Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers
(The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor)

USA, 112min
R:Rob Cohen
D:Brendan Fraser,
Maria Bello,
Jet Li,
Russell Wong
L:IMDb
„You three-headed shape-shifting son-of-a-bitch!”
Inhalt
Einige Jahre sind vergangen, der Zweite Weltkrieg ist gerade vorüber und eine letzte Mission für die britische Regierung führt das Archäologen-Ehepaar Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O'Connell (Maria Bello) nach Shanghai und mitten hinein in eine politische Verschwörung, während zur gleichen Zeit ihr mittlerweile erwachsener Sohn Alex (Luke Ford) bei Ausgrabungen ebenfalls in China auf das Grab des Drachenkaisers stößt. Der Legende nach wurden der Furcht erregende Herrscher und seine Armee vor über 2000 Jahren von einer Zauberin mit einem Fluch belegt und in Terrakotta verwandelt. Um China zurückzuerobern, sollen sie offenbar wiedererweckt werden, und nur die O'Connells und ihr alter Freund Jonathan (John Hannah) stehen zwischen dem Drachenkaiser und einem neuen Zeitalter des Schreckens.
Kurzkommentar
Regisseur Rob Cohen ("Dragonheart", "The Fast and the Furious", "xXx - Triple X") lässt nichts anbrennen und liefert mit dem dritten Teil der Mumienjagd eine routiniert wirkende Nummernrevue ab, die ständig zwischen übler Zote und solidem Abenteuerfilm hin und her schwankt. Der Schauplatzwechsel steht der Serie im Übrigen recht gut.
Kritik
Es war einmal der Sommer des Jahres 1947. Während man in Shanghai noch dekadent Party machte und Fuffis im Club warf (zumindest kann dieser Eindruck entstehen, wenn man sich der Disney-Weichzeichner-Fantasie-Darstellung der Stadt Shanghai in vorliegendem Film hingibt), machte sich die kommunistische Rote Armee auf den Weg aus der Mandschurai, um Chiang Kai-shek mithilfe von Guerilla-Taktiken das Fürchten zu lehren. Insofern hat einer der Charaktere ganz recht, wenn er am Ende des Films in ein Taxi springt und lakonisch sagt: "Out of China!" Da ist es doch eine recht augenfällige Parallele, wenn der Mumiengeneral gegen Korruption, Chaos und Dekadenz losschlagen will. Wird hier durch die Hintertür Mao auf's Korn genommen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Auch noch zu Zeiten der Olympischen Spiele: Des Teufels General lässt Zombies und Geisterkrieger aufmarschieren als sei es die Eröffnungsfeier. Auch die wurde, wie zu lesen war, digital aufgebessert – also, da passt doch alles zusammen!

Das große inhaltliche Thema des Films ist der Generationswechsel, der sich anbahnt. Sohn und Tochter der alten Helden übernehmen Verantwortung und schlagen sich schon recht gut: Ältere Abenteurer, die langsam, aber sicher ihre Actionpakete an die nächste Generation weiterreichen – wo haben wir das im Mai schon einmal gesehen? Der Film legt ein recht hohes Tempo vor, Pausen lässt das Skript nicht zu und die Figuren können froh sein, wenn sich nicht als reine Stichwortgeber zum nächsten lauen Scherz missbraucht werden. Aber ein paar erwischt es dennoch – besonders John Hannah muss leiden. Er steht – radikal gelesen – für Klischeevorstellungen zum Thema Sadomasochismus, Homosexualität und Sodomie gerade. Und so springt, schießt und rennt man von Setbau zu Setbau, bestaunt die Attraktionen, bevor man alles in die Luft sprengt. Das sage noch einer, Archäologie sei ein langweiliges Geschäft.

Heftiger Gegenwind bläst der Mumie von der US-Presse entgegen. Der Austin Chronicle meint: "Little more than a cluttered, noisy, and unsatisfying thrill ride to nowhere." Das Wall Street Journal legt nach: "The best news about this clangorous clunker is that it may well have vanquished the Mummy franchise." Und Variety ergänzt: "Reheating the ingredients can't disguise how stale they are, as setpiece after setpiece strains to whip up excitement, only to fall flat while reminding of previous sequences that did such things ever so much better."


Diese Mumie zeigt ihre Edeltrashsammlung an Effekt-Schauwerten. Die Schauspieler verkommen dabei zu lauen Statisten.


Rudolf Inderst