Star Wars: Episode I - Die Dunkle Bedrohung
(Star Wars: Episode I - The Phantom Menace)

USA, 133min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:George Lucas
B:George Lucas
D:Liam Neeson,
Ewan McGregor,
Natalie Portman,
Jake Lloyd
L:IMDb
„Wipe them out ... all of them!”
Inhalt
Der friedliche Planet Naboo, regiert von der willensstarken Queen Amidala (Natalie Portman), befindet sich im Konflikt mit der mächtigen Handelsföderation, die unter Kontrolle des dunklen Jedimeisters Darth Sidious (Ian McDiarmid) steht. Um Queen Amidala und ihren Planeten vor der drohenden Invasion zu warnen, reisen der Jedimeister Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und sein Schüler Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) nach Naboo. Die Reise gerät zur Rettungsmission für Queen Amidala und ihren Hof, als die Invasion vollzogen wird und eine kriegerische Auseinandersetzung bevorsteht. Zwar gelingt die Flucht, doch müssen die Jedi-Ritter und die Königin auf dem Nachbarplaneten Tatooine notlanden. Während der Reperaturmaßnahmen stößt der Jedimeister auf den Sklavenjungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd). Qui-Gon Jinn erkennt sein immenses Potential mit der Macht umzugehen, will ihn von seinem Sklavenleben befreien und vor das hohe Gericht der Jedi-Meister in Coruscant bringen. Doch die Gruppe bleibt auf Tatooine nicht unentdeckt und Darth Sidious entsendet seinen Meisterschüler Darth Maul (Ray Park), die Jedis zu finden und zu vernichten.
Kritik
Star Wars ... der wohl weitverbreiteste Filmkult der Welt erhält mit "Episode I - The Phantom Menace" das erste Drittel des Prologs zur bisherigen Trilogie. Es ist ein Film, der, anders als "A new hope" damals, sich nur in den Grenzen seines Prequel-Status bewegen kann und außerdem eine Art Einleitung zur neuen Vorgänger-Trilogie darstellen muß. Und in diesen vorgegebenen Bahnen gelingt es George Lucas sehr gut, eine interessante Story mit einigen kleinen Überraschungen zu erzählen.

Es geht nicht nur um die Entwicklung Anakin Skywalkers, der, wie allen bekannt ist, einmal zu Darth Vader mutieren wird, sondern vor allem um politische Korruption und Geschicklichkeit, die durch den hinterhältigen Senator Palpatine (Ian McDiarmid) personifiziert wird. Ich fand es äußerst unterhaltend mit anzusehen, wie der kommende Imperator zu seiner Macht gelangt, Personen benutzt und sich gleichzeitig als gutmütig und gerecht darstellt. Überhaupt wirken einige Handlungsstränge und Dialoge im Hinblick auf die Weiterentwicklung in der "alten" Trilogie äußerst treffend und gut inszeniert. Als Beispiel sei hier das Versprechen Obi-Wans an Qui-Gon Jinn genannt, Anakin zu einem Jedi-Ritter heranzubilden, obwohl Obi-Wan selber erst am Ende seiner Ausbildung steht. Diese Naivität ruft indirekt den Satz Kenobis aus "Rückkehr der Jedi-Ritter" ins Star Wars geschulte Gedächtnis : "Ich dachte, ich könnte ihn ebenso unterweisen wie Yoda ... das war ein Irrtum."

Trotz dieser kleinen Finessen darf man Story und Handlungsführung nicht überbewerten : Episode I und auch die früheren Star Wars Filme haben ihre Anziehungskraft und ihren Kultstatus schon immer aus den phantasievollen Kreaturen und Handlungsorten, der mystischen Atmosphäre und den Top- Spezialeffekten bezogen ... nicht aus einer ausgeklügelten, sonderlich intelligenten Story. Diese Stärken konnte George Lucas, dank moderner Computertechnik, in Episode I dann auch besonders ausspielen : den Zuschauer erwartet eine wahre Bilderflut an phantasievollen Gebäuden, Schauplätzen und raffinierter Technik jenseits unserer Naturgesetze. Ob nun die epische Stätte Queen Amidalas mit ihren palastartigen Gebäuden, den stilvollen, monumentalen Statuen und den königlich-anmutenden Wasserfällen oder der detaillierte Stadtplanet Coruscant. Man wird umgehauen von der schöpferischen Kraft, die von diesem visuellen Meisterwerk ausgeht.

Eine weitere große Stärke des Films sind die schier unglaublichen Actionszenen. Bildet das vielseits gelobte Podrace in der Mitte der Spielzeit den vorläufigen Actionhöhepunkt, so wird dieser durch das fulminante Finale noch übertrumpft. Was Qui-Gon Jinn, Obi-Wan Kenobi und Darth Maul in ihrem Lichtschwertkampf kämpferisch vollbringen ist unbeschreiblich genial. Die Kampfszenen sind absolut perfekt choreographiert und beeindrucken vor allem durch die schon fast unmenschlich wirkende Geschwindigkeit. Dieser Endkampf, die monumentale Massenschlacht zwischen den Gungans und der Roboterarmee, die kurze, aber effektvolle Weltraumschlacht und Queen Amidalas Befreiungskampf finden alle zur gleichen Zeit statt und definieren einen neuen Höhepunkt in der Filmgeschichte der Actionszenen. Die wahnsinnige Intensität dieser Szenen drückt den Zuschauer bis an den Rand des Kinosessels und ist die wohl einzige legale Droge, die für solch intensive Adrenalinschübe sorgen kann.

Wie schon mit der Einführung des THX-Soundstandards zur Zeit der ersten Trilogie, so ist Lucas auch diesmal wieder ein audiotechnisch phänomenales Werk gelungen. Nie zuvor hab ich so intensive Surroundeffekte erlebt und nie zuvor sorgt die Akustik so sehr für ein "Mittendrin - statt nur dabei"-Gefühl. Und wenn dann zu den irren Lichtschwert - Kampfszenen der sakrale Chor aus John Williams' exzellentem Score ertönt, läuft es einem eiskalt den Rücken runter.

Bei all diesem Lob werden sich sicher einige fragen, weshalb der Film denn bei vielen Kritikern vergleichsweise schlecht weggekommen ist. Dies hängt, so extrem wie bei keinem Film zuvor, wohl immens von der Erwartungshaltung und der persönlichen Einstellung ab. Wenn irgendwo "Star Wars" draufsteht, wird halt zweimal hingeschaut ... ein in 20 Jahren entwickelter Kult wird eben an anderen Maßstäben gemessen als gewöhnliche Filme. Die meisten erwarten halt eine epische Fortsetzung ihres traumhaften Kindheitserlebnisses. Außerdem soll "Phantom Menace" wohl einerseits eine Einführung der Charaktere bieten, gleichzeitig aber so vergleichsweise dunkel und tiefgründig wie "Imperium schlägt zurück" sein und obendrein noch so böse Charaktere wie Darth Vader bieten, der für seine Unbeliebtheit drei Episoden Zeit hatte. Daß der Film dies nicht alles bieten kann, dürfte aber doch eigentlich klar sein...
George Lucas hingegen hat nichts anderes gemacht, als seiner kreativen Welt den Zeitgeist der 90er einzuhauchen. Schnellebig, actionreich, technisch phänomenal und vergleichsweise oberflächlich ... das, was Kids heutzutage wollen. Daß folglich Charakterentwicklung und tiefgründige Dialoge dabei auf der Strecke bleiben, kann ich ihm deshalb nicht verübeln.

Die Schwächen des Films liegen demfolgend dann auch in diesen Bereichen : einigen Dialogen mangelt es deutlich an Emotionalität und Intensität. Vor allem Jake Lloyd als Anakin hat doch einige schwache Stellen. Die Verabschiedung von seiner Mutter wirkt ebenso aufgesetzt und schlecht inszeniert wie das militärisch anmutende "Yes, my master" von Obi-Wan an Qui-Gon Jinn. Zudem sind die Kurzauftritte Yodas und der anderen Jedis deplaziert und dürften dem ein oder anderen überflüssig erscheinen. Im Hinblick auf die alte Trilogie haben diese Szenen durchaus ihre Daseinsberechtigung, sie gehen in der kreativen Visualität aber eher unter. Charaktere wie der vielgescholtene Jar Jar Binks agieren zwar grazil mit ihrer Umgebung sind aber eindeutig als kindgerecht zu indentifizieren. Mir haben seine Späße gefallen und genervt hat er mich auf keinen Fall, aber es ist schon offensichtlich, daß dies nicht bei jedem Zuschauer zutrifft. Außerdem ist der Beginn des Films eher schleppend, wenn man als Vergleich die actionorientierte Weiterentwicklung betrachtet. Von "langweilig" ist das zwar meilenweit entfernt, aber durchaus verständlich, daß einige Kritiker hier schon die durch die Erwartungshaltung geprägte Geduld verloren haben.

Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, daß Filme nun mal eine persönliche Erfahrung sind, die keinem beschrieben werden kann. Den einen mögen die deutlichen Schwächen des Films um einiges mehr stören als mich, weshalb man nicht euphorisch den Kinosaal betreten sollte. Der Film bietet aber vor allem eines : Spaß ... und davon eine ganze Menge.
Und allen, denen Star Wars zu infantil und anspruchslos erscheint, möchte ich ein Zitat vom amerikanischen Kritikerpapst Roger Ebert von der Chicago Suntimes ans Herz legen : "As for the bad rap about the characters--hey, I've seen space operas that put their emphasis on human personalities and relationships. They're called "Star Trek" movies. Give me transparent underwater cities and vast hollow senatorial spheres any day."

Die Definition von Kinospaß.


Thomas Schlömer