Amerikanische Jungfrau, Die
(American Virgin)

Spanien / Frankreich / USA, 105min
R:Jean-Pierre Marois
B:Ira Israel
D:Bob Hoskins,
Mena Suvari,
Robert Loggia,
Gabriel Mann
„Und dann werdet ihr f..f..f..v..v..v..verkehren!”
Inhalt
Joey (Bob Hoskins) ist Hollywoods erfolgreichster Pornoprudozent, und zugleich ein strikter, moralisch auftretender Vater. Diese Doppelzüngigkeit ist seiner Tocher Katrina (Mena Suvari) derart zuwider, so dass sie sich entschließt, sich in Ronnys (Joeys grösster Konkurrent, gespielt von Robert Loggia) Fernsehshow live entjungfern zu lassen. Zusätzlich kann jeder Zuschauer, angeschlossenen durch einen Cybersex-Anzug mit dabei und ebenfalls der Erste sein. Doch als Joey davon erfährt, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Tochter davon abzuhalten - und Katrinas ehemaliger Freund Brian will das ebenfalls nicht zulassen.
Kurzkommentar
Eigentlich hätte das Thema viel geboten: Von der harschen Sozialkritik bis zum schlichten Klamauk wäre alles drin gewesen. Leider versucht der Film jedoch, sowohl kritisch als auch lustig zu sein, was angesichts der Witz jenseits von gut und böse katastrophal endet.
Kritik
Nein danke, den nächsten Film von Mena Suvari will ich lieber nicht sehen. Nicht nur, dass Suvari anscheinend immer nur anzügliche Rollen spielen darf, auch die Filmtitel gleichen sich auffällig. Schlimmer aber noch, dass die Filmqualität von "American Beauty" über "American Pie" hin zu "American Virgin" nicht unbedingt zugenommen hat. Anscheinend haben die Hollywoodstudios jetzt ihre sozialkritische Ader entdeckt - und die besteht im wesentlichen darin, dass sie vor jeden zweifelhaften (jeweils in unterschiedlichem Sinne) Film ein "American" davor setzen. Ob der Film dabei ursprünglich in Frankreich entstanden ist, nicht notwendigerweise irgendwas mit Amerika zu tun hat und der Originaltitel "Live Virgin" deutlich treffender ist, ist herzlich egal. Andererseits verständlich, denn der amerikanische (Video-)Verleih muss alles tun, um diesen Film irgendwie attraktiv erscheinen zu lassen.

Zu Beginn präsentiert sich "Die amerikanische Jungfrau" (warum hat man nicht den französischen Titel adaptiert?) schrill und trashig - und führt so recht passend in die Welt zwischen Porno und (Doppel-)Moral ein, in der sich die Figuren bewegen. Die Idee der Live-Entjungferung ist zwar nicht brilliant neu, aber immerhin die konsequente Fortführung von Ideen, wie sie in "EdTV" oder "TrumanShow" verfilmt wurden. Auch das Reality-TV kann als Vorbild und sinnreicher Namensgeber gelten.
Wenig später steht der Film dann schon am Scheidepunkt: Jetzt wäre es hilfreich gewesen, sich für eine Richtung zu entscheiden, Wahlmöglichkeiten wären etwa eine ausgefeilte Kritik an der voyeuristischen Gesellschaft, ein moralisches Betroffenheitsdrama oder eine leichte, platte Komödie gewesen. Und da liegt nun der Hund begraben: "Die amerikanische Jungfrau" will unbedingt alles sein. Die vermeintlich fürsorgliche Moderatorin einer TalkShow und Katrinas ehemaliger Freund dürfen mehr oder weniger glaubwürdig den Moralpart übernehmen, der zu neuer Potenz gekommene Pornoproduzent Ronny ist Quelle zahlreicher Scherze jenseits jeder Niveau-Grenze, und zwischendurch blitzt dann auch noch -sichtbar angepappt- so etwas wie Kritik durch. Diese Mischung, so deutlich muss das gesagt werden, ist der Todesstoß für diesen Film, die Beschränkung auf einen Strang hätte dem Film jeweils deutlich geholfen. Aber das Schwanken zwischen Betroffenheit, primitiven Witzen und eingeworfener Sozialkritik ist einfach unerträglich.

Vor einiger Zeit gab es im Internet eine ähnliche, wenngleich fingierte Aktion: Und der Andrang war wohl nicht gerade gering. Hinterher schliesslich offenbarte der Initator seine wahren Beweggründe, nämlich der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Das Thema liegt als voll im Trend, und man kann sich kopfschüttelnd fragen, wann es denn wirklich so weit sein wird - irgendein Sender wird "im Interesse des Zuschauers" auch vor diesem Tabu keinen Halt machen.
Deshalb ist noch viel bedauerlicher, dass "Die amerikanische Jungfrau" so katastrophal zwischen allen Stühlen sitzt, jeden Fuss in einem Fettnäpfchen. Denn gemessen an formalen Kriterien ist der Film durchaus gelungen. Die Schauspieler sind zwar nicht gerade Weltklase, aber machen ihre Sache dennoch ordentlich, die Technik geht in Ordnung, abgesehen von den beschriebenen Mängeln hat sogar das Drehbuch seine Qualitäten.

Wer eine gewisse Unsensibilität gegenüber harten Stimmungs- und Richtungsänderungen im Film aufweist und zudem ein Freund derben Humors ist, kann dem Film vielleicht etwas abgewinnen, alle anderen seien vor dieser halbgaren Klamotte gewarnt.

Katatstrophal verhunzt durch oberpeinliche Witze


Wolfgang Huang