Fußball ist unser Leben

Deutschland 1999, 92min
R:Tomy Wigand
D:Uwe Ochsenknecht,
Oscar Ortega Sanchez,
Ralf Richter,
Walter Gontermann
„Also er hat uns praktisch dazu genötigt ihn zu nötigen!”
Inhalt
Hans (Uwe Ochsenknecht) und seine drei Kumpels sind eingefleischte Fans des Gelsenkirchener Fußballvereins FC Schalke. Sie haben sogar einen eigenen Fanclub mit dem Namen "Dios-Knappen". Mit Dios ist der neue Schalker Superstar Di Ospeo (Oscar Ortega Sanchez) gemeint, der leider in den letzten Spielen ein vollkommener Totalausfall war. Durch unglückliche Umstände landet Di Ospeo in Hans' Keller, und so entschliessen sich die 4 Fans ihr Idol gleich dazubehalten und auf Topform zu bringen. Dummerweise hat Hans nämlich sein Haus, besser gesagt das seiner Frau, darauf verwettet, dass Di Ospeo im letzten Spiel der Saison ein Tor schießt. Hans' neugeborenes Baby und sein pubertierender Sohn bringen zusätzliche Verwirrung ins Spiel.
Kurzkommentar
Unglaublich, was für ein Schrott aus deutschen Filmstudios in die Kinos gelangt. Die platte Ruhrpott-Komödie befindet sich höchstens auf Fernsehfilm Niveau. Die Story ist selten dämlich, die meisten Witze gehen reaktionslos am Zuschauer vorbei. Einzig Ralf Richter ist wirklich lobenswert. Wer Fußball nicht leiden kann wird eh einen großen Bogen um den Film machen, alle anderen seien gewarnt: Dieser Film taugt nicht.
Kritik
Fußball ist ein Thema, das nur selten seinen Weg in die Kinos findet. Wenn überhaupt, muss man im Privatfernsehen mal wieder mit ansehen, wie irgendein Geistesgestörter ein komplettes Fußballstadion bedroht. Einzige Ausnahme in den letzten Jahren war 'Immer wieder Samstags' mit Sean Bean. Der Film beschäftigte sich nicht nur mit Fußball sondern in erster Linie mit den sozialen Problemen im Norden Englands. Auch 'Fußball ist unser Leben' beschäftigt sich mit sozialen Problemen, wenn auch nur oberflächlich und auf Witze angelegt.

Für eine Komödie bietet 'Fußball ist unser Leben' erstaunlich wenig witzige Szenen. Das liegt in erster Linie an dem grottigen Drehbuch. Die Handlung ist von vorne bis hinten an den Haaren herbeigezogen und macht überhaupt keinen Sinn. Die Dialoge sind eine einzige Katastrophe. Man bewegt sich hier mal wieder auf unterstem Niveau. Unglaublich, mit welcher Regelmäßigkeit es solche abgrundtief schlechten deutschen Komödien immer wieder in die Kinos schaffen. Wo bleiben die deutschen Komödien vom Schlage eines 'Bang Boom Bang'?

Ein paar Lichtblicke gibt es aber trotzdem. Ralf Richter, der auch in Bang Boom Bang mitgespielt hat, macht seine Sache gut und auch Oscar Ortega Sanchez hat einige gute Szenen, auch wenn seine Rolle vom Drehbuch nicht gerade konsequent behandelt wird. Seine "Entführung" wirkt einfach nur lächerlich und unlogisch. Uwe Ochsenknecht bringt seine Rolle leider gar nicht gut rüber, aber wenigstens singt er nicht.

Was mich an 'Fußball ist unser Leben' am meisten erstaunt hat, ist die Auswahl der Musik. Am Anfang ertönt 'You'll get what you give' von den New Radicals und am Ende hört man 'Football's coming home' von den Lightning Seeds, immerhin eine Lobeshymne auf den englischen Fußball. Auch während dem Film hört man immer wieder Brit Pop, wofür man angesichts dessen, was normalerweise in Fußballstadien läuft, sehr dankbar sein muss. Auch die Deutsche Band Readymade steuerte ein Lied bei. Auf Experimente wie "Village People featuring FC Schalke 04 singen die eingedeutschte Version von YMCA" wurde glücklicherweise verzichtet.

Diverse "Gaststars" machen noch ihre Auftritte. Da sieht man Manager Rudi Assauer und Trainer Huub Stevens kurz dem Spieler die Hand schütteln. Auch Yves Eigenrauch, eine Art Schalker Spielerunikat, hat ein paar Worte zu sagen, die sogleich zum weiteren Verlauf der Handlung beitragen. Nicht schlecht für einen Fußballspieler, vor allem wenn man die aktuelle Kinowerbung der BILD-Zeitung bedenkt.

'Fußball ist unser Leben' reiht sich in die Liste übelster deutscher Komödien auf einem soliden Mittelfeldplatz ein. Aus Deutschland kam schon Schlimmeres, was leider kein Gütesiegel ist. Es wird während dem Film erstaunlich wenig Fußball gespielt, von Stadionszenen ganz zu schweigen, die wären nämlich teuer. So kann man Fußballfans und Fußballhassern gleichermaßen von dieser dümmlichen Komödie abraten, einzig Schalke-Fans könnten dem Film etwas abgewinnen.

Schwachsinnige Ruhrpott-Komödie auf Fernsehfilm Niveau


David Hiltscher