Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia
(The Chronicles of Narnia: Prince Caspian)

USA, 144min
R:Andrew Adamson
B:Andrew Adamso, Christopher Marcus
D:Ben Barnes,
Liam Neeson,
William Moseley,
Peter Dinklage,
Georgie Henley
L:IMDb
„What do you suppose happens back home if you die here?”
Inhalt
Ein Jahr nach dem unglaublichsten Abenteuer ihres Lebens finden sich die Pevensie-Kinder erneut in Narnia wieder und müssen feststellen, dass inzwischen 1000 Jahre - in Narnia-Zeit gerechnet - vergangen sind und sich seit ihrem letzten Besuch viel verändert hat. Die zauberhaften Wesen wie Faune und sprechenden Tiere werden von König Miraz und seinen Telmarern, die Narnia vor Jahren überfallen haben, unterdrückt und sind fast ausgerottet. Die vier Kinder, die langsam ihre Erinnerungen an ihre Zeit als Könige und Königinnen von Narnia wiedererlangen, stehen erneut vor einem unglaublichen, spektakulären Abenteuer, in dem es diesmal gilt an der Seite des rechtmäßigen Thronfolgers Prinz Kaspian (Ben Barnes) sowie einiger wundersamer Fabelwesen Narnia von der Tyrannei zu befreien.
Kurzkommentar
Während Teil 1 der adaptierten C.S. Lewis Saga noch wegen seiner aufdringlich-religiösen Komponente gescholten worden war, geht es nun weltlicher zu. Zwar scheint der gesamte Film ein einzig unblutiges Schlachtengemälde zu sein, aber insgesamt stößt das Gesamtprodukt weitaus weniger sauer auf. Mal sehen, was im dritten Teil 2010 so auf dem Plan steht: die Phantasy-Lücke, die Peter Jackson hinterließ, ist jedenfalls nach wie vor schmerzlich-offen.
Kritik
Nach 144 Minuten stellt sich eine gewisse digitale Müdigkeit ein. Sicher, König Miraz und seinen Telmarern, die Narnia vor Jahren überfallen und unterdrückt haben, wurden im CGI-Effektgewitter vor staunendem Auge besiegt, aber dennoch bleibt ein fahler Nachgeschmack. Woran es liegen mag? Vielleicht werden schlichtweg zu viele Klingen gekreuzt, ohne, dass sich die Charaktere entfalten können? Vielleicht verdirbt einem die ethnische Säuberung light am Ende des Films auch den Geschmack auf die kommenden fünf Filme? Vielleicht, weil nicht der Mensch alleine, aus eigener Kraft den Staat oder das Reich retten kann, sondern auf das Göttliche angewiesen bleibt und sich schlichtweg nicht säkular emanzipieren kann? Das sich Opfern und Auferstehen im Minutentakt zelebriert wird? Ode einfach nur, weil kindliche Vorstellungen klassischer Märchen auf die eine kinoanschauliche Verbildlichung zusammengeschrumpft und minimiert werden?

Die Adamssöhne und Evastöchter sind nicht mehr zum Staunen und Entdecken in das Land bekommen, sondern, weil es Besatzer zu vertreiben gilt. Andere würden leichtfertig sagen, dass es sich nach 1000 Jahren vielleicht gar nicht mehr um Besatzer handelt, sondern um Einwohner. Was für eine dümmliche Ansicht! Die Klischeemischungen aus Italiener, Spanier, Portugiesen, die heute noch dem Diktator zujubeln und morgen schon den Befreiern müssen re-sozialisiert werden – und das ist bewiesenermaßen am einfachsten durch Klinge und (gefühlte) Demütigung zu erreichen. Erneut bleiben an dieser Stelle die Vorlagen zu wenig kritisch hinterfragt.

Bild und Ton bewegen sich standesgemäß auf einem sehr hohen Niveau. Von dem echt wirkenden Fell der Tiere und den beeindruckenden Wassereffekten könnte man minutenlang schwärmen (wenn man es denn wollte). Narnia – das Land der Farbfilter! Der Soundtrack bewegt die Gemüter, orchestraler Hammer der Vergeltung! Die Ausstattung, die Kostüme, die Bauten: all das ist wunderschön anzusehen, wie Bildbände sickern die Motive in den Kopf des Zusehers ein. Könnte man das doch auch nur von den Figuren und deren Verknüpfungen sagen. Denn das muss man dem ersten Teil zugestehen: Die Hexe (Teil 1) schlägt den Tyrannen (Teil 2) mit 1:0 in Sachen "Besserer Bösewicht".

Auch die US-Kollegen wittern einen eher lauen Ausflug in die Phantasywelt. Der San Francisco Chronicle meint: "Exactly one minute longer than its predecessor, but it's a dragged-out exercise, with no epic scale and no spirit worth talking about." Newsweek ergänzt: "As the outcome of all the sword-flinging and catapult-launching is never in question, it's hard to stay engaged with the movie once the fighting begins." Und die Chicago Tribune bilanziert: "In the 1951 novel the climactic battle between the good Narnians and the bad Telmarines lasted a few pages. The film version of the same battle feels like 'The Longest Day.'"


Von religiösem Missionarseifer des Vorgängers etwas entschlackter, digitaler Bilderrausch um Schlachten voller Kinder und putziger Tierchen.


Rudolf Inderst