Transporter 3

Frankreich, 104min
R:Olivier Megaton
B:Luc Besson
D:Jason Statham,
François Berléand,
Robert Knepper
L:IMDb
„Nope! I am not ‘the gay.’”
Inhalt
Eigentlich hatte sich Frank Martin (Jason Statham) nach seinem letzten Einsatz in Miami dafür entschieden, seinen Job als Kurierfahrer gegen ein zurückgezogenes Leben an der französischen Riviera einzutauschen. Doch er hat seine Pläne ohne den ehemaligen Delta Force Soldat Jonas Johnson (Robert Knepper) gemacht. Im Auftrag der Entsorgungsgesellschaft Ecocorp hat Johnson Valentina (Natalya Rudakova), die Tochter des ukrainischen Umweltministers Leonid Vasilev (Jeroen Krabbé), entführt, um so eine offizielle Genehmigung für die Entsorgung von Giftmüll in der Ukraine zu erpressen.
Franks Rolle in diesem perfiden Spiel: Er wird gezwungen, Valentina von Marseille aus quer durch Europa nach Odessa zu chauffieren und so den Suchtrupps Vasilevs zu entkommen.
Kurzkommentar
Getreu dem Motto "Rules remain the same - except some change" schickt das Drehbuchautoren-Team Luc Besson und Robert Mark Kamen den Transporter Frank Martin ins Rennen. Unter der Regie von Olivier Megaton ("Exit - Die Apokalypse in Dir") packt Jason Statham ("Crank") gewohnt gewalttätig zu, gefolgt von Dauerkumpane François Berléand ("The Transporter", "Transporter - The Mission") und Robert Knepper ("Hitman - Jeder stirbt alleine", "Prison Break") sowie Luc Bessons Neuentdeckung Natalya Rudakova. Resultat: der freudig-erwartete Frontalcrash mit Schlüssigkeit und Anspruch.
Kritik
Was ist entwürdigender? Sich als ukrainischer Minister von einem französischen Provinzbeamten den Tag retten zu lassen oder als Zuschauer zu sehen, wie die verzogene, pillenschmeißende Göre von Tochter eben dieses Staatsbeamten in einem klischeeosteuropäisch dargestellten Land in eine verdammte Tankstelle pisst? Man entschuldige die Wortwahl. Bezüglich der ursprünglichen Frage: Man weiß es nicht.

Um eines vorweg zu nehmen: die Liebesgeschichte, die ihn „Transporter 3“ zwischen Fahrer und Entführungsopfer präsentiert wird, fährt, um in Bildern zu sprechen, mit angezogener Handbremse und auf äußerster Benzinreserve (mit Reserverad). Die „Neuentdeckung“ Natalya Rudakova als lästige Nervensäge zu bezeichnen, ist eine klassische Beschönigung. Und in diese Frau, pardon, dieses Mädchen soll sich ausgerechnet der Transporter, einer der wenigen neuen Actionstars, denen man die Bezeichnung noch abnehmen kann, verlieben. Für diese Karikatur von Anziehung soll der magische Nimbus der Coolness des Fahrers fallen? This is so not happening!

Ohne Zweifel hat „Transporter 3“ einiges auf der Habenseite für Freunde des Actionfachs. Martial-arts-Profi Corey Yuen übernahm erneut die Kampfchoreoraphien, was dem Film ungemein gut tut. Die solide Kameraarbeit gepaart mit dem leichtfüßigen Schnitt und der gelungenen musikalischer Untermalung ergänzt sich großartig mit der stoischen Gelassenheit, die Statham ausstrahlt. In den besten Augenblicken werfen sich er und sein Partner François Berléand zudem die komödiantischen Bälle zu.

Dennoch bleibt die Frage: Wie lange wird Statham noch das Zugpferd für diese Art von Kino bleiben (können/wollen)? Luc Besson, eine Art französischer Roger Corman, hat zweifellos so lange Fortsetzungen kruder und billig zu produzierender Actionreihen (Kosten diesmal: 30 Millionen US-Dollar) im Gepäck so lange Statham seinen gestählten Körper halten kann. Aber danach? Filme wie „Bank Job“ machen zwar Hoffnung, aber ein Imagewandel ist damit noch nicht geschafft.

Die US-Presse zeigt sich relativ unberührt von „Transporter 3“. Die New York Times schreibt: „ Though the car chases have grown more banal as the franchise has started to run on fumes, the smackdowns have retained their zing.” Im Seattle Post-Intelligencer ist zu lesen: “As action movies seem to get more complicated and convoluted with international conspiracies and technological concepts, the "Transporter" franchise is refreshingly simple.” Und Variety bilanziert: “Boasts a measure of the retro machismo, style and attitude some 007 fans have found lacking in "Quantum of Solace." But it also has a pointless storyline, incoherent editing and a polyglot cast that renders some of the dialogue utterly incomprehensible.“


Mit 250 km/h und Sixpack Richtung DVD-Auswertung: Arg zusammengeschusterte Rahmenhandlung als Entschuldigung für brachiale Daueraction.


Rudolf Inderst