Monsoon Wedding - Hochzeit mit Hindernissen
(Monsoon Wedding)

Indien, 114min
R:Mira Nair
B:Sabrina Dhawan
D:Naseeruddin Shah,
Vasundhara Das,
Shefali Shetty,
Vijay Raaz
L:IMDb
„Was bedeutet dieses Wort: Matriarchat? - Das ist ein Druckfehler, da gehört ein P hin.”
Inhalt
Mitten im Monsun wird in aller Eile (und aus Geldgründen) eine Hochzeit arrangiert - die Tochter des Hauses soll einen jungen Mann aus Amerika heiraten. Aus aller Welt kommt die Familie und deren Freunde zusammen, um dieses Fest zu feiern. Doch nicht nur die Braut hat so ihre Geheimnisse, auch unter den restlichen Gästen gibt es reichlich Stoff für familiäre Dramen. Und als schließlich die Hochzeit ansteht, beginnt es auch noch in Strömen zu regnen.
Kurzkommentar
Als knallbunte Gesellschaftskomödie beginnt "Monsoon Wedding", bis sich schließlich erste ernsthafte Brüche zeigen. Doch das zerstört die Stimmung, und statt dies als absichtliche Wirkung zu nutzen und den Film konsequent weiterzuführen, misslingt der Versuch, alle diese emotionalen Kluften bis zum Ende zu kitten, so dass ein seltsamer Nachgeschmack bleibt. Dennoch sowohl lustig und farbenprächtig als kritisch und bedenkenswert.
Kritik
Vielleicht ist es nur die Gewöhnung, doch der neue Film von Mira Nair, ausgezeichnet auf dem Filmfest in Venedig, enttäuscht, indem er sich der gewohnten Erwartung entzieht.

Zunächst sehr komödiantisch-heiter angelegt dräuen bald die ersten Probleme auf: Die Braut liebt den Bräutigam nicht, der Vater inszeniert die Hochzeit nur, um an Geld zu kommen, der Sohn der Familie ist möglicherweise schwul, und noch mehr. Nach gewohntem Raster bleiben entweder alle diese Probleme harmlos, und werden zum Ende hin entsprechend banal aufgelöst. Oder aber sie erweisen sich als gravierend, und sofern kein tränenreiches Versöhnungsende vorgesehen ist, kommt es zum finalen Eklat. Doch Nair wählt einen anderen Weg: Sie zeigt die Probleme als durchaus ernsthaft, insbesondere jenes, das Ria betrifft, bietet aber keine befriedigende Auflösung. Am Ende wird alles irgendwie hingenommen und verschwiegen, manche begonnenen Handlungsfäden werden gar nicht wieder aufgenommen. Nun ist ein Film sicherlich nicht nur dann gut, wenn er in gewohnten Bahnen verläuft, eher im Gegenteil, doch wer die Erwartung des Zuschauers stimuliert, muss sie auch befriedigen.

Wenn sich Braut und Bräutigam nicht lieben, weil die Hochzeit arrangiert ist, so muss das Konsequenzen haben: Sie heiraten nicht, weil sie auf ihre Gefühle hören, sie heiraten doch, aus sozialem, finanziellem oder familiärem Zwang, doch die Lösung die Nair präsentiert, kann gar nicht überzeugen. Dass sie sich nicht lieben, aber heiraten, um es mal zu versuchen und damit dann glücklich sind, ist einfach inkonsequent. Für einige der anderen Stränge gilt Ähnliches.

Verwirrend in diesem Zusammenhang der Abspann: Während der eigentlich Film gewissermaßen in freudiger Harmonie endet, so werden hier Momentaufnahmen gezeigt, die die Schauspieler eher resigniert zeigen, so zumindest mein Empfinden. Versteht man den Nachspann so bereits also schon als Kommentar zum Film, so ergeben sich neue Deutungsmöglichkeiten. Nicht zu erkennen ist aber, in wieweit diese Szenen inszeniert sind, evtl. zeigen sie auch nur müde Schauspieler nach dem Dreh? In jedem Fall wäre mehr Konsequenz äusserst hilfreich gewesen.

Vielleicht aber ist es ein Perspektivenproblem des westlichen Kinogängers: Bollywood, wie Indiens Filmindustrie scherzhaft genannt wird, ist berühmt-berüchtig für seine ewig gleichen, schematischen Liebes-Soaps, deren sozialkritischer Charakter oftmals weit unter Null liegt, was der indischen Realität natürlich entgegenläuft. Insofern kann man die zarten Andeutungen von Problemen auch anders sehen, als Versuch nämlich, den Zuschauer in nicht allzu konfrontativer Weise für das Thema zu sensibilisieren, siehe Eingangszitat.

Letzlich lässt einen der Film etwas ratlos zurück, und die oftmals sehr gekonnt und mitreissend inszenierte gute Stimmung, auch getragen von der sehr anregenden Musik, wird so nicht unerheblich beeinträchtigt, wenn auch unklar bleibt, zu welchem Zweck eigentlich.

Farbig-opulente Gesellschaftskomödie mit merkwürdig kritischem Beigeschmack


Wolfgang Huang