Freunde

Deutschland 2000, 103min
R:Martin Eigler
B:Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner
D:Benno Fürmann,
Erdal Yildiz,
Christiane Paul,
Irene Kugler
L:IMDb
„Ich glaube, er hat sich sofort in mich verliebt, als ich so leblos da lag.”
Inhalt
Seit ihrer Kindheit hat sich für die drei Freunde Nils (Benno Fürmann), Caro (Christiane Paul) und Tayfun (Erdal Yildiz) einiges geändert. Tayfun ist in dubiose Machenschaften verwickelt, an denen Nils früher auch beteiligt war, bevor er sich entschloss, Polizist zu werden. Vor allem die Liebe zu Caro verbindet die beiden, auch wenn Nils nie überwunden hat, dass sich Caro für Tayfun von ihm getrennt hat.
Kurzkommentar
Dieser Film ist eine einzige Unerträglichkeit! Ohne auch nur einen kritischen Blick auf seinen von rassistischen Klischees nur so durchzogenes und zudem reichlich konfuses Drehbuch zu werfen inszeniert Eigler bilderverliebt vor sich hin, ohne Ziel, ohne Zweck, aber voll in alle Peinlichkeiten. Zu diesen gehört auch Dumpfbacke Benno Fürmann, der einmal mehr zeigt, dass er ohne klare Führung ausser Lächerlichkeiten nichts zustande bringt.
Kritik
Werfen wir nochmal einen genaueren Blick auf die Story [Spoiler]: Da haben wir also den deutschen Polizisten, der, aufgewachsen mit seinem ausländischen Freund, Polizist wird. Das entzweit ihn jedoch nicht von Tayfun, vielmehr nimmt er für ihn sogar sein Karriereende in Kauf, indem er versucht, seinen türkischen Freund zu decken. Bis hierhin ganz nett. Später erfährt der Zuschauer dann, dass Polizist Nils keineswegs uneigennützig gehandelt hat, sondern dem seiner Ansicht nach arroganten Macho Tayfun, der ihm die Freundin nahm, eins auswischen wollte. Bis hierhin ist die Story ja noch brauchbar, doch dann verliert sie sich den schwarzbraunen Abgründen diskriminierender Klischees. Denn es stellt sich leider heraus, dass der türkische Freund nicht nur ein Macho ist, das wäre ja verzeihlich, sondern leider auch noch ein Mörder, Räuber, Randalierer, Drogenhändler und Lügner. Wie übrigens alle Türken in diesem Film. Ist ja klar, sind auch Türken, sie können nicht anders, müssen kriminell sein. Das versteht auch Nils, weshalb er sich zu einer verdeckten Ermittlung überreden lässt. Hier kann er nun in deutscher Gründlichkeit alle die Schandtaten seines ausländischen Freundes aufzeigen, und am Schluss bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen ehemaligen Freund seiner gerechten Strafe zuzuführen. Halt, mag der geneigte Leser einwenden, so einfach ist es ja nicht, der deutsche Polizist ringt ja im Geiste, steht zwischen Loyalität und Rechtschaffenheit, schwankt, will dem Freund helfen. Stimmt, so einfach ist es gar nicht, das erkannte auch schon Göbbels, als er damals jene berüchtigte Rede hielt, in der er Verständnis dafür zeigte, dass man seinen Nachbarjuden, seinen befreundeten Juden anders sehen wolle als die bösen Weltverschwörer. Aber es hilft alles nichts, wusste auch schon Göbbels, die deutsche Integrität muss siegen, und der grösste Dienst am deutschen Volke besteht darin, auch seinen Lieblingsjuden seiner verdienten Strafe zuzuführen, darin zeigt sich wahre Überlegenheit. Erschreckend paralell gestattet sich die Filmhandlung, in der auch Nils der Überzeugung anheim fällt, die schon Wihelm der II. zur Parole erhob: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.". Also tut er seine Pflicht. Auch wenn das nur ein kleiner Beitrag ist, wie sein Vorgesetzter weiss, denn die Verschwörung des Bösen ist überall.

Um Freundschaft soll es gehen, suggeriert der Titel. Um Freundschaft in der Krise - sonst hat es ja keine Spannung. Woher kommt die Krise, woher die Spannung? Klar: Der Türke nimmt die deutsche Frau als Freundin (übrigens eine interessante Figur, deren Credo das Wegschauen ist), dealt, mordet, lügt. All das kann der rechtschaffene Nils nicht verkraften, daher kommt es zum Bruch, zu Zweifeln, zur Auslieferung. Worauf die Freundschaft beruht haben soll, bleibt völlig unbeleuchtet, sie waren halt irgendwie Freunde, vermittelt der Vorspann. Integration findet nicht statt, der Deutsche wird Polizist, der Türke kriminell. So ist der Lauf der Dinge, will uns der Autor damit wohl sagen, denn auch nur den Hauch einer Erklärung bleibt er dem Zuschauer schuldig. Ist halt so, gottgegeben. Verbrämt wird das Ganze durch eine gewollt künstlerische, vor diesem Hintergrund aber völlig verfehlte Ästhetik. Kontrastarme Bilder, wenig Gerede. Wenn gesprochen wird, so äussert sich der Held in einfachen Aussagen, der Türke windet sich, die Frau gibt unüberlegte Belanglosigkeiten von sich. Noch so eine gottgewollte Sache.

Hätten Eigler oder Neuwöhner auch nur einmal einen ernsten Blick ins Drehbuch geworfen, ihnen wären diese Ungeheuerlichkeiten wohl aufgefallen. Aber die Optik zeigt, dass hier jemand reichlich selbstverliebt am Werke war, inszenieren, inszenieren, inszenieren, ich bin Regisseur, hört auf mich, die Aussage ist egal, Hauptsache es sieht künstlerisch aus. Aber da das kritische Bedenken offensichtlich nicht zu den Stärken der Macher gehört, sonst wären uns noch weitere Inkonsistenzen erspart gebleiben, ist "Freunde" ein zutiefst rassistischer Film, der einfach nur verachtenswert ist.

Affektiert-peinlicher Langeweiler mit rassistischer Story


Wolfgang Huang
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Besonders ärgerlich sind die Filme, die die richtigen Zutaten für ein ergreifendes Drama haben, man als Zuschauer aber dann mit ansehen muß, wie der Regisseur jeglichen Ansatz vergeigt. Martin Eigler zeigt sich so verliebt in seine Optik, daß er den Inhalt des Film und die Gefühle, die seine Bilder vermitteln sollen, vollkommen außerachtlässt. Scha...