlicher und vampirischer Identität. Da sie durch eine Art metamedialen Kanal mit dem "Meister" verbunden ist, will Crow sie taktisch benutzen. Er wird später noch feuerkräftig durch Pater Adam Guiteau (Tim Guinee) unterstüzt. Es stellt sich jedoch dummerweise heraus, daß "Meister" Valek (Thomas Ian Griffith) verdammt gefährlicher ist als alle anderen. Ehemals ein Priester, wurde er im 14. Jahrhundert zum Ketzer verurteilt und einem verbotenten Exorzismusritual unterzogen.Etwas im Ritualsprozeß ging schief und er wurde zum ersten Vampir der Geschichte, gemacht von der katholischen Kirche. Nun ist er zurück und möchte mithilfe eines damals verwandten "schwarzen Kreuzes" seine Scheu vor Sonnenlicht verlieren und göttergleichen Status gewinnen.
Kritik
Normalerweise würde ich mich Flemmings Kritik relativ vorbehaltlos anschliessen, sie drückt recht gut aus, was man zu diesem Film sagen muss: inhaltlich schwach, thematisch ausgelutscht, blutig, ausdrucksstarke Darsteller. Eigentlich könnte ich es dabei belassen und diesen Kommentar beschliessen.
Aber irgendwie, ganz gegen meine sonstigen filmischen Vorlieben, finde ich Gefallen an 'Vampires'. Es ist das trocken-zynische, das vulgär-männliche, das gewaltätig-einfache, was mich fasziniert. Besonders James Woods gefällt, karg, trocken, männlich. Auf manchen mag Baldwin tranig wirken, und irgendwie ist er das natürlich auch, aber ich finde, er ist ein guter Gegenpol zu Woods. Und sein Spruch 'Ja, ich habe sie geschlagen. Ist doch egal, warum.' geht in meine persönliche Hitliste cooler Sprüche ein.
Zu behaupten, die Anspielungen auf männliche Potenz seien unverblümt, ist noch untertrieben. Zu Beginn fand ich sie noch unnötig und unpassend, aber irgendwie kann man Gefallen daran entwickeln, Carpenter zelebriert hier eine phallische Selbstdarstellung männlicher Dominanz und Potenz, und in den entsprechenden Momenten, wenn man gerade vergessen hat, was Emanzipation bedeuten könnte, tut das richtig gut - auf eine primitiv-animalische Weise.
'Vampires' ist gewalttätig, nichts für schwache Nerven, von dezentem Abblenden der Kamera hält Carpenter nichts. Und doch, durch die Direktheit und Häufung der Brutalität, gemischt mit dem mystischen Thema, fällt das gar nicht so unangenehm auf.
Genaugenommen ist 'Vampires' auch nur ein Abklatsch früherer Hits wie die 'Klapperschlange', was besonders an der Musik deutlich wird, viele Passagen hat Carpenter einfach von sich selbst geklaut. Ärgerlich ist auch das Ende, besonders das von Valek, aber was solls.
Mein Tip: 'Vampires' ist genau der richtige Film für den Abend nach einem frustigen Tag. Am besten die Freundin zu Hause lassen, gemütlich zurücklehnen, und geniessen. Primitiv, aber gut.

Primitiv, aber gut


Wolfgang Huang