Art of War, The

USA, 117min
R:Christian Duguay
B:Wayne Beach
D:Wesley Snipes,
Marie Matiko,
Anne Archer,
Michael Biehn
„Keine Fallschirme, keine Maschinengewehre diesmal? - Nur ein Spaziergang im Park. - He, das ist New York, da kann ein Spaziergang im Park tödlich sein.”
Inhalt
Neil Shaw (Wesley Snipes) ist Agent des Geheimdienstes der Vereinten Nationen - und muss odrt die Drecksarbeit lösen. Als kurz vor Unterzeichnung eines handelsabkommens mit China der chinesische Botschafter in den USA getötet wird, ruft das Shaw auf den Plan. Der Schlüssel zur Lösung ist die Dolmetscherin des Botschaftes, Julia (Marie Matiko), doch viel Zeit, um den Fall zu lösen, hat Shaw nicht. Sowohl FBI als auch die Triaden sind hinter ihm her. Und wer die eigentlichen Feinde sind, wird zunehmend unklarer...
Kurzkommentar
Nette Idee, gescheitert vor allem an handwerklichen Mängeln. Das Drehbuch ist zu wirr, die Inszenierung ebenfalls. Etwas mehr Geradlinigkeit und grössere Übersichtlichkeit hätten dem Film sehr geholfen. Auch Action-mässig hätte mehr drin sein müssen, denn die Sparanleihen an "Matrix" sind doch zu mickrig. Ansonsten aber ganz unterhaltsam.
Kritik
Ein Geheimdienst der UNO, dessen Agenten mit vergleichsweise dreckigen Mitteln die Interessen der Weltgemeinschaft durchsetzen, scheint zwar ein recht abwegiger Gedanke, aber für einen Action-Agenten-Film reicht es allemal. Und China ist ja momentan schwer in Mode, nicht erst seit dem vorletzten James-Bond-Abenteuer "Der Morgen stirbt nie". Auch die Grundidee reicht für einen Snipes-Film durchaus aus. Im Hintergrund: Um ein Wirtschaftsabkommen zu verhindern töten verschiedene Interessengruppen jeden, der ihnen dabei im Weg steht - was Shaw zu verhindern sucht. Im Vordergrund: Dabei wird Shaw leider von so ziemlich allen verfolgt, nicht nur von den Bösen, auch vom FBI. Also muss die Welt (oder zumindest das Handelsabkommen) eben im Alleingang, bzw. mit einer hübschen Frau an der Seite gerettet werden.
So weit, so nett - nur leider lieferte Wayne Beach, der auch schon für den Snipes-Film "Mord im Weissen Haus" die Vorlage schrieb, ein reichlich konfuses Drehbuch ab. Dass über die Hälfte des Filmes verschwommen bleibt, wer eigentlich was will, könnte man ja noch als spannungssteigernde Raffinesse verstehen. Das aber auch die Handlungen von Shaw reichlich wirr erscheinen und irgendwie nicht klar wird, warum er nun gerade tut, was er tut, auch im Nachhinein nicht, erweist sich schon als schwererer Fehler. Teilweise wird Snipes regelrecht an den Ort des Geschehens geschrieben. Wenn die nächste Szene aus optischen Gründen in der Küche eines China-Lokals stattfinden muss, dann geht eben Shaw in das entsprechende Etablissement - warum, ist weniger wichtig. Vielleicht würden sich einige Nebel beim zweiten Sehen des Filmes lichten (etwa die Sache mit den Telefonnummern - wer das verstanden hat, möge sich bei mir melden), aber eigentlich muss man den Film kein zweites Mal sehen.
Die Inszenierung des eher unbekannten Regisseurs Christian Duguay (Screamers) steht dem Drehbuch in nichts nach: In dem Versuch, ein hohes Tempo zu erzielen, gehen Fotographie und Schnitt sehr oft viel zu schnell über wichtige Details hinweg, oftmals bleibt unklar, was nun eigentlich mit dieser oder jener Sequenz bewirkt werden sollte. Da aber nicht jeder in dieser Geschichte stets das ist, was er zu sein vorgibt, wäre es hilfreich, dem Zuschauer hier mehr Orientierung zu bieten.
Warum nun heisst der Film nun "Art of War", obwohl kein wirklicher Krieg darin vorkommt (und weshalb traute man sich nicht, den Titel zu übersetzen?)?. Namensgebend ist hier einer der Klassiker der Militärliteratur, "Die Kunst des Krieges" von Sun-Tse, einem chinesischen General. Und auf eben jenes Buch beruft sich der Film, zumindest pro forma. In Wirklichkeit aber ist "Art of War" letzlich auch nur ein Flickwerk der üblichen Versatzstücke, geklaut aus allen anderen Action-Filmen, mit wenig Mut zu eigenen Ideen. Auch an Selbstironie lässt es der Film fehlen, so antwortet etwa Shaw auf den Vorwurf des Machoismus und vermeintlich heroischen Einzelgängertums nur mit einem mürrischen Gesprächsabbruch - hier wäre viel mehr drin gewesen, wäre das Skript sauberer ausgearbeitet. Apropos sauber ausgearbeitet: An den üblichen logischen Fehlern mangelt es natürlich ebenfalls nicht, müßig, diese alle aufzuzählen.
Da können dann auch Snipes und die recht ansehnliche Marie Matiko nichts mehr retten - Snipes agiert auswechselbar, Matiko allzu unterkühlt. Allein Maury Chaykin als etwas schusseliger FBI-Ermittler hat die Sympathien auf seiner Seite. Was aber aus "Art of War" leider auch keinen guten Film macht.

Allzu auswechselbare Action mit konfuser Story


Wolfgang Huang