Monkeybone

USA, 92min
R:Henry Selick
B:Sam Hamm
D:Brendan Fraser,
Bridget Fonda,
Chris Kattan,
Giancarlo Esposito
L:IMDb
„Alpträume für den Arsch”
Inhalt
Endlich hat sich das Glück für den Zeichner Stu Miley (Brendan Fraser) gewendet: Er hat in Julie (Bridget Fonda) die große Liebe gefunden und steht mit seinem Cartoon um das respektlose Äffchen "Monkeybone" kurz vor dem Durchbruch. Doch am selben Abend, als er um Julies Hand anhalten will, gerät er in einen schweren Autounfall. Während Julie an seinem Krankenbett wacht, findet sich Stu in der unheimlichen Komawelt "Downtown" wieder, die bevölkert ist von Kreaturen, die sich an den Albträumen der Menschen ergötzen. Hier trifft er auch auf seine eigene Schöpfung, Monkeybone, mit der er einen Plan ausheckt, wie er den Tod (Whoopi Goldberg) überlisten und zurück ins Leben gelangen kann. Doch Monkeybone spielt ein doppeltes Spiel: Er hat seine ganz eigenen Pläne mit Stus Körper.
Kurzkommentar
So extravagant wie sein Titel ist auch der Film, doch der bizarre Bilderkosmos von "Monkeybone" bleibt billige Bühnenshow. Empfahl sich Regisseur Henry Selick noch vor Jahren mit meisterlichem Puppensurrealismus, so stümpert er sich nun durch Niederungen liebloser Drehbücher und ordinärer Gags. "Monkeybones" schrille Optik hält wach, der Rest des ausgehöhlten Affentheaters nervt.
Kritik
Zur geglückten, weil konsequenten Umsetzung bizarrer Ideen auf der Leinwand fällt schnell der Name Tim Burton. (Alp-)Träume sind seine Spezialität. Mit "Batman" demonstrierte der Meister morbider Bilderwelten 1989 eine der bemerkenswertesten Comicadaptionen. Kein Wunder, dass unter den Fittichen seiner Produktion dem Regisseur Henry Selick mit "Nightmare before Christmas" und "James und der Riesenpfirsich" zwei surreale Glanzleistungen gelangen, jede natürlich mit der für Burton so typischen absonderlichen Handschrift.
Doch jetzt schien Salick die Zeit reif, sich von Burton als Ideengeber zu emanzipieren und sein Können mit der eigenen Comicumsetzung unter neuen Produzenten zu beweisen. Das funktioniert aber nur dann, wenn entweder das Kriterium einer straffen Adaption der Vorlage oder, um die natürlich mageren Inhalte eines Comics effektreich zu überspielen, faszinierend unrealistische Atmosphäre geboten wird. "Monkeybone" hat nur ein Hauch von Letzterem, einen Fundus an nicht originellen, aber tauglichen Ideen, die jedoch allesamt unaufgegriffen bleiben. Das ist unverständlich, denn aus der bestechenden Idee eines schizophrenen Comiczeichners, der mit der rechten Hand unwillkürlich die dunkle Seite seines Ichs und mit der linken Kraft der Einwirkung seiner Frau lernt, Comics positiver Fantasien aufs Papier zu bringen, hätte so vieles möglich gemacht. Salicks fauler Budenzauber bietet dann gerade das Gegenteil der möglichen Tiefe und gibt sich von Beginn an alle Mühe, statt Wirre mit Konzept die pure Unterdurchschnittlichkeit zu bieten und ein junges Publikum förmlich anzubiedern.

Hohle Puppen, bezugslos in einen veräußerlichten Kirmestraum gestellt, der selbst nicht weiß, wieso er eigentlich ist, das ist Salicks unbedachter Entwurf. Schon unter TV-Niveau bewegt sich die unvermittelte Einleitung: Brendan Fraser ist Stu, der sich gegen die grenzenlose Vermarktung seiner vulgären Comicgestalt Monkeybone wehrt. Was seine Persönlichkeit ausmacht, ist dem Drehbuch egal, was Bridget Fonda als kitschige Staffage soll, ist unklar, aber egal, denn schon sinkt das Komahirn ins unerhörte Zwischenreich der eigenen Fantasie. Zugegeben, der Gedanke, sich als Comiczeichner in die eigenen Bilderwelten versetzt zu sehen, hat Potential, das aber der Alptraumcharakter der Vorlage von Selick zur billigen Selbstzweckmuppetshow verfälscht wird, ist ziemlich schmerzhaft. Zwar gibt es ansehnliche optische, schrecklich verkitschte Einfälle, die wenigstens dem Auge nicht langweilig werden, aber semantisch aufgeladen ist die Freakhölle zu keiner Sekunde. Spannung gibt es keine, schlechte bis derbe Gags werden lustlos aneinandergereiht und völlig paradox weilt ausgerechnet Monkeybone, doch angeblich die Entäußerung Stus positiver Fantasie, im schrill-bunten Vorhöllenvergnügungspark, in dem alles Staffage bleibt. Nicht, dass wir psychologisieren oder Traumdeuten wollen, aber wieso, zur Hölle, lehnt sich gerade das Geschöpf Monkeybone im Traum gegen seinen Schöpfer auf?

Egal, Hauptsache, Brendan Fraser macht sich erfolgreich zum Affen und ernstzunehmende Schauspielansätze wie in "Gods and Monsters" damit wieder vergessen. Das ist peinlich, ebenso alle weiteren "Rollen" wie die von Whoopie Goldberg oder ein wirklich horrormäßiger Gastauftritt von Gruselgott Stephen King. Der leidlich bei Laune haltende Quatsch mutiert dann gegen Ende immer mehr zur schalen Klamotte, so dass schließlich für "Monkeybone" das gilt, was eben die meisten Träume ausmacht: kaum fällt der Vorhang, sind sie vergessen.

Stumpfsinnige, kirmestraumartige Mischung aus Real- und Trickfilm


Flemming Schock