Monday

Japan, 100min
R:Sabu
B:Sabu
D:Shinichi Tsutsumi,
Yasuko Matsuyuki,
Ren Osugi,
Masanobu Ando
L:IMDb
„Wenn wir den Herzschrittmacher nicht abschalten, wird die Leiche explodieren.”
Inhalt
Der Angestellte Takagi (Shinichi Tsutsumi) wacht in einen schwarzen Anzug gekleidet in einem Hotelzimmer auf. Er kann sich an kein Ereignis der letzten Tage erinnern. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung zu ihm zurück.
Kurzkommentar
"Monday" bietet schwarzen Humor satt, allerdings gekonnt verknüpft mit einer moralischen Handlung. Gewalt wird hier zwar visuell zelebriert, aber inhaltlich geächtet. Das sehr gute Drehbuch verknüpft amerikanische Stilelemente mit japanischen Filmtugenden. Heraus kam eine Art ruhiger Tarrantino-Film, der kaum kurzweiliger hätte ausfallen können.
Kritik
"Monday" ist eine der besten Grotesken der letzten Zeit. Sicher, ein Mörder mit Amnesie lockt normalerweise kaum noch einen Filminteressierten hinterm Fernseher vor. An einer ausgelutschten Grundidee allein ist jedoch noch kein Film gescheitert. Regisseur und Drehbuchautor Sabu hat mit "Monday" trotz dieses Handicaps einen zugleich spannenden und unterhaltsamen Kontrapunkt zu den Werken von Tarrantino, Ritchie oder Jarmush gesetzt. Auch Sabu bedient sich eifrig des beliebten Stilmittels der Rückblenden, doch diese sind so eng mit der Handlung verwoben, dass "Monday" ohne sie nicht so gut funktioniert hätte. Immer wenn Takagi sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt, setzt die Szene auch für den Zuschauer aus. Erst wenn der Protagonist selbst realisiert, was während der Blackout-Phase geschehen ist, bekommt man eben dieses filmisch gezeigt. Keine der Rückblenden wird mir nichts dir nichts in den Raum geworfen. Ihr Einsatz könnte kaum geschickter sein, sei es vom Timing her oder vom Effekt auf den Zuschauer, immer passen diese Szenen wie die Faust aufs Auge.

Gewalt wird eher selten gezeigt, da Takagi als Mensch im Mittelpunkt steht. Er und sein soziales Umfeld stellen ein sehr reizvolles Sammelsurium an verrückten Charakteren dar. Allerdings wird auf niemanden, auch auf Takagi nicht, näher eingegangen. Man erfährt also nicht viel von seiner Vorgeschichte, was aber auch nicht wirklich wichtig ist. Stattdessen konzentriert sich der Film alleinig auf die Geschehnisse rund um Takagis Alkoholsucht. Besonders gelungen ist dabei der moralische Unterton, der zwar wirksam ist, aber nie aufdringlich wirkt. Takagi sinniert in selbstreferentiellen Monologen über Sinn und Zweck von Waffen und Alkohol. Da Sabu an diesen Stellen auf Pathos verzichtet und die schauspielerischen Fähigkeiten von Shinichi Tsutsumi über jeden Zweifel erhaben sind, wirken diese Szenen sehr intensiv. Erfreulich ist auch die Musikuntermalung, die über weite Teile des Films durch gänzliche Abwesenheit besticht. Wenn jedoch mal Musik ertönt, trifft sie den Punkt. Das ist auch die Hauptstärke des Films: In den ruhigen Szenen halten einen Kameraführung und Schauspieler bei der Stange, während es den lauten Szenen keineswegs an Aussagekraft mangelt. Und anstatt den Zuschauer mit einer unüberschaubaren Armee von Nebencharakteren zu verwirren, konstruiert Sabu lieber lange, einfach aufgebaute Szenen, die nach und nach von todernst zu brüllend komisch wechseln.

Äußerst wirkungsvolle und unterhaltsame Groteske


David Hiltscher