An jedem verdammten Sonntag
(Any Given Sunday)

USA, 162min
R:Oliver Stone
B:John Logan,Daniel Pyne
D:Al Pacino,
Cameron Diaz,
Dennis Quaid,
James Woods
L:IMDb
„Wo bleibt deine totale Hingabe?”
Inhalt
Tony D´Amatos (Al Pacino) Leidenschaft und Leben heißt seit 30 Jahren nur Football. Er ist Trainer der Miami Sharks, deren Tage als erstklassige Mannschaft gezählt scheinen. Die Spieler sind demotiviert und zusätzlich mischt sich die ehrgeizige Teambesitzerin Christina Pagniacci (Cameron Diaz) immer stärker in D´Amatos erprobte Trainingsmethoden ein. Als mit Jack "Cap" Rooney (Dennis Quaid) der beste, aber auch älteste Quarterback des Teams ausfällt, findet sich im selbstherrlichen Willie Beamen (Jamie Foxx) ein Ersatz. Dieser spielt brilliant, ihm fehlen jedoch die Führungsqualitäten. In krüzester Zeit muss D´Amato dass Team neu zusammenschweißen, denn die Play Offs rücken immer näher.
Kurzkommentar
Das größte Problem bei "An jedem verdammten Sonntag" stellt der vollkommen langweilige, sportfilm-typische Plot dar. Jedes Klischee wurde hier aus der Football-Mottenkiste geholt - Trainer, Spieler, Milliardärstöchter. Wäre den rasanten Spielszenen ein gefälligeres Drumherum vergönnt gewesen (z.B. ausgefeilte Medienkritik oder intensive Freundschaften), so käme das Ergebnis deutlich spannender daher - Schade.
Kritik
Zugegeben : ich schaue mir weder den Superbowl an, noch kenne ich mich in irgendeiner Weise mit dem Football-Regelwerk aus. Von daher kann ich Oliver Stones' Entscheidung, den Film um die Stellen, die stark regelorientiert sind, zu kürzen, eigentlich nur begrüßen. Und in der Tat offerierten sich mir als Football-Nobody kaum Szenen, die aufgrund des Themas "Football" langweilig erschienen. Gerade die eigentlichen Spielszenen - kunstvoll arrangiert zwischen Musikvideo und Sportreportage - wußten besonders zu Beginn ungemein zu fesseln. Stones' Wahl bei der begleitenden Musik erwies sich stellenweise als genial passend: ob typischer American-Sport Rock'n'Roll oder aktuelle Dance-Musik von Fatboy Slim - in Kombination mit Slow-Mo'-Aufnahmen und wuchtiger Soundkulisse entsteht ein Atmosphäregefühl sondergleichen.

Im Gegensatz zu vielen anderen fand ich die Spielszenen also nicht so ermüdend - eher den uninteressanten Rest, der die Spielaction umgab. Hier der stereotypische alkoholabhängige, aber taktisch exzellente Trainer (wie immer sehr gut : Al Pacino), dort die karrieresüchtige und exzentrische Millionärtstochter (auch treffend gespielt von Cameron Diaz). Alles stellte sich der typischen Plotstruktur eines Sportfilms unter - wenn nicht die nächste Spielszene gewartet hätte, wäre man fast in den Tiefschlaf gefallen. Da helfen auch keine Augäpfel-Schockszenen.

Im Prinzip könnte man also vom typischen Durchschnittsfilm reden - mitreißende Spielszenen wechseln sich in regelmäßigen Abständen mit langweiligen Dialogen ab. Lediglich die zahlreichen Top-Schauspieler und die nette Schlußpointe (die 75% der Zuschauer nicht mehr mitbekommen haben, weil sie schleunigst aus dem Kino wollten) verhelfen "An jedem verdammten Sonntag" über die 50 Yard Linie - von Oliver Stone konnte man definitiv mehr erwarten.

Packend geschnittene Football-Szenen mit langweiligem Drumherum


Thomas Schlömer