Südsee, eigene Insel

Deutschland, 100min
R:Thomas Bahmann
B:Thomas Bahmann, Hans Turner
D:Herbert Knaup,
Andrea Sawatzki,
Alexandra Lara,
Ben Becker
L:IMDb
„Scheiss Urlaub!”
Inhalt
Wenige Tage vor dem geplanten Südseeurlaub mit Frau und Tochter wird der erfolgreiche Manager Albert Bursche (Herbert Knaup) vor vollendete Tatsachen gestellt: er ist pleite, weil sich ein dubioser Anlageberater als Anlagebetrüger entpuppte. Die Südseeträume platzen also. Da die Beziehung zu seiner Frau Sabine (Andrea Sawatzki) schon genug strapaziert ist, zögert er mit der Übermittlung der Hiobsbotschaft bis zum Flughafen. Die gesamte spießbürgerliche Nachbarschaft war jedoch ebenso über die Urlaubspläne informiert, so daß sich die Geheimhaltung der Nichtabreise als wichtigstes Problem auftut. Denn würde Managerkollege und Nachbar Dr. Helmut Kunert (Ben Becker) Wind von Alberts Bankrott bekommen, wäre dessen berufliche Existenz zum Scheitern verurteilt. So kommt Albert auf die wahnwitzige Idee, sich für zwei Wochen - die Dauer des verlorenen Südseetrips - im Keller seines eigenen Hauses zu verstecken.
Kurzkommentar
Wenige Tage vor dem geplanten Südseeurlaub mit Frau und Tochter wird der erfolgreiche Manager Albert Bursche (Herbert Knaup) vor vollendete Tatsachen gestellt: er ist pleite, weil sich ein dubioser Anlageberater als Anlagebetrüger entpuppte. Die Südseeträume platzen also. Da die Beziehung zu seiner Frau Sabine (Andrea Sawatzki) schon genug strapaziert ist, zögert er mit der Übermittlung der Hiobsbotschaft bis zum Flughafen. Die gesamte spießbürgerliche Nachbarschaft war jedoch ebenso über die Urlaubspläne informiert, so daß sich die Geheimhaltung der Nichtabreise als wichtigstes Problem auftut. Denn würde Managerkollege und Nachbar Dr. Helmut Kunert (Ben Becker) Wind von Alberts Bankrott bekommen, wäre dessen berufliche Existenz zum Scheitern verurteilt. So kommt Albert auf die wahnwitzige Idee, sich für zwei Wochen - die Dauer des verlorenen Südseetrips - im Keller seines eigenen Hauses zu verstecken.
Kritik
Das Filmteam hätte vor Drehbeginn lieber einige Zeit mehr für die Überlegung nutzen sollen, welche Tendenz zu verfolgen sei - ob nun Kömodie, Sozialdrama oder Vorstadtsmilieustudie. Denn das Ergebnis ist in jeder Hinsicht halbgar. Zwar beweist man soviel Schneid, sich von den erbärmlich breitgelatschten Pfaden der berüchtigten 'Beziehungskomödie' zu distanzieren, aber die Realisierung macht zaghaft Innovatives zunichte. Dabei ist das dem Streifen zugrunde liegende Hauptmotiv, die Flucht vor voyeuristisch-demontierendem Spießbürgertum in den hauseigenen Keller, eine gekonnt groteske Kritik an der kleinbürgerlichen Seele. Doch die beabsichtigte Abrechnung mit allen Philistern verläuft sich bald in den Gefilden des Kellers, in die die eigentlich guten Schauspieler nur wenig Licht bringen können.

Läßt sich der Zuschauer noch gerne auf die Irrationalität des Geschehens ein, so ist schluß, wenn die kellermäßige Düsternis durch lahmes Geschehen die Langeweile zum Prinzip macht. Es hätte doch wahrhaftig eine scharfzüngige Farce werden können, wenn der Vater Frau und Tochter zum Unglaublichen bittet. Durch die Enge und Beschränkung des Schauplatzes auf den Heizungskeller als Ersatz für die angemietete Südseeinsel hätte Regisseur Thomas Bahmann (der auch das Drehbuch verbockte) stilgerecht gestresste Dialoge, Konfliktsituationen oder treffenden Slapstick umsetzen können. Aber nein, die Kellerexkursion kann nur selten unterhalten und dümpelt die meiste Zeit als phlegmatische Oase der Trostlosigkeit vor sich hin.

Bald wirft sich die Frage auf, was hier eigentlich geschieht. Kurz gesagt: nicht viel mehr als ein ordinärer Wasserrohrbruch, der den Schauplatz zum Badeparadies umfunktioniert, wobei die dünne Handlung endgültig als Wasserleiche endet. Mutter, Vater, Tochter Sandra (Alexandra Maria Lara) und Einbrecher Fred (Nils Nelleßen), der mit der Tochter natürlich auf Tuchfühlung geht - alle nehmen ihre Kellerbestimmung mehr oder weniger widerstrebend auf, bleiben aber alle aktionslos und eklatant blaß. Da liegt man desillusioniert im Gewölbe, faselt irgendeinen Mumpitz oder geht im Bananenboot auf Entdeckungsreise. Die darstellerischen Fähigkeiten des sonst vortrefflichen Herbert Knaup saufen in der überflutenden Ödnis weitestgehend ab und auch Ben Becker als karrieregeiles Schwein spielt zwar solide, hat aber einen äußerst reduziert dämlichen Part. Um darüber hinaus noch mit deutschen Jungsstars für die von SAT 1 mitproduzierte Diffusität werben zu können, hat Franka 'Lola' Potente einen 'Gastauftritt', der ein wirklich schlechter Scherz ist. Dringt doch mal ein Lacher durch, ist man schon beinahe böse, aus gefrustetem Schlummer gerissen zu werden. Was hier also im Kinoformat daherkommt, ist ansonsten Feierabendroutine bei den Privaten. Wirklich schade, wie sich die originelle Ausgangssituation so konsequent zur Schlaftablette verwandelt. Wie der Traumurlaub in der Südsee letztenendes doch noch erreicht werden kann, ist zwar ideenreich, entschädigt für den eindösenden Kellerkram jedoch nicht.

Originelle Idee in stinklangweiliger Umsetzung - ab in den Keller damit


Flemming Schock