Bowfingers große Nummer
(Bowfinger)

USA, 98min
R:Frank Oz
D:Eddie Murphy,
Steve Martin,
Heather Graham
„Das sind aber Dinger!”
Inhalt
Der absolut wirkungslose, aber noch immer idealistische Pseudofilmproduzent Eddie Bowfinger (Steve Martin) sieht nach Jahren des Dahindämmerns endlich seinen großen Wurf gekommen. Von einem Freund, Buchhalter von Beruf, erhält er ein Drebbuch über den Sci-Fi Film 'Chubby Rain', das für den normalen Menschenverstand gnadenloser Müll, in Bowfingers Augen jedoch DER potentielle Kassenknüller ist. Fast mittellos, doch mit größter Tatkraft und Optimismus schickt er sich an, den Film, SEINEN Film zu realisieren. So werden seine Freunde, mehr oder weniger alle verlorene Existenzkünstler, kurzer Hand als Schauspielstab verpflichtet, eine Kamera illegal entwendet und über die Grenze geflohene Mexikaner als Setmitarbeiter eingespannt. Das Problem: Bowfinger braucht für sein Projekt nicht irgendeinen Star als Hauptdarsteller, sondern den berühmtesten Schauspieler der Welt, den Actionstar Kit Ramsey (Eddie Murphy). Da dieser für eine B-Movie Produktion natürlich nicht zu gewinnen ist, lässt Bowfinger sein Improvisationstalent spielen: Er verfolgt den ahnungslosen, ohnehin schon paranoiden Ramsey mit der gesamten Filmcrew, konfrontiert den Paranoiker mit den spielenden Darstellern und baut ihn so ohne sein Wissen in den Film ein. Das ganze Spiel wird soweit getreiben und Ramseys Wahnvorstellungen gesteigert, bis dieser vollends an eine Verschwörung durch Marsianer oder Venusianer glaubt. Bowfinger fehlen indessen nur noch wenige Klappen bis zum fertigen 'Werk'.
Kurzkommentar
Entgegen meiner Erwartungen ist "Bowfingers grosse Nummer" nicht so sehr darauf aus, einen Frontalangriff auf das Zwerchfell des Zuschauers zu starten. Steve Martin überspitzt gelungen die Marotten und ewigen Ideenaufwärmungen typischer Hollywood Konstruktionen, ohne jedoch bösartige und deplazierte Kritik zu üben. Einige kräftige Lacher mehr hätten dem Film aber nicht geschadet und so bleibt nur eine nette Satire ohne Biß ...
Kritik
Ich muß zugeben, daß mich Steve Martin Filme noch nie so richtig begeistern konnten - sein eigenwilliger Humor traf bisher einfach nicht meinen Geschmack und bei Filmen wie "Vater der Braut" oder "L.A. Story" habe ich mich eher gelangweilt, denn unterhalten gefühlt (selbst der Cyrano de Bergerac Verschnitt "Roxanne" wäre mit einer anderen Besetzung besser geworden). Ebenso konnten mich bisher die wenigsten Eddie Murphy - Streifen sonderlich beeindrucken. Ausnahme waren da nur seine Klassiker wie "Beverly Hills Cop" oder "Der Prinz aus Zamunda".

Umso erfreulicher natürlich, daß eine Kooperation der beiden gebeutelten Schauspieler unter der Regie des soliden Frank Oz die ansehnliche Komödie "Bowfingers große Nummer" hervorgebracht hat. Das liegt zum einen am gut ausgearbeiteten Drehbuch Steve Martins, zum anderen an Eddie Murphys recht untypischer Doppelrolle. Martins Einfallsreichtum bei der Entwicklung seines Charakters Bowfinger ist wirklich beachtlich, da sich durch den Film eine konsequente, wenn auch etwas schwache, Charakterisierung typischen Hollywood Dauertrashs zieht. Ein oberdämliches Skript hier, übertrieben grottige Splattereffekte da. Dazu das klischeegetragene Betthupferl Heather Graham, die es mit jedem ins Bett wagt, der für die nächste Sprosse ihrer Karriereleiter wichtig ist. Dann der amerikanische Traum vom mexikanischen Flüchtling zum handybetriebenen Manager und eine ach so begabte gealterte Filmdiva, der nuuur zu wenig Beachtung geschenkt wird. Wirklich eine gekonnt-kompakte Zusammenstellung, die Steve Martin dem Zuschauer auftischt und ihm die einzelnen Fliegen in der Suppe zeigt.

Flemmings Lob bzgl. der Schauspielerriege kann ich nur unterstreichen - der Film ist eigentlich perfekt besetzt, wenn selbst Eddie Murphy den vertrottelten, schüchternen Bruder des Kit Ramsey in dieser äußerst liebenswürdigen Form mimt. Soviel schauspielerisches Feingefühl hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Leider ist der Film in keinerlei Richtung konsequent genug. Er hätte entweder mehr satirischen Biß in Richtung Traumfabrik bringen sollen oder mehr echte Lacher. Es muß sicherlich nicht gleich ein (genialer) Oberklamauk wie bei der 'nackten Kanone' sein, aber die wenigen deftigen Brüller fielen doch sofort auf, da sie die verhaltene Ruhe zu selten unterbrachen. So erinnere ich mich noch gut an die geniale 'Zusammentreibung' der mexikanischen Flüchtlinge sowie an die köstliche Körpersprache Bowfingers und Ramseys Bruder in roter Heldenverkleidung im taiwanischen Jackie Chan-Verschnitt am Ende des Films.

So bleibt leider 'nur' eine liebenswürdige Komödie, die aufgrund ihrer gesunden konzeptionellen Ausarbeitung und ihren beherzt aufspielenden Akteuren Martin und Murphy gut zu unterhalten weiß ...

Liebenswürdige Gags und Ideen für den Komödienabend zwischendurch


Thomas Schlömer