Auge, Das (2000)
(Eye of the Beholder)

USA, 110min
R:Stephan Elliott
B:Marc Behm,Stephan Elliott
D:Ewan McGregor,
Ashley Judd,
Patrick Bergin,
k.d. lang
„Beauty is in the Eye of the Beholder”
Inhalt
Bei einem seiner Aufträge wird der seit dem Tod seiner Tochter aus der Bahn geworfene Überwachungsspezialist The Eye (Ewan McGregor, zuletzt in "High Speed Money") Zeuge, wie eine junge Frau (Ashley Judd, zuletzt in "Doppelmord") die von ihm observierte Person ersticht. Fasziniert heftet The Eye sich an ihre Fersen und folgt ihr von einer Stadt zur nächsten, wo immer neue Opfer daran glauben müssen. Erst nach einer Flucht nach Alaska sehen sich die beiden erstmals in die Augen.
Kurzkommentar
"Das Auge" hat thematisch eigentlich das Zeug zu einem packenden Thriller, wird seinem Potential allerdings in keiner Sekunde gerecht. Stephan Elliott's Regieführung erweist sich als dermaßen ungeschickt, daß man beinahe Mitleid mit den an sich guten Schauspielern bekommt. Und wenn dann noch die Überwachungstechnik derart überzogen daherkommt, hat es wohl auch den letzten Genre-Freund vergrault.
Kritik
Hmm, Stephan Elliott, Regisseur, "nie von gehört" mag so mancher denken und das ist sicherlich nicht überraschend. Elliotts letzter Film "Welcome to Woop Woop" hat es aufgrund seiner miserablen Qualität nämlich nie in die deutschen Kinos geschafft. Dabei hatte man dem Australier nach seinem zweiten Streifen "Priscilla - Königin der Wüste" noch eine glorreiche Regiekarriere prophezeit. Für seinen aktuellen Film "Das Auge", eine Adaption des Romans von Marc Behm und gleichzeitig ein Remake des gleichnamigen Thrillers von 1983, konnte er immerhin so namhafte Schauspieler wie Ewan McGregor und Ashley Judd gewinnen.

Doch gebracht hat es wenig: "Das Auge" ist kaum einem Zuschauertypen zu empfehlen, selbst Genre-Freunde dürften kaum Gefallen an Elliott's wirrer Erzählstruktur finden. Dabei klingt die Grundidee recht attraktiv: ein Überwachungsspezialist verfällt einer Mörderin - hört sich gar nicht mal schlecht an, setzt man beim Regisseur ein gewisses Maß an Talent für das Thrillerambiente voraus. Nur leider fehlt eben dieses völlig. Elliott versucht krampfhaft, seinen Charakteren Tiefe zu verleihen, knisternde Spannnung zwischen den beiden Hauptakteuren aufzubauen und seinem Film diesen verführerischen Touch zu verleihen - letztendlich versagt er aber völlig. Da wäre zum einen der recht gute, aber schrecklich inszenierte Einfall, The Eye in den Gesprächen mit seiner imaginären Tochter zu charakterisieren. Die Dialoge zwischen beiden wirken fast noch belangloser und uninteressanter als die ach-so spannungsreichen Momente, in denen Joanna kurz davor steht, die Präsenz von The Eye zu bemerken.

Zum anderen fehlt es dem Film viel zu sehr an Feingefühl und Glaubwürdigkeit. Warum McGregors Charakter überhaupt so faszniniert von Joanna ist und sich letztendlich in sie verliebt, bleibt einem völlig schleierhaft. Gut, aber vielleicht kulminiert der Film wenigstens im unausweichlich-schicksalhaften Moment, wenn Joanna und The Eye sich endlich begegnen ? Nach den schleppenden ersten 70-80 Minuten fällt die Konfrontation zwischen beiden Protagonisten aber leider derart banal und unspektakulär aus, daß jegliche Hoffnung auf emotionale Spannung flöten geht. Das Potential dieser über die erste Filmstunde aufgebauten, einseitigen "Beziehung" wird nicht ansatzweise genutzt und kaum eine Verhaltensweise bleibt nachvollziehbar.
Hinzu kommt, daß Joanna's Wesenzüge psychologisch kaum hinterfragt werden, The Eye's Einsamkeit den Zuschauer nicht das Geringste juckt und es auch bei einem ansatzweise guten, dramaturgischen Einfall wie die Beziehung zum blinden Alex Leonard, Regisseur Elliott nicht gelingt, die nötige emotionale Bindung aufzubauen. Und daß das Ende schließlich zwischen Konsequenz und Unzufriedenheit schwankt, überrascht folglich auch wenig.

Gibt es also noch irgendetwas Positives zu berichten ? Nun, die Übergänge mit Hilfe der Schneekugeln wissen durchaus zu gefallen, ebenso wie die etwas zu peppige, aber passende Musik. Und schauspielerisch wird man durchaus mit soliden Leistungen entlohnt (allen voran Jason "Brandon Walsh" Priestley, den man kaum wiedererkennt), obwohl ich das amerikanische Lob an Ashley Judd nicht nachvollziehen kann. Sie findet sich sicherlich in ihrer Rolle zurecht, aber besonders bemerkenswert scheint mir ihr Charisma nicht. Außerdem ist es mal wieder eine Schande, Ewan McGregor nach "High Speed Money" bei einer weiteren schlechten Rollenwahl beobachten zu müssen.

Belanglose, konzeptlose, untalentierte Regiearbeit


Thomas Schlömer