Gegen jede Regel
(Remember the Titans)

USA 2000, 113min
R:Yakin Boaz
B:Gregory Allen Howard
D:Denzel Washington,
Will Patton,
Wood Harris,
Ryan Hurst
L:IMDb
„Ich mag ja ein übler Schleifer sein, aber ich bin ein erfolgreicher übler Schleifer!”
Inhalt
Durch Quotenpolitik wird der Schwarze Herman Boone Coach eines High-Shool-Footballteams, den Titans. Allerdings musste dafür sein weisser Vorgänger den Stuhl räumen. Zusätzlich wird besagte Highschool auch noch mit einer anderen Highschool der Stadt, die bisher ausschliesslich von Farbigen besucht wurde, zusammengelegt. Zwar kann Boone den Vorgänger, Coach Yoast, als Co-Trainer gewinnen, aber die Situation ist schwierig: Statt gegen den Feind auf dem Spielfeld zu kämpfen, kämpfen die mit zahlreichen Vorurteilen behafteten Jugendlichen lieber gegen die eigenen Team-Kameraden. Und so beschliesst Coach Boone, die Truppe in einem extrem harten Ausbildungscamp zusammenzuschweissen, denn der grösste Gegner ist nicht der Football-Gegner, sondern der Rassenhass.
Kurzkommentar
So sehr sich alle Beteiligten bei "Gegen jede Regel" auch bemüht haben, Toleranz und Teamgeist dem Zuschauer zu vermitteln, letztendlich bleibt nicht mehr als eine gut gemeinte, aber zu oberflächliche Ausarbeitung dieser weiterhin sicherlich lohnenswerten und wichtigen Thematik.
Kritik
Es ist schon etwas seltsam: prinzipiell kann ich Wolfgans Kritik vorbehaltlos zustimmen, meine Wertung muß aber trotzdem zwei Stufen tiefer ausfallen. Yakin Boaz ertränkt den guten Willen nämlich zunehmend in amerikanischem Football-Pathos und (zer)stört die emotionalen Momente dank überzogener Inszenierung unnötigerweise.
Daß die Sportnation Nr. 1 nur competition im Kopf hat, war uns allen sicherlich klar, aber irgendwie reitet Boaz auf der uramerikanischen Einstellung "Wir sind ein Team; nur als Team können wir bestehen" übertrieben häufig herum. In der ersten Stunde, im Ausbildungscamp, ist das soweit noch erträglich - hier bietet der Film sicherlich nichts Neues, aber schlecht ist der Teil deswegen natürlich noch lange nicht. Die Methoden, mit denen Denzel Washingtons Charakter Boone aus der untereinander bevorurteilten Gruppe ein Team schmiedet, können aber hier schon als Indiz für die weitere Entwicklung des Films herhalten: herzallerliebst, aber leider zu oberflächlich.

Und so gestaltet sich die zweite Hälfte des Films (dann, wenn man, bereit für die ersten Gegner, aus dem Camp zurückkommt) zunehmend holprig und unausgegoren. Das Geschehen schwankt zwischen Anprangerung von Rassenhass und Heraushebung des Teamgedankens - beides lobenswerte Ziele, aber wirkliches Empfinden beim Zuschauer bleibt dabei auf der Strecke. [Spoiler] Zwischendurch wird dann noch urplötzlich der wichtigste Spieler in einen Unfall verwickelt und bleibt -wenig dienlicher Holzhammer-Effekt- natürlich gelähmt. Aber kein Problem, meint er, hauptsache das Team gewinnt. Nur damit ja nicht genug: damit der Zuschauer ob der Zukunft des sympathischen Sportlers auch nicht mit mulmigem Gefühl nach Hause gehen muß, erzählen wir noch schnell, daß er fortan als Rollstuhlfahrer sportlich Karriere gemacht hat. Und dann? Stirbt er doch, denn kurz nach seinen Siegen erliegt er einer unheilbaren Krankheit und ist Grund dafür, daß sich das komplette Team von damals nochmal wiedertrifft. Ganz so plump kommt das sicher nicht rüber, aber es verdeutlicht doch, wie ungeschickt Regisseur Yakin Boaz hier stellenweise zu Werke ging. [Spoilerende]

Daß die Kritik aber niemand falsch versteht: für einen netten Abend reicht "Gegen jede Regel" allemal und das von den Amerikaner so sehr geliebte Feel-Good-Erlebnis bleibt sicher nicht außen vor, aber unübersehbar ist, daß Produzent Jerry Bruckheimer (ja, genau der) und Regisseur Boaz höhere Ziele hatten und die wurden eben nicht erreicht. Das ist Schade, aber kein Weltuntergang, denn die gute Absicht kommt allemal zum Vorschein.

Pathos in Hülle und Fülle überschattet den wichtigen Kern


Thomas Schlömer