Hellboy - Die goldene Armee
(Hellboy II: The Golden Army)

USA, 115min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Guillermo del Toro
B:Guillermo del Toro, Mike Mignola
D:Ron Perlman,
Selma Blair,
Doug Jones,
Luke Goss,
John Hurt
L:IMDb
„I suppress each photo, cell phone videos, each one costs me a fortune, and then they show up on Youtube... God, I hate Youtube!”
Inhalt
Die ewige Waffenruhe zwischen unserer Welt und den unsichtbaren Gefilden der fantastischen Unterwelt hat ein Ende. Die schlafende "goldene Armee" wurde vom Herrscher der Finsternis, Prinz Nuada (Luke Goss), zu neuem Leben erweckt, und die einzige Chance der Menschheit stellt der rot gehörnte Katzenfreund (Ron Perlman) dar. Gemeinsam mit seiner Feuer beherrschenden Freundin Liz (Selma Blair), dem Tiefsee-Empathen Abe (Doug Jones) und dem Protoplasma-Seher Johann stellt sich Hellboy den unheimlichen Kreaturen Nuadas entgegen. Und ganz nebenbei muss er sich auch noch um seine Beziehung zu Liz kümmern und als Geschöpf und Außenseiter beider Welten seinen eigenen Weg finden.
Kurzkommentar
Nach dem oscarnominierten Meisterwerk "Pans Labyrinth" gönnt Regisseur Guillermo del Toro seinem roten Helden mit den abgeschliffenen Hörnern ein gleichermaßen lautes wie unterhaltsames Comeback. Immer wieder werden dabei die Action-Revuenummern von phantasie- und humorvollen Pausen unterbrochen, die den Figuren genug Zeit lassen, sich zu entwickeln und präsentieren.
Kritik
Offensichtlich liegt del Toro die Hellboy-Reihe am Herzen: Um erneut Regie führen zu können, verzichtete er auf den Regiestuhl bei (geplanten) Großproduktionen von „Halo“, „I am Legend“ oder „Harry Potter“. Und auch Ron Perlman soll so manche Offerte abgelehnt haben, um wieder mit an Bord zu sein. Kann man verstehen – schließlich macht die 72 Millionen US-Dollar-Chose jede Menge Spaß, Einschränkungen jedoch nicht ausgeschlossen.

Mit einer schier unheimlichen Fülle an Kreativität und Detailliebe schöpfen die Frauen und Mannen um del Toro aus dem Füllhorn der Fantasie. Orte, Bauten, Kostüme und Masken sind von einzigartiger, ungewöhnlicher und obszöner Schönheit. Es macht als Zuseher großen Spaß, dem bunten und frischen Treiben auf der Leinwand zuzusehen. Mit der Pulsfrequenz eines dicken Grundschülers auf dem Trimmdichpfad prasseln die Monsterhorden auf Hellboy und seine Gefährten ein, ohne, dass es auch nur eine Sekunde langweilig würde.

Wenn ich an dieser Stelle allerdings von Abwechslung die Rede ist, ist damit leider nicht Nachhaltigkeit gemeint. Die kinetischen Achterbahnfahrten erinnern in ihrer Wildheit an blitzschnelle, immer wiederkehrende Revuenummern, welche stets dann einsetzen, wenn die Figuren des Films zur Ruhe kommen und über ihre Situation oder ihr Leben und ihr Treiben nachdenken. So gibt es zwar eine höchst komische und erinnerungswürdige Songeinlage, aber die Figur des Hellboy, an der man recht viele Konfliktthemen festmachen könnte, bleibt an der Oberfläche verhaftet. Das mag dem Kinoklientel geschuldet, welches man in diesem Effektspektakel um Superhelden vermutet, aber es ist doch schade um die vergebenen Chancen einer tiefer gehenden Charakterisierung.

Hellboy, der auf der einen Seite mit den größten Monstrositäten spielend fertig wird – und das stets mit abgedrehten Posen und coolen Sprüchen auf den Lippen – kommt auf der anderen Seite mit seinem Privatleben, der Beziehung zu seiner Freundin, eben den vermeintlichen kleinen Dingen des Alltags nicht klar. Doch del Toro traut diesem Stoff offensichtlich nicht und macht etwaigen Problematisierungstendenzen im Skript den Gar aus. Dies gilt auch die Frage nach dem Wunsch Hellboys, endlich Teil einer, wie auch immer gearteten menschlichen Gesellschaft zu werden. Diese lehnt ihn ab, enttäuscht ihn immer wieder und macht ihm klar, dass er letztlich doch nur ein Außenseiter bleiben wird. Der Antagonist Prinz Nuada gibt den teuflischen Verführer und führt dies Hellboy vor Augen – doch dieser potentielle Konflikt wird alles andere als großartig thematisiert.

Die US-Presse zeigt sich begeistert vom Hellboy-Sequel. Die Los Angeles Times schreibt: „Del Toro is almost alone in his ability to re-create on screen the wide-eyed exhilaration and disturbing grotesqueness that is the legacy of reading comics on the page.” Das Wall Street Journal führt aus: “Hugely inventive -- and smashingly beautiful.” Und die New York Daily News ergänzen: “The endlessly inventive del Toro creates visual fantasies unlike any other, and the creatures on display here are truly extraordinary. But amid all the costumes, all the action, and all the special effects, it's the humanity that makes his work so memorable. Yes, the monsters are amazing. But the moment when a heartsick Hellboy discovers Barry Manilow? Priceless.“


Kreative Achterbahnfahrt mit hohem Actionanteil und dichter Sequelwahrscheinlichkeit.


Rudolf Inderst