Jumper

USA, 88min
R:Doug Liman
B:David S. Goyer
D:Hayden Christensen,
Jamie Bell,
Samuel L. Jackson
L:IMDb
„As a matter of fact, I like walking for a change! Makes me feel normal.”
Inhalt
David Rice (Hayden Christensen) dachte immer, er sei ein ganz gewöhnlicher Typ - bis er durch Zufall entdeckt: Er ist ein "Jumper". Sekundenschnell kann David nach Tokio teleporten, ins Kolosseum nach Rom oder zu den Pyramiden von Gizeh. Seiner Freundin (Rachel Bilson) schenkt er zwanzig Sonnenuntergänge in einer Nacht. Doch dann nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Verfolgt von einer Geheimorganisation, die Menschen wie ihn auslöschen will, verbündet sich David mit einem anderen "Jumper" (Jamie Bell) und erkennt, dass er die Schlüsselfigur in einem jahrtausendealten Krieg ist.
Kurzkommentar
Trailer zeigen das Beste aus einem Film, tönt es manchmal. Vielleicht war das nie richtiger als im Falle von "Jumper". Regisseur Doug Liman inszeniert die Teenie-FX-Schmonzette als rastlos-wirres Digitalgewitter ohne Feingespür für Charaktere und Handlung. Eingesprungene Arschbomben vom 3m-Turm im Freibad sind da auf jeden Fall interessanter.
Kritik
Gemein! Alle sind irgendwie cooler als der Hauptdarsteller. Hayden Christensen ist der Einbauschrank unter den Jungdarstellern. Der Van Damme unter den Nachwuchsmimen. Der Steven Segal unter den Hollywood-20-Somethings. Jamie Bell, der Sidekick ist frecher, witziger und origineller. Samuel als jagender Gotteskrieger hat die heißere Frisur und Rachel Bilson den einfacheren Part als verwirrtes und sensibel-introvertiertes Rebhuhn.

"Jumper" schneidet bekannte Grundthemen an. Der unverstandene Teenager, der sprichwörtlich "anders" ist provoziert Konflikte mit dem Elternhaus am Fließband! Da kann, nein, da darf der Bully in der Schule nicht fehlen, der dem Uberangst-Heranwachsenden das Leben zu Hölle macht. Vatti trinkt Bier und poltert herum! Und dann gibt es da noch das schwierige Beziehungsgeflecht zwischen den Springern und den Jägern. Paladine, in der Antike übrigens Palastangehörige mit hohen Würden, im Mittelalter königswahlberechtigte Pflalzgrafen machen sich im Jumper-Universum auf, die abnormalen und durch ihre Sprungfähig gotteslästerlichen Jumper auszumerzen. Samuel L. Jackson spielt Roland; zweifellos ein Name mit Geschichte.

Das so genannte Rolandslied stellt ein altfranzösisches Versepos dar, welches im 11.Jahrhundert entstanden sein dürfte. In diesem kämpft Roland bis zum letzten Atemzug im Dienste Karl des Großen gegen eine feindliche Übermacht – zu guter Letzt stirbt er den, was sonst, Heldentod. Das Rolandlied wurde bereits für viele Deutungen und Interessen eingespannt. Heidenkrieg und Nationalismus sind nur zwei der vielen Beispiele. In "Jumper" sind es also gottesfürchtige Highend-Kämpfer, die sich über das weltliche Gesetz stellen, um das aus der Welt zu schaffen, was sie für blasphemisch, frevelhaft und ruchlos halten.

Wie bei vielen anderen Titeln auch, gibt es bei "Jumper" eine Romanvorlage. Die verdanken wir Autor Stephen Gould, der die genetisch veränderten Jumper 1992 so ins Leben rief. Ob diese sich mehr Zeit für die Figuren lässt, bleibt ungewiss; durchaus nachvollziehbar ist es aber, die Idee für die Leinwand zu adaptieren. Springen ist eine zutiefst visualisierbare Idee und Tätigkeit; die Dynamik, die ein Sprung entfaltet und ihre Nachvollziehbarkeit im Auge des Betrachters eignen sich für das Medium Film in besonderer Weise. Daher wirken die "Jumps" der beiden Darsteller auch richtig attraktiv, es macht Spaß, ihnen bei der Teleportation, der Überwindung von Distanzen und Räumlichkeiten zuzusehen. Es ist eine Dekadenz der Bildlichkeit, es ist eine Verschwendung und Enträumlichung zugleich. Die benutzte Digitalisierung und Virtualisierung des Global Village wird auf die Spitze getrieben, indem sich Entfernungen solange krümmen, bis eine Topographie der totalen Konvergenz entsteht. Lineare Prozesshaftigkeit wird hier durch nur auf den ersten Blick systemkorrupierende Kräfte manipuliert und in unrhythmische Kleinstintervalle zerbrochen.

Doch durch die Gleichschaltung von Abreise und Ankunft, der perfiden Perfektionierung des Schnittmittels Jump Cut, werden Zwischenräume ausgespart, erledigt und entgrauzonifiziert. Die Figuren sind Einsen und Nullen, sind wie An- und Ausschalter auf Droge Zeitraffer, die eben nicht mehr den reizvollen Satz "Wenn einer eine Reise tut…" vervollständigen können. Bei 3 geht's los, heißt bei ihnen auch, bei 3 sind wir da. Handlungen, die sich also in Überbrückungs- oder sogar Ruhphasen entwickeln könnten, gibt es in "Jumper" nicht. Für die Figuren hat das fatal Folgen. Sie teilen sich nicht mit. Sie sind stets "auf dem Sprung" in den nächsten Zustand, sind stets sprunghafte Gesellen des Nichtphasischen. Die Erzähltechnik, die mit dieser Vorantreibung der Dinge auf technischer Ebene mithält, zeigt "Jumper" zu keiner Nanosekunde. Wer überall gleichzeitig ist, ist zugleich auch nirgendwo zugleich.

Was letztlich die US-Presse sagt, kann uns da auch schon herzlich egal sein, aber man kann ja mal von Zitat zu Zitat springen, um sicher zu gehen. Im Wallstreet Journal lesen wir: "Dramatic development? None. Entertaining dialogue? Ditto. Internal logic? Puhleez. Intriguing characters? No characters, thus no intrigue. Interesting performances? Essentially none." Die Time führt an: "Jumper is so lame -- undernourished in its characterizations, stillborn in its action scenes -- that it inevitably leads the idled mind to wondering how this movie got past the pitch stage." Und die New York Times bilanziert: "A barely coherent genre mishmash." Achso, und 2011 kommt Teil 2. Like, uhm, WOW!


Für manche Filme reicht EINE clevere Idee, für ANDERE eben nicht. "Jumper" fällt in die zweite Kategorie. Jumping to the next movie. Now.


Rudolf Inderst