Max Payne

USA, 100min
R:John Moore
B:Beau Thorne
D:Mark Wahlberg,
Mila Kunis,
Beau Bridges
L:IMDb
„I could feel the dead down there, reaching up to welcome me as one of their own.”
Inhalt
In den dunkelsten und gefährlichsten Ecken New Yorks ist ein Außenseiter unterwegs, ein Cop des Drogendezernats auf der Suche nach den Mördern seiner Familie. Auf der Suche nach Rache wird Max Payne (Mark Wahlberg) zum Hauptverdächtigen am Mord seines Partner und einer unschuldigen Frau. Um sich selbst zu entlasten, muss er nicht nur das Geheimnis hinter den brutalen Morden herausfinden, er muss sich auch Mächten zum Kampf stellen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Ihm zur Seite steht Mona (Mila Kunis), die ihrerseits den Mörder ihrer Schwester sucht.
Kurzkommentar
Basierend auf dem zweiteiligen und hochgelobten Videospiel „Max Payne“ von Rockstar Games erzählt Regisseur John Moore ("Das Omen", "Im Fadenkreuz - Allein gegen alle") eine reichlich konfuse Kriminalgeschichte, die weder als Thriller noch als Actionfilm funktioniert. Dazu kommt eine Darstellerriege, die offensichtlich ihr eigenes Tun und Spiel nicht ernst kann oder will. Schade.
Kritik
Gefährlich! Mark Wahlberg spritzt sich Botox. Nicht, um Falten glatt zu bügeln, sondern um eine zu erzeugen. Zwischen den Augenbrauen macht sich diese es wellig-bequem. Sie wird die kompletten 100 Minuten Film dort verweilen. So wirkt er in seinen dauerschwarzen Kostümen noch nachdenklicher, noch innerlich-zerrissener, noch verzweifelter und zum richtigen Zeitpunkt noch grimmig-entschlossener. Weiße Hemden und Lächeln sind für kurze Rückblenden zwar erlaubt, aber im Grunde hinderlich auf dem Weg zur endgültigen und perfekten Rache!

Lohnt es sich, in eine Kinokarte zu investieren, um eine einzig lohnende Actionszene zu sehen? Auch wenn Zeitlupenorgien schon längst keine Innovation mehr auf der Leinwand darstellen, wirkt das Payne’sche nach hinten fallen lassen und dabei die Schrotflinte sprechen zu lassen, während auf ihn von oben geschossen wird, wie ein Befreiungsschlag, den dieser Film zu jenem Zeitpunkt dringend brauchte. Bis dahin hatte sich der Film in dürftige Krimiversatzstücke verlaufen. Hinzukommt, dass die Überstilisierung der Kulissen und Kostüme den Film nicht theatralisch-intentionaler wirken lassen, sondern schlichtweg unpassend und billig daherkommen. Doch das Niveau dieser Actionszene kann nicht gehalten werden, es ist auch gut möglich, dass die Einstellungen, die offensichtlich der Schere zum Opfer fielen, um ein PG-13 Rating zu bekommen, jene optische Wucht innegehabt hätten, um zumindest die Fraktion „Schwarzer, langer Ledermantel“ – wenn wir schon von Klischees sprechen - zufrieden zu stellen. Es wäre vermutlich spannender gewesen, Max 90 Minuten in einer verrauchten Bar Selbstgespräche führen zu sehen. Oder meinetwegen auf dem Schießstand.

Der in Toronto abgedrehte „Max Payne“ bietet nach seinem Abspann noch ein Sequel-Setting an, und es ist aufgrund des finanziellen Erfolges des Films anzunehmen, dass wir den Detektiv und tragischen Helden voller schmerzhafter Erinnerungen (vielleicht nur direct-to-dvd) wieder sehen werden. Dem Genre der Videospieladaptionen jedenfalls tut dieser Film keinen Gefallen. Diese Einschätzung teilen auch die Kollegen von der US-Presse. Die Chicago Tribune urteilt: „Max Payne offers max pain along with min invention […].” Der San Francisco Chronicle ergänzt: “With its flat story, numbed-out protagonist, and faux artistic lighting and set design - everything is dark or moody or darkishly moody or moodily dark - Max Payne seems a good half hour longer than its running time.” Und schließlich ist die Baltimore Sun folgender Überzeugung: “What kills Max Payne is that the characters think and feel in slow motion. Half the time, mentally, they're just running in place.“

Vom game noir zum film triste: wirr zusammengeschusterter Actionfilm mit einem völlig überfordertem (oder unterfordertem?) Hauptdarsteller


Rudolf Inderst