Freunde

Deutschland 2000, 103min
R:Martin Eigler
B:Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner
D:Benno Fürmann,
Erdal Yildiz,
Christiane Paul,
Irene Kugler
L:IMDb
„Ich glaube, er hat sich sofort in mich verliebt, als ich so leblos da lag.”
Inhalt
Seit ihrer Kindheit hat sich für die drei Freunde Nils (Benno Fürmann), Caro (Christiane Paul) und Tayfun (Erdal Yildiz) einiges geändert. Tayfun ist in dubiose Machenschaften verwickelt, an denen Nils früher auch beteiligt war, bevor er sich entschloss, Polizist zu werden. Vor allem die Liebe zu Caro verbindet die beiden, auch wenn Nils nie überwunden hat, dass sich Caro für Tayfun von ihm getrennt hat.
Kurzkommentar
Besonders ärgerlich sind die Filme, die die richtigen Zutaten für ein ergreifendes Drama haben, man als Zuschauer aber dann mit ansehen muß, wie der Regisseur jeglichen Ansatz vergeigt. Martin Eigler zeigt sich so verliebt in seine Optik, daß er den Inhalt des Film und die Gefühle, die seine Bilder vermitteln sollen, vollkommen außerachtlässt. Schade, schade, schade.
Kritik
David hat das größte Problem des Films eigentlich schon angesprochen: der Streifen verliert sich in vier, fünf Handlungsstränge gleichzeitig und entwickelt keinen besonders gründlich. Während die Kollegen von Artechock gerade das an "Freunde" so mochten, sind mir das mindestens zwei zuviel: der peinliche Liebesgeschichten-Ansatz zwischen der Bedienung Miriam und dem kleinen, unerfahrenen Bruder Tuncay sowie die sich zum Ende hin immer konfuser entwickelnde und emotional schleierhaft bleibende Beziehung zwischen Nils und seiner im wahrsten Sinne des Wortes langjährigen Freundin.

Der Ansatz ist dabei gar nicht mal schlecht: die Beziehung einer reifen, beinahe weise wirkenden Frau zum verstörten, melancholischen Nils hat irgendwie was, aber Martin Eigler zeigt überhaupt keine Ambitionen, diesen Plot weiterzuentwickeln. Stattdessen stolpern die Charaktere von einer unnachvollziehbaren Handlung in die nächste. Warum Nils Caro immer noch liebt, wo er doch mit seiner Freundin gar nicht mal so unglücklich schien, bleibt schleierhaft. Zuerst will er sich auch gar nicht mir ihr treffen, dann plötzlich doch, dann sind sie im Aufzug, dann bekommt er Muffensausen, hin und her, oben, unten. Zwischendurch stirbt auch noch seine treue Liebe, dann ist sie plötzlich wieder lebendig. Um die Freundschaft zwischen Tayfun und Nils deutlich zu machen, wird noch eben ein Basketballspiel eingestreut, dessen freundschaftliche Emotionen uns ebenso verborgen bleiben wie die Motivation für Nils' Reaktion am Ende. Eigler hatte scheinbar gehofft bis zu diesem Zeitpunkt genug Bindung zu seinen Charakteren aufgebaut zu haben, so daß das Ende ergreifend und rührend wirkt; diesen magischen Moment entfacht. Naja, hat wohl nicht ganz geklappt.

Insgesamt wollte Martin Eigler wohl einfach nur einen atmosphärischen, Melancholie-durchtränkten Film schaffen. Die Optik und die Darsteller stimmen dabei sicherlich - Benno Fürmann spielt die Rolle zwar wie jede andere, aber Erdal Yildiz hat es mir angetan. Sein Charisma und die Ruhe, die er ausstrahlt haben irgendwie Klasse. Aber das nützt alles nichts, wenn der Film kein, aber auch gar kein Konzept erkennen läßt und so bleibt "Freunde" ein Musterbeispiel für "function follows form".

Schöne Bilder, ordentliche Darsteller, aber Null Konzept


Thomas Schlömer