Stuart Little

USA, 83min
R:Rob Minkoff
B:E.B. White,M. Night Shyamalan, Greg Brooker
D:Geena Davis,
Hugh Laurie
L:IMDb
„Jetzt bist du dran, Klofell!”
Inhalt
Als die Mauseweise Stuart Little adoptiert wird, ist der größte Wunsch von endlich in Erfüllung gegangen: Er hat eine Familie und ein Zuhause gefunden. Allerdings hat er es anfangs nicht leicht, sich in die Familie von Mr. und Mrs. Little (Geena Davis & Hugh Laurie) und seinem neuen Bruder George (Jonathan Lipnicki) einzuleben. Aber die XXL-Welt der Littles ist nicht das einzige Problem für den cleveren Stuart. Sein neuer Bruder George hatte sich eigentlich keine Maus als neues Familienmitglied gewünscht, und die Hauskatze Snowbell begegnet Stuart mit einer merkwürdigen Abneigung, die den schlauen, gewitzten und wortgewandten Mäuserich doch etwas verwundert. So warten auf Stuart viele turbulente Abenteuer.
Kurzkommentar
Den Abenteuern des digitalen Dreikäsehhochs fehlt es an neuen Ideen und auch an Rasanz, um aus "Stuart Little" beste Unterhaltung zu machen, allerdings ist die Computeranimation hervorstechend. Heraus kommt ein tricktechnisch brilliantes, inhaltlich zu altbackenes Familienmärchen, das dennoch Aufmerksamkeit verdient hat.
Kritik
Regisseur Rob Minkoff brachte 1994 mit Disneys "Der König der Löwen" eine traditionell wertevermittelnde Tierparabel und landete einen der größten Kassenschlager der Filmgeschichte. "Stuart Little" ist die Verfilmung eines immer noch populären Kinderbuches aus den 50er Jahren. Der Film war zwar bei weitem nicht so erfolgreich wie Simba & Co., spielte an den amerikanischen Kinokassen dennoch in kürzester Zeit weit über 100 Millionen Dollar ein und gab schon Grund genug, ein zweites Abenteuer des nagenden Helden anzukündigen. Der Erfolg fußt auf drei Punkten: zum einen ist da die halbwegs unverbrauchte Idee, eine Maus in den Mittelpunkt eines märchenhaften Filmes zu stellen, dann die phantastische Computeranimation des Titelhelden und schließlich seine Interaktion mit den "realen Wesen", vor allem den Katzen.

Zu Punkt eins: Spätestens seit "Feivel, der Mauswanderer" wissen wir, dass Mäuse aufrecht gehen, viel zu intelligent für Mausefallen und eigentlich schon viel menschlicher als der Mensch sind. Ihr Maus- bzw. Menschsein eignet sich zudem herrlich als Spiegel eines traditionellen Kanons des familiären Sinns, der menschlichen und freundschaftlichen Werte. Die pädagogische Maus, die Tierdichtung verbreitet ein kitschiges, aber immer noch vermittlungswertes Verantwortungsgefühl. Doch ist über die Maus hinaus leider wenig Originelles zu vermerken. "Stuart Littles" Plotstruktur ist zu altbacken und zu sehr für die jüngsten Zuschauer entworfen, um mit der witzigen Inspiration eines "Toy Story 2" konkurrieren zu können. Übermäßig setzen die Produzenten auf Identitätskrisenkitsch, einfallslos sentimentalische Szenen und zu wenig auf Tom & Jerry-Spielereien, die sich aus Gründen der Kurzweil angeboten hätten - sei´s drum, bei den jüngeren Semestern wird´s hervorragend funktionieren. Der Identifikationsgrad mit der sympathisch-cleveren Maus ist enorm, was sich durch den zweiten Punkt bedingt:

Wirkliche Menschen mit computergenerierten Wesen zu kombinieren ist immer eine große Herausforderung. Dank John Dykstra, der für seine Special- Effects-Arbeit bereits einen Oscar einstrich, ist die Figuren-Kreation vorbildlich und in vorher nicht gekannter Qualität gelungen. Das denkbar Schwierigste, dem digitalen Stuart Leben einzuhauchen und ihn absolut glaubwürdig "menschlich" wirken zu lassen, gelingt so gut, dass Stuarts "Persönlichkeit" gleichwertig neben den zugegebenermaßen platt gezeichneten Menschen steht. Die Rolle von Geena Davis ist eigentlich keine. Der kleine Held wirkt sensibel und zum Liebhaben geschaffen. Die Gemütslagen werden animationstechnisch unvergleichlich in seiner menschlich wirkenden Mimik gespiegelt. Stuart ist vollkommen "realistisch" und sein Herz scheint groß. Die Krönung allerdings sind des Mäuserichs Erzfeinde, die Katzen. Das Filmteam setzte präzise trainierte Tiere in Kombination mit computerbearbeiteten Schnauzen ein. Nie zuvor wurde die Grundbedingung der Fabel, das sprechende Tier, so beeindruckend erfüllt. Stellt sich nur die Frage, wieso Katze mit Maus, Mensch mit Maus, aber die Katze nicht mit dem Mensch spricht?

Stuarts Erlebnisse sind en Gros atemberaubend animiniert, aber nicht erzählt. Zudem fehlt oft die Rasanz, die Konfrontation mit der Gigantenwelt der Menschen wird bald ermüdend. Trotzdem ist das herkömmliche Strickmuster des Leinwandmärchens auch seine Stärke. "Stuart Little" ist tricktechnisch brilliante Kinderunterhaltung mit einem liebenswerten Nager als menschlichen Helden.

Sympathische Leinwandfabel mit bemerkenswerter Animationstechnik


Flemming Schock